Beitrag vom 16.08.2016

Oya-Treffen am ersten Septemberwochenende

Wie wollen wir zukünftig in Oya schreiben und gestalten? – Sie längerem schon bewegt diese Frage diejenigen, die an der Entstehung der Zeitschrift mitwirken. Dieses Frage stellen wir uns täglich, wir stellen sie Menschen, mit denen wir Interviews führen oder die auf unsere Generalversammlung kommen, und vom 2. bis 4. September möchten wir gemeinsam mit einer größeren Runde von Menschen, die Oya lesen und für Oya schreiben, ein ganzes Wochenende lang intensiv in diese Frage eintauchen. Mitdenkerinnen und Mitdenker sind dazu herzlich nach Klein Jasedow, dem Ort der Oya-Redaktion, eingeladen.

Dieser Termin steht nicht für sich, sondern ist in einen längeren Prozess eingebunden: Nach Erscheinen der März-Ausgabe, »Die große Illusion. Warum uns grüne Technik nicht retten wird«, hatten wir den Eindruck, wieder einmal alles Wesentliche über die Unhaltbarkeit der derzeitigen Lebensweise in der westlich geprägten Welt gesagt zu haben. In der Januar-Ausgabe über Stroh- und Lehmbau oder in der Juli-Ausgabe über das Anlegen von Wintervorräten für eine ganzjährige, regionale Ernährung zu berichten, macht zwar viel Freude, aber wir wollen uns auch nicht in eine scheinbar heile Welt zurückziehen. Auf fast allen Ebenen finden derzeit schreckliche, größtenteils unaufhaltsame Kollaps-Prozesse statt. Was wäre die Aufgabe einer Zeitschrift wie Oya in so einer Zeit? Können wir noch so wie in den vergangenen sechs Jahren munter ein ermutigendes oder desillusionierendes Thema an das nächste reihen, und schreiben wir dann nicht irgendwann an dem, was  jetzt wesentlich wäre, vorbei? Was ist tatsächlich wesentlich?

Seit Anfang Juli arbeitet die Oya-Anders-Denk-Werkstatt in Klein Jasedow anhand dieser Forschungsfrage an dem September-Heft. Dies ist die vierzigste Oya-Ausgabe, und das feiern wir als kleines Jubiläum. Wir wollen es feiern, indem wir ausgetretene Pfade verlassen und uns mit Haut und Haaren auf Neuland einstimmen. Statt wie sonst ein Konzept zu entwickeln und diverse externe Autorinnen und Autoren mit Reportagen zu beauftragen, schreiben die Redaktionsmitglieder gerade in einem experimentellen Prozess an sehr persönlichen Texten. Diese Texte entstehen aus Gesprächen, in denen wir uns in unterschiedlichen Konstellationen mit Menschen zur Frage nach dem »Wesentlichen« beraten. Wir haben uns nicht im voraus ausgedacht, wen wir zu solchen Beratungsgesprächen einladen – jegliche Art des üblichen Planens und Termine-Machens schien uns für einen authentischen Prozess, der an die Wurzel unserer Zeitgeist-Fragen führen soll, unangebracht. Stattdessen haben wir die Beratungen mit denjenigen begonnen, die der Lauf der Dinge nach Klein Jasedow gebracht hat bzw. die wir sowieso in diesem Sommer einladen oder treffen wollten. Das erste Gespräch fand beispielsweise mit Werner Küppers vom Omnibus für direkte Demokratie statt, der alle zwei Jahre im Sommer einmal in Klein Jasedow Station macht. Er war im richtigen Moment vor Ort, um den Prozess zu beginnen. Seither dokumentieren wir intensive Gespräche voller poetischer Geschichten und starker Einsichten, und es war bald deutlich, dass wir sie nicht im üblichen Interview-Stil wiedergeben, sondern dass sie die Grundlage für eine Erzählung bilden, die sich in mehreren Kapiteln über den gesamten Fokus-Teil der September-Oya ziehen wird. Auch optisch soll dieser Teil eher wie ein Buch wirken – experimentell gestaltet vom Oya-Grafik-Team. Wir lassen alle üblichen journalistischen und gestalterischen Normen weg und wagen es, die roten Fäden, die sich sonst nur im Hintergrund einer Ausgabe durch die einzelnen Artikel ziehen, zur Hauptsache werden zu lassen. Das klingt vermutlich etwas rätselhaft – und das ist es auch noch, denn die Texte und Layouts sind erst im Entstehen begriffen.

Das experimentelle Arbeiten an der September-Ausgabe ist für uns eine Vorbereitung auf das September-Treffen mit Leserinnen und Lesern. Wir möchten dort die Beratungen, die wir derzeit nur mit einzelnen Personen abhalten, in großen und kleinen Runden fortsetzen. Deshalb freuen wir uns sehr über Menschen, die sich in diesen Prozess einbringen wollen. Was kann Oya sein? Was ist das Potenzial der mehreren tausend Menschen, die alle zwei Monate dieses Heft lesen und sich dadurch verbinden? Welche Kraft kann diese Verbundenheit entfalten?

Wer mitdenken möchte, kann sich bis 20. August bei Romy Schiele vom Leserservice zum September-Treffen anmelden und erhält weitere Informationen zum Ablauf und zur Organisation des Treffens: leserservice@oya-online.de. Bei Romy gibt es eine Liste mit Unterkünften in der Region. Es ist auch möglich, auf der Klein Jasedower Campwiese zu zelten oder ein Wohnmobil aufzustellen.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 16.08.2016

4 Kommentare

von klemens am 31.08.2016

«buuuh, ich würde ja wirklich sehr gerne kommen - aber ihr seid sooooo weit weg ;-((( Ich sitze hier im Süden von Deutschland und bin begeisterter Leser und freue mich über jede neue Ausgabe. Eure Frage, mit welchen Mitteln es am effizientesten möglich ist, den gesellschaftlichen Wandel voran zu bringen beschäftigen mich auch schon lange. Meine persönliche Antwort ist ein weltgerechter Lebensstil, der nicht mehr als 1000 Watt verbraucht und der trotzdem so komfortabel ist, dass ich damit möglichst viele Menschen verführen kann. Wenn ihr euch mal etwas südlicher trefft, dann bin ich gerne dabei. Wünsche euch auf jeden Fall viele kreative und konstruktive Gedanken. Grüße Klemens klemens@ownworld.org »

von reinfried musch am 01.09.2016

«ich kann nur am Samstag kommen, wenn das möglich ist. Gruß Re »

von Horst am 07.09.2016

«innehalten, mit den Themen, die wirklich wichtig sind beschäftigen, Gedanken- und Ideensuche mit Gleichgesinnten teilen, ein Herzens-Projekt stützen und befördern und eben in Klein Jasedow die Kraft des Ortes und die Ausstrahlung der Menschen dort spüren - das mach wieder ein bißchen Mut und Hoffnung.»

von Katharina am 07.09.2016

«Gestern lag das neue Heft im Briefkasten, die Nummer 40. Ihr seit auf einem wunderbaren Weg seit sieben Jahre und ich bin mir sicher, dass Ihr noch viele Jahre als Leuchturmprojekt voranschreitet.»


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