Beitrag vom 18.04.2017

Montessori geht neue Wege

Auf die Frage, was Jugendliche brauchen, um sich gut entwickeln zu können, hat die Montessori-Bewegung spannende Antworten gefunden. In Deutschland gibt es eine lebendige und aktive Szene, welche aus den Bedürfnissen von Jugendlichen heraus angeregte Schulprojekte entwickelt hat und weiter voranbringt. In diesem Zusammenhang haben sich die deutschen Montessoripädagogen dabei von dem Begriff „Farmschools“, der aus den USA geprägt war, abgewandt und sich im Netzwerk für den Begriff „Jugendschulen“ entschieden. Es scheint noch nicht ganz klar, ob sich die Bewegung rein in Richtung Naturpädagogik entwickelt, oder ob es um eine radikale Sozialraumorientierung gehen kann.

Beispielhaft für diese Entwicklungen wurde auf dem 17. Montessori-Europe-Congress am 7. Oktober 2016 das Thema Verantwortung – nicht nur bei der Arbeit mit Jugendlichen – in einem sehr lebendigen Diskurs nachdenklich diskutiert. Spannend dabei war, wie verschieden Positionen von Montessori-Pädagogen sein können und wie vielgestaltig diese gelebt werden. Auch die Frage, was Montessori-Pädagogik in der heutigen Zeit für eine gesellschaftliche Veränderung beitragen kann, wurde in vielen Veranstaltungen intensiv besprochen. Ein großer Kreis entwickelte das Konzept der Jugendschulen weiter.

Die Montessori Stiftung Berlin hat beispielsweise mit dem Ausbau der Jugendschule Strausberg ein innovatives Projekt begonnen. Ziel ist es, den Jugendlichen in der Übergangsphase zum Erwachsenwerden einen geschützten Raum zu schaffen. Auf einem vielseitigen, stadtnahen Gelände in Strausberg haben die Jugendlichen die Möglichkeit sich zu erproben, neues zu entdecken und positive Gemeinschaftserfahrungen zu machen. Bei der Planung von Arbeiten, Verwaltung der Finanzen, mit den Bienen oder beim Umbau der Gebäude machen die Jugendlichen echte Erfahrungen und können erleben, wie Arbeitsleben, Produktion  und Dienstleistung funktionieren. Als wichtige Akteure bei der möglichst eigenständigen Bewirtschaftung von Landwirtschaftsbetrieb, Herberge und Geschäft finden sie sich  in die Welt des verantwortungsvollen und sozialen Wirtschaftens und der gegenseitigen Kommunikation ein. „Die ‚Erfahrungsschule des sozialen Lebens‘ sollte nach Maria Montessoris Willen eine Schule für alle jungen Menschen zwischen 12 und 15 Jahren sein“, erklärt Christian Grune, pädagogischer Vorstand der Montessori Stiftung Berlin. „In dieser Zeit  wird das Gehirn massiv umstrukturiert. Die Pubertierenden sind  ‚mitten im Leben‘ besser aufgehoben als im Klassenraum. Sie brauchen  Möglichkeiten, selbstständig  zu arbeiten, eigene  unmittelbare  Erfahrungen zu machen und  Studien mit dem praktischen Leben zu verknüpfen.“


Spannend bleibt, ob die Montessori-Bewegung den notwendigen Schritt von der Individualisierung des Lernens hin zu einer  kooperativen Bildung für die Zukunft vollziehen wird. Die Jugendschulen sind eine Chance dafür.

geschrieben von Anne Tlach
am 18.04.2017

1 Kommentar

von martinderm am 23.04.2017

«Naja deswegen war der ursprüngliche Name ja auch Erdkinder Schule, weil es eben keine landwirtschaftliche Schule ist. Und die Abwendung vom individualisierten Lernen wird dort leicht fallen, weil so eine Erdkinderschule ja genau nicht individualisiert.»


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