Beitrag vom 23.06.2017

Es tröpfelt, es sprudelt – es lebt!

Matthias Fellner ergänzt die Oya-Anzeigentafel.

Das Move-Utopia ist eine Welt für sich. Am zweiten Tag des Zusammentreffens ist deutlich spürbar: Auf dem wundervollen Gelände des Kulturkosmos mitten im mecklenburgischen Nirgendwo entsteht gerade ein lebendiges Zusammenspiel aus thematischen Inseln, verbindendem Wasser und wandelnden Lebewesen. Sich vorzunehmen, einen Tag in dieser neuen Welt in einem kurzen Blogbeitrag zu beschreiben, ist wahnwitzig. So, als wolle man einen Tag auf unserer Planetin in 3000 Zeichen abbilden. Schlicht unmöglich. All die vielfältigen Erfahrungen, Eindrücke und Emotionen, die auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Ebenen entstehen...

Den Überblick, den ich sonst gerne habe, wenn ich als Journalistin über Veranstaltungen berichte, habe ich heute nicht gesucht. Dafür habe ich viele Einblicke gewonnen. Im Morgenkreis stellten wir uns die Frage, wie unser Leben verlaufen wäre, hätte es die Kategorien „Frau“ und „Mann“ nicht gegeben. Wenige Stunden später lasen wir uns auf einem großen Holzschiff in kleiner Runde aus Michael Endes „Momo“ vor. Noch etwas später sprachen wir unter dem Sonnensegel der Oya lange und intensiv über Autorität. Überall sitzen Grüppchen in innigen Gesprächen, verteilen sich über die Wiesen und in die zahlreichen Zelte. Plötzlich steht eine große Gruppe Singender zwischen Waldrand und Kinderbereich. Von hier und dort kommt auch Musik aus der Konserve: Eine DJane verwandelt den Arbeitsbereich vor der Küche mit ihren Beats in eine Schnippeldisko. So schmeckt das Essen, das dem Move-Utopia größtenteils gespendet wurde, noch besser. Wenn es eine wichtige Durchsage zu machen gibt, fährt ein alter gelber Bus auf den Platz vor der Küche, auf dessen Dach zwei riesige Megafone befestigt sind. Auf deutsch und manchmal auf englisch wird dann angekündigt, dass im Kinderbereich noch Helfende gebraucht werden oder dass ein Mensch mit Auto gesucht wird, um weitere Obst- und Gemüsespenden abzuholen. Auf diesem Wege verbreitete sich am Donnerstag Abend auch die Nachricht, dass bereits 1000 Menschen auf dem Zusammentreffen sind. Geschätzt hat das die Küche mithilfe des herausgegebenen Geschirrs. Gefühlt kamen heute, am Freitag, stetig Weitere an.

Zwei Menschen kommen mir auf dem Weg zum Oya-Zelt entgegen. Spontan bitte ich sie, ihren heutigen Tag in einem Satz zu beschreiben. „Es sprudelt“, sagt der eine. „Move Utopia ist, wenn man Menschen wieder trifft, von denen man gar nicht wusste, wie sehr man sie vermisst hat“, sagt der andere. Der erste stimmt ihm lachend zu.

Während ich diesen Beitrag schreibe, wird hinter mir, in der Ecke des Ritterzeltes, das aus Klein Jasedow mitgebracht wurde, aus Oya vorgelesen – begleitet von Regentropfen, die sanft auf dem Zelt tönen und angeregtem Stimmengewirr aus allen Ecken und Winkeln dieser schönen neuen Welt.

geschrieben von Leonie Sontheimer
am 23.06.2017

2 Kommentare

von Daniela S. am 25.06.2017

«Wie schön!»

von Ilka am 29.06.2017

«Danke für die Einblicke! »


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