Beitrag vom 28.01.2012

Der erste Dokumentarfilm über die Occupy-Bewegung in Deutschland

Anders denken. Anders leben. So lautet das Motto von Oya. Doch was bedeutet das konkret? In Zeiten, in denen eine Krise die nächste jagt, in denen nichts mehr sicher scheint und ein »Weiter so« in jedem Fall immer unhaltbarer, wird die Frage nach lebbaren Alternativen immer lauter. Auch die Occupy-Bewegung in Deutschland stellt diese Fragen und sucht nach Antworten. In den Medien hört und liest man immer wieder, dass es keine Anführer gibt, keine Forderungen und keine Ideologien.

Was aber, so haben wir uns gefragt, treibt die Menschen an? Wie unterscheiden sich die Befindlichkeiten in den Camps unterschiedlicher Städte und Regionen? Wie viele Menschen sind dort auf der Straße und den Plätzen aktiv? Und unter welchen Umständen würden sie ihre Zelte wieder einpacken? Fragen die uns dazu brachten, uns kurzerhand auf die Reise zu machen und selbst nachzuschauen: Wir fuhren von Hamburg über Berlin, dem kleinen thüringischen Städtchen Zeulenroda und Leipzig bis nach Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf, bevor wir wieder zurück nach Hamburg kamen. Mit dabei waren nicht nur unsere Hunde, sondern auch unsere Kamerafrau nebst Kamera: Entstanden ist der abendfüllende Dokumentarfilm mit dem Titel »Occupy Me! Eine Reise durch den Deutschen Herbst 2011«, der sich komplett und kostenlos auf YouTube ansehen lässt. 

Und unser Fazit? Zwar war die Stimmung in den verschiedenen Stationen schon recht unterschiedlich: In Leipzig war der Geist von 89 zum Greifen nah, in Stuttgart spürte man den tiefen Graben, den die Auseinandersetzung um S21 gerissen hat, und in Frankfurt war die Belagerung durch die Medien überall zu spüren. Doch fanden wir überall ähnliche Gedanken und Sehnsüchte. Es gibt keinen Zweifel: Die Occupy-Bewegung ist ein Ausdruck eines breiten Bewusstseinswandels, ähnlich wie dies bei der 68-Bewegung der Fall war.

Ein Bewusstseinwandel, der die Einheit betont – und die Verantwortung des Einzelnen für unsere Gesellschaft, unsere Demokratie, unsere Wirtschaft, kurz: für unser Leben. Den Menschen geht es vor allem darum, gemeinsam Alternativen zu finden. Sie suchen nicht nach neuen Ideologien, einem neuen System, einer neuen Doktrin. Nein! Sie suchen nach Wegen, wie man auf gemeinschaftliche, basisdemokratische Weise Lösungen für unsere heutigen Probleme finden kann – ob es nun um die Finanzkrise oder den Umweltschutz geht.

Natürlich ist dies nicht ohne Reibereien, Konflikte und Herausforderungen möglich. Das geht zum demokratischen Willensbildungsprozess nun mal dazu. Und: Noch ist nicht gesagt, dass die Occupy-Bewegung tatsächlich zu einer treibenden, gesellschaftlichen Kraft heran wachsen wird. Und doch zeigt der Film: Der Wandel hat begonnen! Er geht in jedem Einzelnen von uns vor sich. Und egal ob die Occupy-Bewegung langfristig besteht oder nicht: Dieser individuelle Lernprozess und die Gewissheit, dass es da draußen viele Brüder und Schwestern im Geiste gibt, der macht Mut und verschafft Gewissheit. Die Gewissheit, dass eine bessere Welt möglich ist und kommen wird!


Zum Film: »Occupy Me!« ist ein 80-minütiger Dokumentarfilm. Als Spin-Off des Blogs www.fuereinebesserewelt.info steht er unter Creative Commons – das heißt er darf non-commercial und unter Nennung der Quelle frei verbreitet werden. Wer ein nicht-kommerzielles Public Screening machen möchte, kann eine DVD bestellen.

Ilona Koglin

geschrieben von Ilona Koglin
am 28.01.2012

6 Kommentare

von Jens am 30.01.2012

«Auf keinem der angegebenen Links finde ich das Gesuchte - Hilfe!»

von Oya am 30.01.2012

«Danke für den Hinweis – nun sollten die Links funktionieren.»

von WhiteHaven am 31.01.2012

«Also bei mir funktionieren die Links...! In diesem Sinne "Revolutionär denken, evolutionär handeln... aber manchmal eben auch evolutionär denken und revolutionär handeln!"»

von Bildbearbeitung_oya am 31.01.2012

«Hallo liebe Leute, schreibt ihr mir welche Links genau nicht funktionieren? Bei mir hat es auch funktioniert, deshalb weiß ich nicht genau welche ich reparieren soll. Viele liebe Grüße, Bilderschreibtisch von oya »

von jacob am 09.03.2012

«"...eine Be­we­gung, die sich gegen die ver­meint­li­chen 1 Pro­zent rich­tet und die ab­so­lu­te Mehr­heit der 99 Pro­zent mo­bi­li­sie­ren will, ist (selbst) einem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Den­ken ver­fal­len. Dass eine der­ar­ti­ge „Be­we­gung“ auch für Ver­schwö­rungs­fans, Rechts­po­pu­lis­ten oder gar Ho­lo­caust­leug­ner at­trak­tiv sein kann, hat die „Oc­cu­py-​Be­we­gung“ ein­drucks­voll be­wie­sen."»

von markus (ein okkupist) am 12.03.2012

«Lieber Jakob, es handelt sich bei "Occupy" eben nicht um eine Bewegung sondern um viele Bewegungen. es gehört schon eine menge verschwörungsideologisches Denken dazu, um "Occupy" eben dieses zu unterstellen. Auch ich indentifiziere mich nicht mit dem Slogan "99 Prozent". Ich verstehe ihn eher im Sinne von Albert Einsteins Zitat: "Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen." Wobei ich böse durch herrschen ersetzen würde... Und das "eine derartige Bewegung" von manch einem Menschen als attraktiv empfunden wird, heisst noch lange nicht, dass Verehrer und Verehrte immer der gleichen Meinung sein müssen. In diesem Sinne: Nicht anklagen, sondern mitgestalten (was mit der "Occupy-Bewegung" eindrucksvoll bewiesen wird). »


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