Beitrag vom 26.05.2017

Nützlich sein statt übernutzen

Ein Interview des Deutschlandfunks Kultur mit dem Chemiker Michael Braungart stellt eine ideale Ergänzung zur aktuellen Oya dar, die sich einmal mehr mit der Herausforderung »nützlich sein statt übernutzen« auseinandersetzt. Der Erfinder des Cradle-to-Cradle-Begriffs Braungart hält den gegenwärtigen ökonomischen Umgang mit Ressourcen aus der Bio- sowie der Technosphäre für »primitiv«; auch der Ansatz der »Nachhaltigkeit« sei bei genauer Betrachtung eine traurige Angelegenheit: Mit der Aussicht, lediglich etwas weniger zu verschmutzen und dennoch von Schuldgefühlen geplagt zu werden, ließe sich kein Mensch dauerhaft gewinnen. Neue Denkweisen und technische Entwicklungen würden aber ein Leben mit allen Annehmlichkeiten und zugleich – nach dem Vorbild der Natur – eine positive Nährstoffbilanz erlauben.
Kann die Menschheit mit diesem Rezept tatsächlich »nützlich sein statt übernutzen«? Es lohnt sich auf jeden Fall, das Rundfunkinterview vom 8. Mai online nachzuhören. (Dieses steht hoffentlich noch eine Weile zur Verfügung.) Ansonsten verweise ich auf das Oya-Gespräch mit dem ehemaligen Greenpeace-Aktivisten Michael Braungart aus der Ausgabe 24.

Der Deutschlandfunk mit seiner tagespolitisch sehr mainstreamigen, NATO-lastigen Perspektive ist für mich mitunter nur schwer zu ertragen – doch gibt es in seinem Programm, wie das obige Beispiel zeigt, auch immer wieder Beiträge, die über das herrschende Paradigma hinausweisen. Weitere solche Ausnahmesendungen sind etwa ein Interview mit dem attac-Aktivisten Christian Felber, der für ein radikal neues Wirtschaftssystem eintritt. Wem das Oya-Heft zur Bewahrung alter Handwerkskünste gefallen hat, mag sich auch das aktuelle Feature über den überraschenderweise gar nicht gefährdeten Beruf des Hufschmieds anhören. Vor diesem Beitrag war im Programm am 24. Mai noch ein interessanter Beitrag über einen noch immer florierenden Küfer- (Fassmacher-) Betrieb in der Pfalz zu hören, doch letzteren gibt es online leider nicht.
 

 

geschrieben von Jochen Schilk
am 26.05.2017

2 Kommentare

von Frank M. Scheermesser am 26.05.2017

«Guten Tag zusammen, das Rundfunkinterview vom 8. Mai ist noch bis 14.11.2017 online nach zuhören. Alternativ steht es in der Podcastliste zum Download als MP3 zur Verfügung: http://www.deutschlandfunkkultur.de/im-gespraech.971.de.podcast.xml oder die Datei als Direktlink: http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2017/05/08/michael_braungart_muell_gibt_es_nicht_dlf_k_20170508_0907_fa1e8b6b.mp3 Viel Erfolg. Anbei mal ein Danke für die interessanten und informativen Beiträge in Oya.»

von Horst am 26.05.2017

«1. ja, der DLF ist auch m.E. zweigeteilt zu erleben. Tagespolitik und Nachrichten haben oft "Schlagseite". Die längergültigen und gezielt tiefergehenden Beiträge sind aber meist sehr informativ, gut recherchiert und abgewogen, anregend und hörenswert. Vor allem: wo ist eine Alternative im Hörfunk oder Fernsehen? Die müßte man wiedermal selbst herstellen ... eine Zeitschrift braucht da die Ressourcen wohl schon auf. 2. Es gibt (immer) technische Möglichkeiten, die Beiträge der Mediathek sich dauerhaft herunterzuladen und abzuspeichern. (Rechtslage und Folgen, wenn man das dann teilt ?). Aber: wieso ist denn die Verfügbarkeit der Beiträge in der Mediathek überhaupt (künstlich) zeitlich begrenzt? Da sollte die Rechtslage doch geändert werden!»


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