Beitrag vom 16.09.2016

Oya-Treffen und Sauerkraut

Nun liegt das Oya-Treffen zur  Entwicklung unserer Zeitschrift schon mehr als eine Woche zurück, und es wirkt stark nach. Vor ein paar Tagen hat sich das Klein Jasedower Oya-Team zum ersten Mal wieder getroffen und den vielen Impulsen aus dem Treffen nachgespürt.
Es hat gutgetan, alles ein wenig sacken zu lassen. Im Anschluss an das Oya-Wochenende vom 2. bis zum 4. September waren einige von uns auf Reisen, andere mit Wintervorräten beschäftigt: »Geh nach Hause und kümmere dich um das Sauerkraut!« war das Motto der ersten Septemberwoche in Klein Jasedow. Nachbargärtner Paul Voss aus Jamitzow hatte für uns 200 kg Weißkohl angebaut, und der war, anders als erwartet, nicht erst Ende September, sondern schon zum Oya-Treffen erntereif. Manche Köpfe der besonders zarten Kohlsorte drohten zu verfaulen, und so haben wir drei Tage lang im sonnigen Garten im Schatten einer Birke gehobelt und gestampft.
Außerdem waren die Zwetschgen reif, und da unser Solartrockner Ende August endlich fertig geworden ist, war das spätsommerliche Wetter die perfekte Gelegenheit, große Mengen zu ernten und zu entsteinen.
Es gehört zu unseren aktuellen Fragen an Oya, wie sich ein Lebenswandel, der sich am Reifen von Früchten, an den Zyklen der Natur orientiert, mit dem Zeitschriftenmachen verbinden kann.

Mit »Fragen an Oya« haben wir den Samstag des Oya-Treffens begonnen: In der Mitte von zwei dicht besetzten Stuhlkreisen im Klein Jasedower Klanghaus – wir waren etwa 70 Menschen, denen Oya am Herzen liegt – lag ein druckfrisches Exemplar der Oya-Ausgabe Nummer 40.  Wir wollten nicht »über« sie sprechen, wie über ein zu gestaltendes Objekt, sondern »mit« ihr als Subjekt, als Wesen, denn wir empfinden das Gedankenfeld von Oya, gespeist von Tausenden von Menschen, die nun seit bald sieben Jahren immer wieder die Zeitschrift lesen und für sie schreiben, als etwas sehr Lebendiges. Diese Befragung war ein spielerischer Weg, der deutlich fühlbar machte: Es geht hier nicht um die Interessen einer Redaktion oder einzelner Menschen aus der Leserschaft, sondern um einen gemeinschaftlichen Findungsprozess. »Oya, bist du ein Produkt auf einem Markt – und wenn nicht, was dann?«, »Oya, wer sind deine Verwandten?«, »Oya, hast du Humor?« Die Fragen blätterten ein Spektrum von Themen und Ebenen auf, aus der sich fünf Gesprächskreise entwickelten. Es ging zum Beispiel um Oya als Initiatorin für Begegnungen in der »wirklichen Welt« – nicht nur vermittelt über die Ebene der Texte; um die Beziehung zu Menschen, deren Sprache, Sozialisierung oder politische Einstellung ganz anders ist als die der »üblichen« Oya-Leserschaft; um die Qualität von Verbundenheit und auch um alternative organisatorische Strukturen für eine »Oya-Allmende«. Als die Gruppen sich am Nachmittag unter dem Sonnensegel auf der Campwiese voneinander erzählten, ging es weniger darum, Ergebnisse zu präsentieren, sondern miteinander im Austausch zu sein und das Vertrauen zu spüren, für neue Wege jeglicher Art bereit zu sein. In diesem Geist konnten wir den Abend genießen – zuerst das leckere Essen unserer großartigen Koch-Crew: Genossenschaftsmitglied Fionn Ziegler hatte seine Eltern, die jahrzehntelang die Bio-Betriebskantine der Firma Logona geführt haben, dafür gewinnen können, ehrenamtlich das ganze Wochenende in unserer improvisierten Sommerküche für das Oya-Treffen zu kochen. Danach gab es im Klanghaus ein öffentliches Konzert des Hoffmeister-Quartetts mit Streichquartetten von Hayden, und spontan spielte anschließend das Duo Philipp Gerhardt und Barnaby Walters, beide Teilnehmer des Treffens, mit Dudelsack und Drehleier zum Tanz auf.
Wir Klein Jasedower Oya-Leute hatten uns kein festes Programm überlegt, sondern trafen uns jeweils an den Morgenden, um herauszufinden, was an diesem Tag behandelt werden wollte. Am Sonntagmorgen hatten wir den Wunsch, konzentriert zu vier konkreten Fragestellungen zu arbeiten: Wie schreiben wir künftig in Oya? Wie wirtschaftet Oya? Was ist Oya als sozialer Organismus? Wie kann der Beratungsprozess zur Zukunft von Oya über dieses Treffen hinaus gestaltet werden?
Im Morgenkreis baten wir unsere Patinnen und Paten – als solche hatten wir die Oya-Leserschaft ja eingeladen – darum, mit uns zu diesen Punkten zu forschen, und es begannen kreative Denkrunden, die Anfänge von vielen roten Fäden spannen.

Wie berichten wir nun davon und wie spinnen wir sie weiter? Wie vermeiden wir, in Aktionismus zu verfallen, und bleiben der forschenden Haltung, den üblichen Denkrahmen zu verlassen, wirklich treu? Das fragen wir uns gerade im Oya-Team. In diesem Sinn soll diese kurze Nachricht auch kein umfassender Bericht des Treffens sein, sondern nur ein kleines Lebenszeichen. Dass sich aus dem Erspüren neuer Richtungen schnell konkrete Änderungen ergeben, zeigte die Genossenschaftsversammlung, die im Anschluss an das Oya-Treffen stattfand. Drei Mitglieder waren spontan bereit, in einen erweiterten Vorstand der Oya Medien eG einzutreten, um dort Beate Küppers und Lara Mallien zur Seite zu stehen, und es entstanden praktische Vorschläge, wie sich Oya auch wirtschaftlich stärker als Allmende organisieren könnte.

In den nächsten Tagen werden wir die über hundert Notizzettel sichten, die während des Treffens von allen Beteiligten mit ihren Einsichten und Fragen zu Oya beschrieben wurden, und werden im Klein Jasedower Oya-Team einen Workshoptag abhalten, um die Befragung des Oya-Subjekts fortzuführen: Was will dieser Organismus jetzt und künftig von uns? Wie und wohin möchte er sich weiterentwickeln? Wozu fordert er uns heraus?
Wir freuen uns, wenn die Patinnen und Paten unserer Oya-Denkwerkstatt, ihre Erkenntnisse und Einsichten aus dem intensiven Oya-Wochenende als kurzen Kommentar an diesen Blog-Beitrag anfügen.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 16.09.2016

3 Kommentare

von Rainer Sagawe am 17.09.2016

«In dieser Situation, Declan Kennedy spricht davon, das wir uns mitten im ökologischen Zusammenbruch befinden, erinnere ich mich an Zeilen von Paolo Coelho über Krieger des Lichts: "In dem Augenblick in dem er losgeht erkennt er den Weg. Seine Ausrüstung: Glaube, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit und fast kindliche Verrücktheit. Jede Biegung des Weges, jeder Stein heißt ihn willkommen. Er wird eins mit den Bergen und den Bächen, findet etwas von seiner Seele in den Pflanzen und Tieren. Ein Krieger des Lichts geht den eingeschlagenen Weg bis ans Ende. Alle Wege führen mitten ins Herz des Kriegers. Er weiß, dass die Zeit für ihn arbeitet, er hat es nie eilig. Er lernt seine Ungeduld zu meistern und vermeidet unüberlegtes handeln. Geht er langsam, bemerkt er wie fest seine Schritte sind. Ein Krieger des Lichts ist beharrlich, gibt nie auf. Dann, wenn er es am wenigsten erwartet, öffnet sich ihm eine Tür. Manchmal hat er das Gefühl zwei Leben zugleich zu führen. Ganz allmählich siegen seine Träume über die Routine, und er ist bereit, das zu vollenden, was er immer schon vollenden wollte, was er vollenden muss. Dann werden die zwei Leben zu einem einzigen. Eines Tages wird er eine Veränderung an seiner Stimme wahrnehmen, und begreifen, das eine höhere Weisheit aus ihm spricht. Krieger und Kriegerinnen des Lichts erkennen einander am Blick." Wenn ich in dieser Symbolik bleibe, seid Ihr bereits zu "einem Leben" verschmolzen, seid uns anderen Fackeln im Sturm und zugleich Weggefährten die sich am Blick erkennen. Das Wertschätzen dessen, was uns Gaia schenkt, ist eine Lebensnotwendigkeit - so soll es sein - die gegenseitige Wertschätzung kommt hinzu. Auf meinen Weg in heiligem Zorn grüße ich Euch, meine Schwestern und Brüder. In herzlicher Verbundenheit Rainer Sagawe »

von Angela Kuboth am 19.09.2016

«Gerade habe ich die letzten Stückchen des Feigenblatt-Kürbisses aus Klein Jasedow in meine Gemüsesuppe geschnitzelt. Wie Lara mit einer Schubkarre voller Kürbisse zum Abschluss des OYA-Wochenendes daher kam - das ist eines der Bilder, die ich in Erinnerung behalte. Ich habe Äpfel, Birnen und Mirabellen genascht und mich inmitten mir bis dahin meist Unbekannten so wohl gefühlt wie seit langem nicht mehr. Die Klein Jasedower leben OYA, haben uns an einem Wochenende zu Herbstbeginn mitgenommen in gemeinschaftliches Handeln, füreinander sorgen. Auf eine mir neue Art über ein "Blatt" unter Gleichgesinnten nachzudenken - wie schön. Die Doppeldeutigkeit des branchenüblichen Wortes Blatt aufzunehmen und umzusetzen, das liegt nun vor OYA. Viele Blätter liegen in Form der von Lara beschriebenen Notizzettel vor. Mir fiel beim Sächsischen Amateurtheater-Treffen grad ein Ginko-Blatt vor die Füße. Verheißen sie ein Stück Weisheit für den künftigen Weg? Kastanien vom Nachbarbaum purzelten dazu. Sie sollen Glück bedeuten. Die Idee, eine OYA-Ausgabe mündlich zu gestalten, finde ich wundervoll. Die Vorstellung, OYA-Leser bundesweit an Allmende-Orte einzuladen und einander Geschichten zu erzählen, fasziniert mich ... Gemeinschaftlich OYA zu gestalten, diese Anregung versuche ich gerade aufzunehmen. Mal schauen, was daraus wird.»

von Chandika Loh am 09.10.2016

«Das OYA Wochenende hat Spuren in mir hinterlassen, positive Spuren. Mich bewegt weiterhin das Thema Elternschaft. Die Frage: Wie kann es Eltern, sowohl von biologischen wie auch von geistigen bzw. auch materiellen Kindern, sowohl zeitlich wie auch finanziell gelingen, persönlich im ganz eigenen emotionalen und geistigen Bewusstseinswachstum weiter zu reifen? Was können sie sinnvoller Weise tun, wenn sie parallel dazu persönlich in ihren Seelen- und Körperkräften auf Grenzen stoßen? Wie kann es gehen, sich selbst noch ein Stück mehr näher zu rutschen und lieben zu lernen und parallel für die uns Anvertrauten, ein nachahmenswertes Vorbild abzugeben, wohlgemerkt ... ohne sich dabei aufzuopfern? Als ich zum Treffen fuhr, war ich noch keine OYA Leserin. Ich hörte von dem Treffen durch die beachtenswerte junge Frau "meines" Sohnes. Ich las die Einladung und mich berührte die Aufrichtigkeit und der Mut der Klein Jasedower Menschen, sich die eigene Ratlosigkeit und auch Hilflosigkeit einzugestehen und um Unterstützung zu bitten. Ich reiste dorthin und ließ mich ein auf den Klein Jasedower WE Prozess des Fragenstellens und der Antwortensuche, welcher hier, wo ich mit mir und meinen "Wachstumsmenschen" lebe und mich für eine "noch bessere Welt" in unserer gemeinsamen Lebens(glück)- und Liebesforschung engagiere, mich ebenfalls tagtäglich begleitet. Ich wünsche mir von mir selbst die vorbehaltlose Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber, mich mir meiner eigenen Grenzen und Begrenzungen selbst bewusst zu werden, mich mit ihnen selbstfürsorglich anzunehmen und immer wieder neu den Mut, über sie hinauszuwachsen. Und ... dies scheint mir ganz wichtig ... mich anderen authentisch zu zeigen, um dann gemeinsam durch die unterschiedlichen Erfahrungen und entstandenen Perspektiven völlig neu und weiter schauen zu können. Ich spüre Freude bei dem Gedanken ein Teil des Prozesses zu sein. Wo auch immer. Ich schätze das Teilen persönlicher Lebenserfahrungen, die mich, weil sie "Erfahrungswissen" beinhalten, auch berühren. Mich würden auch Tabuthemen, wie Suchtverhalten und Co-Abhängigkeit interessieren. Ich wäre auch Ansprechperson, sowohl für eine Begleitung von Prozessen als auch für das Schreiben von eigenen Erfahrungen. Meine Schwerpunkte sind: Das Erforschen von Liebe und Lebensglück. Sucht und Co-Abhängigkeit als ein Zeichen von Seelenhunger. Visionen für eine enkeltaugliche Welt. Chandika Loh am 9.10.16»


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