Beitrag vom 27.06.2011

Oya 9 ist unterwegs

Gerade haben wir die Ausgabe 9 von Oya in die Druckerei geschickt. Sie ist ein Kontrastprogramm zur Ausgabe 8, die sich sehr konkret mit Regiogeld und geldlosem Wirtschaften befasst hat. In der neuen Ausgabe 9 geht es auf den ersten Blick gar nicht um Ökonomie. Aber es ist ein weitverbreitetes Fehlurteil, der künstlerische Zugang zur Welt habe mit unseren Lebensgrundlagen nicht zu tun. Oya 9 zeigt: Das Gegenteil ist richtig.
»Immer mehr zu Künstlern werden« heißt der Leitartikel von Hildegard Kurt, und das ist selbstverständlich nicht als Aufforderung gemeint, Kunst zu studieren, sondern vielmehr das eigene Potenzial zu entfalten und zugleich am kreativen Erfinden und Komponieren einer neuen, lebensfördernden Kultur mitzuwirken. Denn wie kommt etwas Neues in die Welt? Vor allem durch Inspiration, unkonventionelle Experimente und freies Spiel – durch horizonterweiternde Erfahrungen und die Sehnsucht, die scheinbaren Grenzen des Gegebenen zu übersteigen. »Das große Problem der Politik ist das Gegebene«, sagt in Oya 9 der Künstler und Philosoph Alex Arteaga im Gespräch mit Hortensia Völckers, der Künstlerischen Leiterin der Kulturstiftung des Bundes, und Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit. Dabei gebe es in Wirklichkeit nur Alternativen und offene Prozesse, wenn man verstünde, dass die Realität beständig als schöpferischer Prozess kollektiv hervorgebracht werde. Die Formel »TINA – There Is No Alternative« (zum neoliberalen Kapitalismus) habe damit ausgedient.

Also ist es doch wieder auch ein politisches und wirtschaftskritisches Heft geworden. Dabei sind auf den meisten Seiten wunderbare Kunstprojekte beschrieben. Nicht beeindruckende Werke, die sich in eine Galerie hängen ließen, sondern die Künstlerinnen und Künstler laden zu offenen Prozessen ein, wie zur »University of the Trees« von Shelley Sacks, die in Oxford das Social Sculpture Research Unit leitet, zum Papiertheater »Unbezahlbar« von Johannes Volkmann, zum Kinder-Kunstprojekt »Galerie der Zukunft« von Ute Heuer oder zur »Arche Metropolis« auf dem Tempelhofer Feld.
Immer entstehen hier Räume, in denen ein spielerischer, liebevoller, zuhörender und zugleich aktiv-gestaltender Zugang zur Welt erfahrbar wird.
Bei der Arbeit mit den vielen Artikel von Oya 9 überkam mich immer wieder das Gefühl des »Zu-Hause-Ankommens«, das Gefühl »so geht eigentlich Leben«. Daraus entstand wieder einmal die Frage, wie denn eine Ökonomie gestaltet wäre, die den Qualitäten einer gelungenen künstlerischen Improvisation folgt, und nicht den Regeln des sogenannten Ernsts des Lebens, dem Zwang zur Profitmaxierung und effizienten Ressourcenverwertung? Warum müssen wir die ganze Welt verwerten, warum können wir nicht mit ihr spielen? Eine Gemeingüter-Ökonomie lebt von Spielregeln, die alle Beteiligten gemeinsam erfinden, hat die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom erforscht. Ist also die Art und Weise, mit Gemeingütern sinnvoll umzugehen – im Englischen spricht man vom »Commoning« –, im Kern ein künstlerischer, spielerischer Prozess?
»Im Spiel ist die Welt immer schön«, hat Andreas Weber in seinem neuen Buch »Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur«, geschrieben. Ja, das mit dem Ernst des Lebens muss ein schreckliches Missverständnis sein. Dass eine spielerische Gemeingüter-Ökonomie auf Fülle zielt, haben die WirtschaftswissenschaftlerInnen schon analysiert – aber vielleicht zielt sie sogar auch auf Schönheit?

Die Arbeit an Oya 9 hat uns jedenfalls darauf gebracht, eine unserer zukünftigen Ausgaben dem Thema »Spielen« zu widmen. Darin steckt genau wie in der Kunst jede Menge (r)evolutionäres Potenzial.

 

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 27.06.2011

7 Kommentare

von Ilona am 28.06.2011

«Das klingt aber mal wieder spannend. Ich freu mich schon auf meine Oya-Ausgabe ;-) »

von Thomas am 28.06.2011

«Nichts ist so beständig wie die Veränderung. (Ist nicht von mir)»

von Bettina Sahling am 08.07.2011

«Danke für das neue Heft. Hab die gute Nachricht gleich bei www.newslichter.de gepostet :-)»

von Matthias am 08.07.2011

«Danke fürs Posten, Bettina! Dir und newslichter alles Gute zum Re-Design.»

von Rudolf Kläs am 16.07.2011

«durch zufall bin ich auf O Y A gestoßen. Scheint ganz interessant zu sein. Aber biite vorab eine Frage: Was bedeutet "OYA"? erwa das hippige Gestammel des Pausenzeichens in der Warteschleife derTelekom? Vielen Dank für die Aufklärung. R. Kläsl»

von Matthias am 16.07.2011

«Um genau diese Frage zu beantworten, haben wir auf unserer Website den Link »Was heißt Oya?« eingerichtet: http://www.oya-online.de/about/name.html »Oya« bedeutet viele verschiedene Dinge in vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen. Interessanterweise weckten die Bedeutungen bei uns stets positive Assoziationen. Nicht zuletzt hat uns die klangliche Verwandschaft zum lebensbejahenden Ausruf »Oh ja!« für diesen Namen eingenommen.»

von Philip am 31.07.2011

«Hallo zusammen. Wann müsste die Oya denn dann bei uns ankommen? Haben ein Wohnungswechsel hinter uns, dies auch mitgeteilt, aber keine Antwort bisher. Und wie kann man zu Euch Kontakt aufnehmen wenn nicht gerade hier? lg Philip»


Kommentar schreiben




Bitte helfen Sie uns zu verhindern, dass die Kommentarfunktion von Spam-Software missbraucht wird und lösen folgende kleine Rechenaufgabe:


sieben minus sechs =