Beitrag vom 05.09.2011

Ein Wörgl in Italien?

Während wir in der druckfrischen Ausgabe 10 neben vielen Beiträgen zur Forderung nach »echter« Demokratie auch einen Artikel über das Phänomen der Dorfbewegungen bringen, hat sich nun eine kleine italienische Gemeinde 100 Kilometer östlich von Rom unabhängig vom italienischen Staat erklärt. Der Bürgermeister des 500-Seelen-Dorfes Filettino suchte nach einem Weg, der staatlich angeordneten Zwangsfusionierung von kleinen Gemeinden unter 1000 Einwohnern zu entgehen, ein Plan, mit dem die Regierung Berlusconi einige Millionen Euro an Verwaltungskosten einzusparen hofft. Nach dem Vorbild der zahlreichen kleinen Fürstentümer, die in früheren Zeiten den italienischen Stiefel überzogen, sowie dem lebendigen Beispiel des noch immer unabhängigen Fürstentums San Marino verkündet nun eine eigens eingerichtete Website die Gründung des »Principato di Filettino«. Bürgermeister Luca Sellari hat auch schon eine eigene Währung – natürlich versehen mit dem eigenen Konterfei – drucken lassen. Die Fiorito (»Blümchen«) -Scheine verhelfen dem jungen Land nun offenbar sogar zu einem ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung – sie sind begehrtes Souvenir der Scharen an Journalisten und Touristen, die seit der Unabhängigkeitsverkündung Filettinos den Flecken aufsuchen. 
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht – wird der Staat die Sezession einfach tolerieren? Die herkömmliche Demokratie räumt den Bürgerinnen und Bürgern einer Kommune dieses Selbstbestimmungsrecht ja nicht zu …

Mehr dazu hier und hier.

geschrieben von Jochen Schilk
am 05.09.2011


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