Beitrag vom 12.05.2017

Ackermosaik in Berlin Marzahn – es ist angerichtet!

Schon verrückt, erst mit der eigens für die IGA gebauten Seilbahn auf den Marzahner Kienberg zu gondeln und dann wieder hinunterzusteigen. Ich suche die Treppe, die mich hinunter zum Weltacker führen soll. Je weiter ich nach unten laufe, desto mehr komme ich auch gedanklich »auf den Boden« und mir schwirren die Artikel und Themen vor dem geistigen Auge umher, die gerade für die Oya 43 entstanden sind. Da ist er! Durch die Bäume hindurch sehe ich ein langgetrecktes Stück Erde, umrahmt von Wegen und Schaulustigen. Der Acker ist: kleiner als ich dachte. Ich hatte ehrlich gesagt keine genaue Vorstellung, wie groß 2.000 m2 sind. Das Feld schwingt sich in einer sanften Kurve nach rechts. Heute, am 7. Mai, ist noch viel nackte Erde zu sehen – die meisten Pflanzen sind noch im Gewächshaus.

Mit ihrem Anbau-Projekt will die Zukunftsstiftung Landwirtschaft prozentual auf 2.000 m2 darstellen, welche Nutzpflanzen auf der ganzen Welt angebaut werden. Jeder Mensch hätte übrigens mehr als genug zu essen, stünde ihm genau diese Fläche zur Verfügung (selbst ein Schwein könnte man mit ernähren, wenn man auf Fleisch nicht verzichten möchte!). Schon vor drei Jahren wurde der Weltacker in Gatow aufgebaut (siehe Oya 24/2014), nun ist er auf das Gelände der IGA umgezogen.

Jazzmusik und Sonnenlicht, ein Kuchenbuffet mit Limos und Kaffee zaubern gute Laune in die Gesichter. Viele schmatzen und quatschen schon. Überall wuseln Menschen umher, gleich geht das Eröffnungsfest los. Auf den Tischen stehen Spendengießkannen und im Hintergrund kochen fleißige Menschen in der Draußenküche. Gerade wird ein Schild entrollt, auf dem gleich die Flächenangaben notiert werden, die die verwendeten Zutaten auf dem Acker benötigen. Steffi Doll, Projektassistentin beim Weltacker, schreibt hierüber ihre Masterarbeit. Wahrscheinlich ist der Weltacker der Ort mit der dichtesten Informationsmenge auf der gesamten IGA, munkelt man. Tatsächlich stehen überall bunte Schautafeln in allen Größen: Eine Rapszapfsäule erklärt zum Beispiel, dass mit dem kleinen Quadrat Raps inmitten des Weltackers nur 77,6 km weit Auto gefahren werden könnte – oder 3.000 km, wenn die Person, die dafür »ihren« kompletten Acker hergibt, ein Jahr komplett aufs Essen verzichten würde (im Durchschnitt fährt jeder Deutsche übrigens 14.000 km pro Jahr).

Ich husche noch kurz zum Genussmittelfeld (nicht mal Tabak und Kakao müssten auf 2.000 m2 fehlen!) und mache mich dann fröstelnd auf den Nachhauseweg. Noch ist es kalt, sobald die Sonne weg ist. Gut, dass die meisten Pflanzen noch im Gewächshaus stehen. Jetzt habe ich Lust bekommen, mich dem Gedankenexperiment zu widmen, einen Weltacker ganz nach meinem persönlichen Geschmack zu gestalten. Am besten plane ich gleich mit 1.500 m2, denn soviel Ackerland wird 2050 nur noch jeder Person zur Verfügung stehen, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Mehr über den Weltacker erfahren?
www.2000m2.eu

Wieviel Erde braucht der Mensch?
Artikel aus der Oya 24/2014 nachlesen

geschrieben von Sarah Franz
am 12.05.2017


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