Beitrag vom 04.10.2011

»Zusammen« nach Bayern gezogen

Ob die Kino-Komödie »Sommer in Orange« sehenswert ist, vermag ich nicht zu sagen, ich habe bislang nur zwei Zeitungsartikel dazu gelesen und den Trailer angesehen. Dessen Bilder haben mich allerdings extrem stark an die Kommunen-Komödie »Zusammen/Tillsammans« des Schweden Lukas Moodysson aus dem Jahr 2000 erinnert, und die war absolut sehenswert. Beide Filme drehen sich jeweils um eine liebenswert-kauzige Hippie- bzw. Hippie-Sannyasin-Kommune, im Falle von »Zusammen« spielt die Geschichte im Stockholm von 1975, bei Marcus Rosenmüllers »Sommer in Orange« zieht eine Gruppe von rotgewandeten Osho/Bhagwan-AnhängerInnen 1980 von West-Berlin in ein oberbayrisches Dorf. Der Witz beider Produktionen ergibt sich natürlich größtenteils aus dem kulturellen Zusammenprall von Freaks und Normalbürgern. Nicht zuletzt weil Rosenmüllers erster Kino-Erfolg »Wer früher stirbt, ist länger tot« einiges erwarten lässt – und ich auch über die bei seinen Filmen hilfreichen Bayrischkenntnisse verfüge –, werde ich mir sein neustes Werk selbstverständlich bei nächster Gelegenheit ansehen.

Wer »Zusammen« noch nicht gesehen hat, kann hier eine englisch untertitelte YouTube-Version ansehen (Berichtigung: Diese Version ist nur bis kurz vor Schluss verfügbar!). Den Film gibts in deutscher Fassung aber auch als DVD zu kaufen.

UPDATE 4. Oktober: Hatte nun Gelegenheit, den Rosenmüller-Film zu sehen. Er ist nett, lustig, unterhaltsam, aber wenig bis gar nicht überraschend. Im Vergleich würde ich dem schwedischen »Zusammen« mehr Esprit und Authentizität zusprechen. »Sommer in Orange« kippt nicht selten ins Groteske, und auch wenn die hippiehaft-naive Sannyasin-Szene aus den frühen Achtzigern sicherlich danach schreit, auf die Schippe genommen zu werden, kommt es mir doch etwas billig vor, dieses irre Experimentierfeld dreißig Jahre später durch den Kakao zu ziehen. Ich musste im Kino jedenfalls mehrfach denken: Wie schade, hier werden doch wieder nur abschreckende Klischees über das Leben in Gemeinschaft aufgewärmt …

geschrieben von Jochen Schilk
am 04.10.2011

2 Kommentare

von Silke am 21.08.2011

«sich die youtube-version von "zusammen" anzuschaun macht kein spass: bei der 9. und letzten folge wird blockiert (gema-rechtlich). also lieber den film anders besorgen, .....oder auf die letzte viertel stunde verzichten!»

von Hans am 01.09.2011

«Nun, das Drehbuch ist von "Betroffenen". Das merkt dem Film an: die Kinder als Opfer der Selbstverwirlichung der Eltern.Für die Kinder ist es eher ein Drama als ein Witz.. Bhagwan selbst nannte Religionen phony. Das gilt auch für seine Gruppierung. Eine der "schönsten" Scenen: der Guru, von der Eifersucht eines Sannys leicht lädiert, rächt sich, indem er sehr heilig ist, aber mit der Frau dieses Sannys abzieht. Phony.»


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