Beitrag vom 01.10.2016

JETZT Kastanienwaschmittel herstellen

Geschrotete Kastanien-Samen zum Trocknen ausgebreitet. Später wird das Schrot noch weiter zerkleinert.

Ich bin momentan ganz begeistert von der Möglichkeit, preisgünstig und ökologisch mit Rosskastanien Wäsche zu waschen. Die Inspiration dazu kommt von einem Buch, das ich in Oya 39 besprach und das ich auch über die folgende Kurzanleitung hinaus weiterhin jeder und jedem ans Herz legen möchte. Darin werden alle denkbaren Fragen beantwortet und es gibt zahlreiche weitere Rezepte für das Selbermachen von Haushalts-Reinigungsmitteln auf Rosskastanien-Basis.

Die Herstellung des Pulvers
Die Zeit für die Praxis ist jetzt, denn nun liegen unter den Bäumen kiloweise frische Kastanien. Als erstes gilt es, diese zu sammeln, zu schroten und zu trocknen. Alles weitere kann über das Jahr hinweg getan werden. Ich verwende für das Schroten einen Mini-Gartenhäcksler, der hierfür äusserst praktisch ist. Wer nicht auf solch ein Gerät zurückgreifen kann, möge die frischen, weichen Samen einzeln mit einem Hammer, mit einem Nussknacker oder mit dem Schuh zerquetschen. Wer einen Küchenmixer/Küchenmaschine benutzt, sollte die frischen Kastanien zuvor mit dem Messer klein schneiden. Berichte über weitere, womöglich kraftsparende Zerkleinerungs-Methoden sind willkommen. Das Schälen der Kastanien ist übrigens nicht nötig.
In einem zweiten Schritt wird die geschrotete Masse getrocknet, z.B. auf größeren (Zeitungs-)Papierbögen oder wie hier im Bild auf einer Tischtennisplatte.
Solange das Schrot frisch und feucht ist, kleben die Teile tendenziell zusammen. Das Trocknen ist nötig, weil die Kastanien sonst verschimmeln können. Ausserdem sollte das Schrot später noch feiner gemahlen werden, damit sich die Saponine (Seifenstoffe) leicht ins Wasser lösen. Ich benutze hierfür eine elektrische Kaffeemühle, in die leider nur jeweils zwei Esslöffel Schrot passen (was allerdings schon ungefähr genug ist für einen Waschgang). Wäre das verwendete Schrot noch feucht, so würde diese Mühle nicht Pulver sondern Mus produzieren.
Gartenhäcksler, Elektro-Kaffeemühle und Waschmaschine stellen selbstverständlich noch keine enkeltauglichen Lösungen dar. Wer erfindet eine Selbstbau-Handmühle zur Pulverisierung des Kastanienschrots?

Die Anwendung
Für eine Waschladung normal verschmutzter Wäsche nimmt man 50 Gramm Rosskastanienpulver. Diese gibt man in einen kleinen Beutel (z.B. in einen lochfreien, alleinstehenden Socken), der oben mittels Schnur oder Draht zugebunden wird. Der verwendete Stoff sollte natürlich möglichst wasserduchlässig sein und zugleich undurchlässig für das Waschpulver, das sich ja – anders als herkömmliche (auch ökologische) Waschmittel – nicht im Wasser auflöst. Der Beutel lässt man mit der Wäsche in der Maschine mitfahren. Als Wasserenthärter gibt man 50 ml Essig zu. Wer es duftig-parfümiert mag, spritzt einige Tropfen Lavendelöl oder ähnliches in die Trommel.
Die Saponine werden auch bei niedrigen Temperaturen gut aus dem Pulver gelöst, das Waschmittel funktioniert schon beim 30-Grad-Waschen.  Wir haben mit dem obigen Rezept gute Ergebnisse bei 40-Grad-Buntwäsche erzielt. Das Universalwaschmittel Rosskastanie soll auch gut für Weißwäsche sowie für feine Textilien aus Wolle, Samt oder Seide funktionieren.

Wiederverwendung
Das Pulver kann nach dem Waschgang auf einem Teller getrocknet werden (sonst droht Schimmelgefahr) und noch bis zu drei Mal wiederverwendet werden. Das oben angepriesene Buch spricht davon, dass die Waschkraft von Waschgang zu Waschgang um etwa 10 % abnimmt; entweder man wäscht dann mit bereits gebrauchtem Pulver nur leicht verschmutzte Wäsche oder streckt das Recyclingmaterial mit 10 % frischem. Die Autorin Gabriela Nedoma schätzt den Jahresbedarf pro Person auf etwa 1 Kilo getrocknetes Pulver, das entspricht 2 Kilo frischen Kastanien.
Gänzlich ausgelaugtes Kastanien-Waschpulver (ohne bitter schmeckende Saponine) lässt sich übrigens als Mehl verbacken. Das hab ich aber noch nicht ausprobiert.
Was die zahlreichen Vorzüge des »Naturwaschmittels Rosskastanie« – auch gegenüber der Indischen Waschnuss sowie kaufbaren Öko-Waschmitteln – betrifft, so verweise ich nochmals auf das gleichnamige Buch. Das spricht noch von diversen weiteren Anwendungsmöglichkeiten der heimischen Kastanie: etwa im medizinischen oder im kulinarischen Bereich …

Gutes Gelingen bei der ökologischen Selbstversorgung!

geschrieben von Jochen Schilk
am 01.10.2016


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