Beitrag vom 07.06.2011
Waltraud S. wird grüne Bundeskanzlerin
Beim Bücherordnen fiel mir gestern eine scherzhafte Utopie aus dem Jahr 1985 in die Hände, deren Szenario mitunter wie eine Beschreibung der Gegenwart anmutet. In der »Grünen Wende« von Norbert Golluch und Stano Kochan kommen die Grünen bei der Bundestagswahl 1987 mit absoluter Mehrheit der Sitze an die Macht, weil kurz zuvor das AKW Stade havariert ist. In dem Seyfried-artig illustrierten Büchlein geht es dann allerdings weniger um das grüne Katastrophenmanagement, sondern darum, wie die – damals noch sehr frische und unkonventionelle – Partei die Bundesrepublik umzukrempeln versucht. Sie trifft dabei auf geradezu sponti-hafte bürgerliche Gegenwehr und stolpert zudem immer wieder über eigene menschliche und ideologische Schwächen (Wer erinnert sich an das Rotationsprinzip?). Eine schöne Satire, die sich vor dem Hintergrund der jünsten grünen Wahlerfolge, aber auch durch den zeitlichen Abstand zu den wildgrünen Achtzigern besonders nett liest.
Erste Bundeskanzlerin wird in der »Grünen Wende« übrigens die heute weitgehend unbekannte Parteigründerin Waltraud Schoppe. Weitblick beweist die Utopie hingegen bei der Besetzung einiger Kabinettsposten. So bekommt Otto Schily hier schon 1987 das Amt des Innenministers und Joschka Fischer erhält das Umweltresort – beide haben diese Posten ja später tatsächlich bekleidet, wenn auch unter sozialdemokratischer Flagge und/oder mit einem anderen Gehirn.
Bei Abebooks.de oder bei Booklooker.de gibts das Buch für teilweise weniger als einen Euro.
geschrieben von Jochen Schilk
am 07.06.2011
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