Beitrag vom 17.11.2011

Skyline des Versteckten

Johannes Volkmann bei der Buchpräsentation in Erlangen.

 Johannes Volkmann (Nürnberg) und Jörg Amonat (Berlin), zwei Künstler, die gemeinsam studierten, stellen ihr neues Projekt »Die Auratische Stadt« – einen unbezahlbaren »Stadt-Atlas« des guten Lebens in Erlangen – vor.

Am 14. November schlendere ich gegen 16 Uhr 30 durch den Schlossgarten in Erlangen, orangene Blätter verglühen, es ist wie ein Laternenumzug an Bäumen, die Wiesen liegen voll Laub, aber die Wege sind gekehrt, die Sonne schon weg und es ist eine Stimmung, als würde der Mond seinen Staub verlieren, zusätzlich der einsetzende Frost.
Ein paar Schritte weiter ist die Stadtbibliothek, in der Johannes Volkmann (»Eine Weltreise auf Papier« in Oya 9) die »Auratische Stadt« vorstellt. Nach seinen Worten ist es der »Auftakt der Utopie«, eine Utopie mit einer Basis und einem offenem Ende.
Schon im April 2011 hatten Johannes Volkmann und Jörg Amonat zwei Gewächshäuser am Hugenottenplatz aufgestellt, die das Forum für besondere Begegnungen waren. 14 Tage sprachen sie mit Passanten und Interessierten. Die Idee zu diesem Projekt hatten sie schon vor vier Jahren: Im Mittelpunkt steht die Frage, was den Charakter einer Stadt ausmacht (jenseits der allgemeinen Egalisierung: in jeder Fußgängerzone Deutschlands gibt es mittlerweile einen Müller, einen H&M, ein Café diverser Ketten, etc. Bei größeren Städten dazu ein Einkaufszentrum, in dem sich alle aufgezählten Geschäfte noch mal befinden). Anfangs dachten die beiden Künstler, eine Skyline zu entwerfen, die eine »Aura« darstellen soll – während den Gesprächen wurde aber klar, dass die besonderen Plätze eine andere Wirkung haben, sie besitzen eine Strahlkraft, die persönlicher ist, die in jeder Wechselbeziehung neu definiert wird, eine Wirkung, die sich nicht an der Oberfläche zeigt, sondern tiefer geht, eine Wirkung, die durch Auseinandersetzung entsteht, durch Spezialisierung, nicht durch Verallgemeinerung – es geht nicht um den Schein, den man sieht, sondern um den Schein, den man spürt. Es geht darum, eine Stadt in ihrer Einzigartigkeit zu erfahren, sie so kennen zu lernen, wie sie von den Bewohnern erlebt wird.
Aus diesen Gesprächen entwickelten sich Ideen und Initiativen. Menschen, die sich inspiriert fühlten, konnten ihre »Auratischen Orte« in den Gewächshäusern ausstellen und sammeln: Durch Texte, Zeichnungen, Fotos und Gegenstände.
»Können Sie sich an ein Ereignis erinnern, das Sie als eine Auratische Erfahrung bezeichnen würden? Wie haben Sie darauf geantwortet?« So beginnt das Buch »Die Auratische Stadt«, das aus den Beiträgen der beiden Künstler und der Menschen entstand, die sich mit ihren Antworten an dem Projekt beteiligten. Dieser »Stadt-Atlas« zeigt Orte, Plätze und Vereinigungen, an denen sich Menschen wohl fühlen, an denen sie zusammen kommen oder eine Idee teilen. Die Atlanten kann man nicht kaufen, sie haben keine Besitzer (insofern passen sie gut zu Johannes Volkmanns Aktionskunstprojekt »Unbezahlbar«): Aber man kann sich ein Exemplar holen und es solange verwenden, wie man es braucht. Danach gibt man es an Menschen weiter, die sich auch dafür interessieren, man erzählt davon, es entstehen neue Auseinandersetzungen und Diskussionen. So vernetzen sich Gleichgesinnte und zu dem Atlas gibt es ein zweites, unbedrucktes Buch, das individuell weiter geführt werden kann und die »Auratische Stadt« ergänzen soll.
Für Johannes Volkmann und Jörg Amonat ist das Projekt mit der Herausgabe der Bücher nicht beendet. Sie werden die Entwicklung weiter verfolgen und Ansprechpartner für neue Initiativen bleiben. Der Wunsch ist, dass solche Atlanten von vielen weiteren Städten entstehen. So kann es zu neuen Entdeckungen und Berührungen kommen. Die Utopie hat begonnen und in Erlangen gibt es jetzt die Möglichkeit, eine Skyline zu entdecken, die sich hinter der offensichtlichen versteckt. Viel Spaß mit der Zukunft.

Der »Stadt-Atlas« hat keine ISBN-Nummer: Exemplare, die sich nicht im Umlauf befinden, können in der Stadtbibliothek Erlangen abgeholt werden.

Johannes Volkmanns Website: www.daspapiertheater.de

geschrieben von Joshua Groß
am 17.11.2011

1 Kommentar

von Jochen Schilk am 19.11.2011

«»Es gibt ja soviel Wissenswertes über Erlangen!« http://www.youtube.com/watch?v=WKA5jY2S05g»


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