Beitrag vom 10.06.2011

Ein Fest zum Ausstieg?

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Und wer's nicht tut, hat selber Schuld
Es ist immer ein Haar in der Suppe und in der zum Atomaustieg ist es vielleicht sogar ein ganzes Büschel. Bis 2022 soll er dauern, also viel zu lange. Und ein Meiler soll in »Kaltreserve« bleiben, also doch eine Hintertür für den Wiedereinstieg? Der Umbau auf die erneuerbaren Energien begünstigt Großprojekte, die nach dem Stand der Dinge nur durch Multis zu schultern ist. Also weiter mit EON, Vattenfall und RWE. Und natürlich ist das grünes Licht für die weitere Abzocke durch eben diese. Der Ausstieg aus der Atomkraft geht keineswegs parallel zu einer Abkehr von der zerstörerischen Wachstumsideologie und ist eben keine Wende zur Nachhaltigkeit und für den Erhalt des Planeten. Für Entwarnung ist es viel zu früh, und die Themen für den friedlichen Protest gehen uns mit Sicherheit nicht aus.

Aber dennoch haben wir Grund zu feiern. Denn nicht die SPD, nicht die Linke und auch nicht die Grünen sind es, die der Atomkanzlerin Merkel den Ausstieg aufgezwungen haben, sondern wir, die Zivilgesellschaft. Trotz der vielen Schönheitsfehler der Merkelschen Drehung um sich selbst es ist ein historischer Sieg, den die meisten von uns selbst nicht für möglich gehalten haben. Ihr Satz in der Regierungserklärung, dass die Risiken der Kernkraft nicht beherrschbar seien, ist gewiss kein Zeichen von Einsicht, sondern einer Kapitulation vor uns BürgerInnen, die eigentlich »alternativlos« nach ihrer Pfeife tanzen sollten. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und es gibt etliche weitere Feiergründe: um ein Zeichen zu setzen und Hoffnung zu machen; um uns unserer Stärke bewusst zu werden, um die nächsten Schritte zu planen und vor allem um Kraft für neue Ziele zu tanken. Zum Beispiel für ein Aufräumen mit der EU. Aus dem historischen Projekt zur Befriedung des Kontinents ist doch längst eines für die Entmündigung der Völker (und ihrer gewählten Regierungen) und zur Abschaffung der Demokratie geworden. Spötter unken längst, dass die Abkürzung EU nicht Europäische Union, sondern Engagement Unmöglich bedeutet. Lassen wir uns wirklich entmutigen oder ermächtigen wir im Windschatten des ersten großen Sieges jetzt zu neuen Demokratieprojekten? Ich wüsste noch etwa ein Dutzend.
Feiern ist übrigens wörtlich zu verstehen. Es müsste ein riesiges Atomausstieg-Festival werden, mindestens so so groß wie »Rock am Ring« und mit vielen internationalen Freunden und Künstlern. Um ein Zeichen zu setzen, das weltweit Signale der Vernunft und für ein Wiedererstarken der Volkssouveränität setzt. Wie das unsere FreundInnen in Kairo und Tunis vorgemacht haben. It´s time for a global change! Let's declare it.

Günter Sölken

geschrieben von Günter Sölken
am 10.06.2011

1 Kommentar

von Walter Wesinger (walter.wesinger@web.de) am 16.06.2011

«Ich gebe Hr. Sölken recht ! Aber wie können wir ein großes Fest feiern ? Walter Wesinger www.waldah.de»


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