Beitrag vom 09.11.2011

Im Land ohne Namen namens OYA

Auch wenn es nicht unbedingt gleich auf den ersten Blick mit den gewohnten Oya-Inhalten in Beziehung zu stehen scheint, verspüre ich den Drang, hier im Oya-Blog ein Geschenk aus den Weiten des Kulturbetriebs vorzustellen. Ich muss einfach, denn mein Entzücken über die YouTube-Videos des Berliner Rap-Poeten und Filmkünstlers »Käptn Peng« ist groß. Und so suche ich also nach einer eleganten Möglichkeit, an dieser Stelle von meiner neuen Liebe zu erzählen, vom Selbermach-Charme, von der coolen Musik, dem Witz und der umwerfenden Kreativität, die aus Käptn Pengs genial choreographierten kleinen Meisterwerken quillt. Vielleicht geht es, wenn ich nur einen einzigen Buchstaben vertausche und aus des Käptns Titel »OHA« »OYA« mache – dann, ja dann ist die Verbindung schon hergestellt! Mehr noch: Bezüge ergeben sich sogar zur aktuellen Ausgabe, die sich mit dem Bedarf nach einem Weltbild beschäftigt, welches übersteigerten Materialismus und Rationalismus hinter sich lässt. Denn Käptn Peng erzählt in »OHA« zu Hackbrettklängen aus dem Balkan, wie er zu neuen Erkenntnissen kam, als er mal eine Zeit lang seinen Verstand verlor.
Auch das ausschweifende »Werbistich?« passt mit seinem Rätsel-Teufel gar nicht schlecht zu den in der aktuellen Oya aufgeworfenen Menschheitsfragen »Was soll das Ganze?« und »Warum ich?«.
Um das Universum des Käptn Peng zu ergründen, empfehlen sich für den Anfang vielleicht eher kleinere Wortakrobatik-Nummern wie »Im Wortgewand«, »Stücken früh«, »1234pengpengpeng« und vor allem »Liebes Leben«.
Mein allerliebstes Peng-Lieblingsstück, an dem ich mich einfach nicht sattsehen und hören kann, ist jedoch unbedingt »Die Tentakel von Delphi«: Dada-Punk-Hip-Hop-Crossover-trifft-auf-die-Einstürzenden-Neubauten; ein rauher, energievoller Mitschnitt aus dem Übungskeller, wir werden Zeugen von Versuch No. 800. Großer Spaß! Schon beim ersten Ansehen zauberte sich ein großes Grinsen auf mein Gesicht, und die Begeisterung ließ mich schreien und hüpfen.

»… Wie eine Formel, mathematischter Art / die sich auf halber Strecke mit einem Gefühlsausbruch paart / Die beiden heiraten, und völlig rätselhaft / gebären sie ein Kind, das Feuer spuckt und Kekse kackt / Sie nennen es »Universum« / sagen: Komm Kind, geh spielen! / Universum sagt: Spielen? – Geht aber nur unter vielen …« (Liebes Leben)

Ein schönes Interview mit dem Käptn und seinem congenialen Beatmaster Shaban in der ganzheitlich-spirituellen Berliner Zeitschrift »Sein« findet sich hier.

geschrieben von Jochen Schilk
am 09.11.2011

1 Kommentar

von Martin am 11.11.2011

«Wunderbar! Und schrecklich, sich vorzustellen, Du hättest diesen Beitrag nicht geschrieben - wer weiß, wann ich dann erst von Käptn Peng erfahren hätte. Große Kunst! Und deswegen: Es lebe der Querverweis! Natürlich gehört sowas in Oya. »


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