Beitrag vom 04.02.2017

Bundesumweltministerin wirbt für enkeltaugliche Landwirtschaft

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) weist mit einer PR-Kampagne des Bundesumweltministeriums spielerisch und kreativ auf ökologisch verheerende Fehlentwicklungen in der Agrarindustrie hin. Nach Ihrem letztjährigen Bekenntnis gegen eine Wiederzulassung des Totalherbizids »Glyphosat« unter Berufung auf das Vorsorgeprinzip erweist sich Hendricks damit erneut als Streiterin gegen agrarindustrielle Unkultur.

In 11 kurzen humorvollen Reimen, die sich an die Form traditioneller Bauernregeln anlehnen und begriffliche Anleihen bei der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« nehmen, wird Klartext gesprochen. Die »neuen Bauernregeln« prangern agrarindustrielle Missstände wie Massentierhaltung, Monokulturen, Überdüngung, Pestizideinsatz, Grundwasserverunreinigung, Nitratbelastung der Böden und das dadurch verursachte Artensterben an:

1. Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.
2. Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.
3. Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.
4. Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.
5. Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.
6. Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese.
7. Steh’n im Stall zu viele Kühe, macht die Gülle mächtig Mühe.
8. Gibt’s nur eine Pflanzenart, wird’s fürs Rebhuhn richtig hart.
9. Wenn alles bleibt, so wie es ist, kräht bald kein Hahn mehr auf dem Mist.
10. Strotzt der Boden vor Nitraten, kann das Wasser arg missraten.
11. Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern.

Die »neuen Bauernregeln« kursieren nicht nur im Internet, sondern sollen demnächst auch bundesweit plakatiert werden. Der Bauernverband äußerte scharfe Kritik, und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) forderte seine Ministerkolllegin auf, »die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen«.

Inhaltlich werden die kreativ gereimten flapsigen Slogans durchaus durch aktuelle Erkenntnisse gestützt, so gelten beispielsweise einer Meldung der Weltnaturschutzunion IUCN zufolge agrarindustrielle Praktiken und Übernutzung als gravierendste Verursacher des weltweiten Artensterbens.

Bedauerlicherweise wurde die Website inzwischen vom Bundesumweltministerium geschlossen, die neuen Bauernregeln sind jedoch weiterhin bei Spiegel Online einsehbar.

geschrieben von Matthias Fersterer
am 04.02.2017

3 Kommentare

von Barbara ihle am 10.02.2017

«Richtig mutig, was die Umweltministerin da so flapsig formuliert! Und in seiner Konsequenz, als "Bauernregel" , d.h. durch Erfahrung gewonnene Weisheit, sogar revolutionär. Danke, Frau Henricks!»

von Felix am 12.02.2017

«Super Sache! Die Kritik von Herrn CSU Schmidt ist ja mal jämmerlich - der Typ fördert den Ökozid und stellt sich hinter eine ganze Verbrecherbande die es nicht fertig bringt eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu betreiben. Die Subventionen für konventionelle Betriebe gehören gestrichen, die Wirtschaftsauflagen der Bauern sollten grundsätzlich an eine ökologische Landwirtschaft angelehnt werden.Andernfalls Enteignung und Übergabe an Leute die es fertig bringen wieder Leben in die Landschaft zu bringen...»

von Sarah am 13.02.2017

«Leider währte die Freude nur kurz: Frau Hendricks hat die Kampagne wieder zurückgezogen und "sich entschuldigt" ... http://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/bundesumweltministerin-hendricks-entschuldigt-sich-fuer-bauernregeln-100.html»


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