Beitrag vom 29.04.2011

Heilpflanzenverbot?

Inzwischen verschickt auch avaaz den Aufruf, eine Petition gegen das Verbot von Naturheilmitteln zu unterzeichnen. Im Netz kursieren dazu gegensätzliche Meinungen - ist das eine sinnvolle Aktion oder Panikmache?


Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V. hat dazu Folgendes zu sagen:

»Die EU-Richtlinie zu traditionellen Arzneimitteln ist viele Jahre alt (2004) und sie ist in Deutschland bereits seit Jahren im Arzneimittelgesetz umgesetzt. Ihre europaweite Ratifizierung 2011 wird also bei uns nichts ändern. Damit ist eine Petition an den Bundestag, er möge hier zugunsten der traditionellen Heilpflanzen tätig werden, nicht zielführend. Auch die Möglichkeit der Registrierung von traditionellen europäischen Heilpflanzen, die Zulassung der pflanzlichen Arzneimittel und die individuelle Einzelverschreibung der Heilpflanzen sind im Arzneimittelgesetz geregelt. Es werden aktuell keine Heilpflanzen in Deutschland verboten und jeder Heilpraktiker kann die Pflanzen, die es nicht als Fertigarzneimittel gibt, in einer Rezeptur weiterhin verordnen.

Der Bundesvorstand des Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V. bittet deshalb, solche Panikmails nicht einfach ungeprüft weiter zu multiplizieren, sondern bei den verantwortlichen und sachkompetenten Mitgliedern des Bundesvorstandes oder Ihres Landesverbandes erst einmal nach zu fragen. Diese können nachprüfen, ob es einen entsprechenden Handlungsbedarf gibt und Sie umgehend darüber informieren. Im Bundesvorstand stehen neben dem Präsidenten auch die anderen Vorstandsmitglieder zur Verfügung.«

In der taz erschien bereits im November vorigen Jahres ein kritischer Artikel zu der Aktion.

Auch unseren Informationen zufolge hat der eigentliche »Skandal« bereits im Jahr 2004 stattgefunden, und jetzt dagegen zu protestieren, ist sinnlos.

2004 war die Vorgängerin von Oya, die KursKontakte, eine der wenigen Zeitschriften, die sich kritisch mit der 10. Arzneimittelgesetznovelle auseinandergesetzt haben. Der zugehörige Beitrag von Bettina Berger »Warum gibt es meine Arznei nicht mehr?« kann noch immer online gelesen werden.
http://www.kurskontakte.de/article/category/cat_40b8633043751.html


Kleinere Hersteller von Naturheilmitteln haben in der Folge auf EU-Ebene gegen die neuen extrem aufwendigen Zulassungsverfahren protestiert, und sie hatten durchaus Erfolg. Dies dokumentiert ein weiterer Artikel in einer der folgenden Ausgaben von dem Heilpraktiker Kurt Staudinger:
http://www.kurskontakte.de/article/show/article_40bc4a3fb0523.html

 

Hier noch ein Link zu einem aufschlussreichen Kommentar zur aktuellen EU-Richtlinie aus österreichischer Sicht:
http://diepresse.com/home/politik/eu/653643/

Vielleicht hilft es, diese Infos zu verbreiten, da die Petition doch ziemlich Verwirrung stiftet.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 29.04.2011

1 Kommentar

von Richard am 08.05.2011

«Der Artikel ist von der rechten Spalte verdeckt auf dem iPod»


Kommentar schreiben




Bitte helfen Sie uns zu verhindern, dass die Kommentarfunktion von Spam-Software missbraucht wird und lösen folgende kleine Rechenaufgabe:


sechs plus drei =