Beitrag vom 02.01.2012

Mit Bodenhaftung ins Jahr 2012

Ein gutes neues Jahr wünschen wir allen Besucherinnen und Besuchern der Oya-Seite! Das Jahr fängt gut an, denn heute war die neue Oya-Ausgabe 12 in der Post. Das Heft hat das Motto »Bodenhaftung« und beschäftigt sich mit dem vernachlässigten Kulturgut »fruchtbarer Ackerboden«. Was nach einer romantischen Land-Ausgabe aussieht, entpuppt sich schnell als Auseinandersetzung mit einer bedrohlichen Entwicklung: Die Lebensressource Bodenkrume ist durch Erosion, Versalzung und Einsatz von Ackergiften weltweit und auch in Europa derart bedroht, dass in Analogie zu Peak Oil schon von Peak Soil die Rede ist. Dass dieses Problem in seinen Grundzügen so alt ist wie die Erfindung des Ackerbaus, zeigt der Geologe David Montgomery in seinem eindrucksvollen Buch »Dreck«; Geseko von Lüpke hat Montgomery für uns interviewt. Er erklärt, dass schon am Ende der Jungsteinzeit große Flächen in Europa durch Bodenabtrag an den beackerten Hängen unfruchtbar geworden sind. Die antiken Reiche des Mittelmeerraums hatten ihren eigenen Boden bald verbraucht und waren auf Nahrungsmittelimporte aus ihren Kolonien angewiesen. Die reichen Länder heute machen es nicht viel anders, nur kommen seit der grünen Revolution zusätzlich Kunstdünger, Herbizide und Pestizide ins Spiel, mit denen die Agrarindustrie weltweit den ausgelaugten Böden Hochleistungen abverlangt und nebenbei das Wasser vergiftet. Und diese Industrie ist so einflussreich, dass eine Agrarwende weit außer Sicht ist. In Oya 12 zeigt eine eine eindrucksvolle Grafik Im Auftakt-Artikel von Petra Steinberger, wie weit die Bodendegradation weltweit fortgeschritten ist: Schon 1991 waren 47% der Böden weltweit mittelschwer bis extrem von Erosion betroffen, und seitdem gehen vorsichtigen Schätzungen zufolge jährlich um die 6 Millionen Hektar fruchtbare Erde zusätzlich verloren. Der Trend setzt sich ungebremst fort, und die Ressourcen für erdölbasierten Kunstdünger gehen zur Neige – die 100-Prozent-Geling-Garantie für kommende Hungerkatastrophen.
Das ist keine aufbauende Nachricht für den Start des herausfordernden Jahrs 2012. Aber sie deutet die Richtung an, in die der Blick gehen muss, wenn der vielbeschworene Kulturwandel, den viele mit 2012 in Verbindung bringen, stattfinden soll. »Wir brauchen ein neues Bewusstsein!«, heißt es allenthalben in wohlmeinenden kulturkreativen Kreisen, und dabei hebt man den Blick tendenziell nach oben, denkt an eine Höherentwicklung des Menschseins ... Unser Vorschlag für 2012 ist deshalb: Den Kopf nach unten neigen, die Hände in den nächsten Maulwurfshaufen - oder noch besser: Komposthaufen – stecken und dort nach dem neuen Bewusstsein suchen. Ein gesundes Bodenbewusstsein, eine von tiefer Dankbarkeit geprägte Beziehung zu all den Würmern, Schnecken, Asseln, Pilzen und Mikroben als den kostbarsten Helferlein für die Ernährung allen Lebens, eine neue Beziehung zu allem, was abstirbt, verrottet und zerfällt, das wäre wirklich eine (r)evolutionäre Entwicklung nach Jahrtausenden, in denen die Bodenkrume bedenkenlos ausgebeutet wurde. Die Ausbeutung des Bodens ist nicht nur ein Problem des modernen Kapitalismus, denn früher war beileibe nicht alles gut und ökologisch. Das Problem ist tatäschlich so alt wie die Erfindung des Pflugs. Die so harmlos wirkende Technik des Pflügens hat dazu geführt, dass die Menschheit es immer wieder übertrieben hat - meist in Phasen, in denen Machtstrukturen traditionelle Allmenden abgelöst hatten. Der gute Vorsatz für das Jahr 2012 des in Klein Jasedow ansässigen Oya-Teams ist jedenfalls, Community Supported Agriculture, die moderne Form der Mitmach-Landwirtschaft, in unserer Region zu fördern. Wer das nachmachen möchte, findet Vernetzungsmöglicheiten auf der Internetseite des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 02.01.2012

6 Kommentare

von Sylvia am 02.01.2012

«Liebe Oya Redaktion, heute war die wunderschöne Oya in der Post! Wie schön, dass dieses Heft, welches unter besonderen Anstrengungen zustande kam, das neue Jahr einläutet. Ich wünsche Euch allen ein gutes neues Jahr, viele bereichernde Begegnungen und viel Erfolg.... Liebe Grüße aus Bayern Sylvia»

von Katharina Wyss am 04.01.2012

«Freu mich aufs neue Heft UND die Oya-Lounge auf unserem Fair Camp im Januar in Berlin!»

von Bringewald am 06.01.2012

«Die Idee mit den Mitmachlandwirtschaften hört sich gut an und doch - ich glaube, das alleine reicht nicht, um einen relevanten Effekt zu erzielen. Zum Einen deshalb, weil die tägliche Einspannung in abhängig machende Abläufe, die keiner mehr so recht durchschaut, nie so groß war wie heute. Das kostet Zeit, das kostet Kraft. Der Ansatz braucht einen größeren Bogen, es muss ein komplett neuer Lebensentwurf getragen von individuellen Entfaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Einbindung in das Gemeinwohl entstehen, in der jeder Mensch bereit ist für sich und seine Existenz wie auch für sein Handeln Verantwortung im Sinne des Besten des Ganzen zu übernehmen. Vor kurzer Zeit erlebte ich wie sich bei einem Treffen einer Gruppe von Aktiven in Jakobshagen ein Funken in der oben beschriebenen Richtung entwickelte und es so schien, als könnte etwas Großes daraus entstehen. Aber schon nach kurzer Zeit wirkten wieder die "Sachzwänge" getragen von einflussreichen Menschen, die an dem Treffen nicht teilnahmen, die diesen Spirit an dem Abend nicht erfuhren, und es begann die schon so oft erfahrene Stutzung auf ein Minimum. Schade, ich finde, es ist Zeit, dass wir nicht mehr nur an der Schwelle kratzen, um uns doch wieder von den alten Strukturen einholen zu lassen. Wir müssen die Schwelle überspringen, wenn wir weiter kommen wollen und wenn die Menschheit auch in Zukunft einen Platz auf dem Planeten Erde haben soll. Liebe Grüße zum Besten des Ganzen Bringewald http://www.bringewald.de http://shop.bringewald.de http://www.naturschallwandler-lautsprecher-beschallung.de »

von Steffen Walter am 11.01.2012

«Mein Dank an Dich, Lara, und alle anderen Beteiligten für ein gelungenes Heft, das aufrüttelt, aber auch wieder positive Beispiele aufzeigt. Und erst der Zweiklang aus dem bewussten Nach-oben-Blicken (die Sonne ist ein perfekter Energielieferant, da braucht es keine "Fossilien" mehr) UND des Sich-Vergewisserns, dass wir noch genug Boden unter den Füßen haben und ihn bewahren, macht die Perspektive rund ;-) Und @ Katharina: Ich werde auch zur Oya-Lounge kommen, vorher aber zur Demo "Wir haben es satt" gehen (gewissermaßen die Verknüpfung dessen, woGEGEN ich meine Stimme erhebe, mit dem, woFÜR ich eintrete).»

von Jonas am 14.01.2012

«Interessanter Artikel, ich kannte Oya bis eben noch nicht. Ich sehe die Gärten/Beteiligung in einem weiten Spektrum: a) mit verschiedenen Besitzverhältnissen: a1) privat; a2) kommmunal; a3) gemeinnützig; b) mit verschiedener Offenheit: b1) privaten Parzellen; b2) öffentlicher Parzelle; b3) Gemeinschaftparzelle; c) mit verschiedenen Mitwirkungsgraden: c1) alles selber machen (und verbrauchen/verkaufen); c2 gemeinsam pachten, unterverpachten, sonst alles selber machen; c3) Anbieter unterverpachtet; c3A) ohne Gartenvorbearbeitung und ohne Vorbepflanzung; c3B) mit Gartenvorbearbeitung aber ohne Vorbepflanzung; c3C) mit Gartenvorbearbeitung und mit wenig Vorbepflanzung; c3D) mit Gartenvorbearbeitung und mit viel Vorbepflanzung; c4) mit Mithilfe bei einer CSA-Initiative/im Community Garden (Ernte/Biokiste mit Mithilfe); c5) mit Abnahmegarantie für eine Saison (unkündbare Biokiste); c6) mit Abnahmeabonnement (kündbare Biokiste); Für München und Umgebung sammle ich Links zu allen mehr oder minder solidarischen Formen von Gärtnern/Mitarbeit/Abnahmegarantie unter: http://www.krautgarten-forum.de/notes/Notes_Home »

von Jenny am 14.01.2012

«Es tut sich was in Deutschland :))) Danke danke danke !!!»


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