Beitrag vom 31.05.2016

Geld als Gestaltungsmittel – Geldgipfel der GLS Bank Stiftung

Geld spielt in allen Bereichen unseres Lebens eine Rolle; wirtschaftliches Denken behauptet seinen Allmachtsanspruch auch im Gesundheitssystem, der schulischen und beruflichen Ausbildung oder der Gestaltung sozialer Beziehungen.
Deshalb ist es nur auf den ersten Blick überraschend, wenn die Tagung der Stiftung der GLS Bank, einer ethischen Genossenschaftsbank, sich nicht nur mit Geld befasst, sondern sich auch mit Qualitätsjournalismus, Freihandelsabkommen, wirtschaftswissenschaftlicher Bildung und neuen Eigentumsformen beschäftigt. Das machte die Veranstaltung auch für die Zeitschrift Oya interessant.


Eine demokratische Gesellschaft braucht transparente und kritische öffentliche Debatten. Qualitätsjournalismus leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag, indem er immer wieder Verdecktes sichtbar macht und den Status quo kritisch hinterfragt. Eine Bank, die den Anspruch hat, die Gesellschaft zu verändern, muss sich deshalb auch damit beschäftigen, wie sich kritischer und konstruktiver Qualitätsjournalismus in einer immer weiter monopolisierten und digitalisierten Medienwelt halten kann. Zwei investigativ arbeitende Journalistengruppen, Correctiv! und Perspective Daliy, stellten sich vor. Correctiv! recherchiert gemeinnützig und stellt die Informationen transparent zur Verfügung. Das innovative Online-Journal Perspective Daily zeigte den Besucherinnen den Unterschied zwischen einer „normal“ und einer konstruktiv vorgebrachten Nachricht. Die eine lähmt, die andere regt an. Und das trotz desselben Inhalts.


Ein weiteres Thema zur kritischen Reflexion unserer Gesellschaft und ihrer Art zu wirtschaften waren die Freihandelsabkommen. TTIP und CETA sind in (fast) aller Munde, die EPAs (Economic Partnership Agreements) dagegen nicht. Von einer Journalistin wurde anschaulich dargestellt, wie diese Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika der neokolonialen Sicherung von Rohstoffquellen - oder Schwundstoffen – und einem Platz im Welthandel dienen. Der Blick auf die EPAs lenkt den Blick auf unsere Eigenverantwortung. Und letztlich geht es auch hier um Geld.
Was Geld eigentlich ist, nämlich eine soziale Übereinkunft, das ließ sich nicht nur in einem Plenumsvortrag zur Geschichte der Wirtschaft und der Entwicklung des Kapitalismus erfahren, sondern auch in einem Workshop zu digitalen Währungen. Geld hat viele Formen angenommen: Von der Tontafel über Silber, Gold und buntes Papier bis hin zu kryptischen Algorithmen. Letztendlich beruht es aber auf dem Vertrauen zwischen den Menschen, die miteinander in Austausch treten – ansonsten entsteht keine Beziehung, auch keine geschäftliche. Und es hält in Erinnerung, dass Geld ein Mittel zum Zweck ist und kein Zweck an sich.


Um Geld, das nicht dort investiert wird, wo es Schaden anrichtet, sondern dort, wo es wirklich gebraucht wird, ging es in einem Vortrag zum sogenannten Divestment. Eine Stadt wie Münster ebenso wie einzelne Menschen, die Unternehmen keine finanzielle Unterstützung gewähren, die beispielsweise am Kohleabbau beteiligt sind, können die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Nutzung erneuerbarer Energien nicht nur fordern, sondern fördern.
Wie wir Geld als ein Commons verstehen und designen können, wurde in einem Workshop zu Vollgeld und einem Vortrag von Christian Felber zur Gemeinwohlökonomie deutlich. Er betonte, dass nicht die Geldvermehrung, sondern das Gemeinwohl das Ziel des Wirtschaftens sein sollte. Unser Verhältnis zum Geld muss also auf den Kopf gestellt werden: Es sollte als Tausch- und Gestaltungsmittel zur Bedürfnisbefriedigung und nicht der Akkumulation als Selbstzweck dienen.
In einer neuen Wirtschaftsordnung würde nicht nur Geld anders verstanden werden, sondern auch neue Formen des Eigentums müssten entwickelt werden. In einem Workshop wurden dazu erste Beispiele vorgestellt: GTreu und die Purpose AG zeigten, dass eine gemeinnützige Stiftung Eigentümerin einer Firma sein kann und auf diese Weise garantiert, dass mögliche Gewinne den Mitarbeiterinnen oder der Gesellschaft zugutekommen. Nicht die Erzielung von privater Rendite, sondern gesellschaftliche Wertschöpfung sollte das Ziel von Unternehmen sein.
Die vielfältigen Projekte und Teilnehmer dieses Wochenendes erwecken die Hoffnung, dass auch in einem für Mensch und Planet schädlichen System wie dem Kapitalismus neue Experimente zu tragfähigen Strukturen wachsen können.
Deshalb lautete das Motto des Geldgipfels »Vom Fußabdruck zum Handabdruck«. Denn es geht nicht nur darum, wie wir unseren ökologischen Fußabdruck verringern, sondern auch darum, wie wir die Gesellschaft und Mitwelt aktiv gestalten können. Wie das geht, zeigten einige inspirierende Projekte: Das Berliner Gründerinnenzentrum Weiberwirtschaft, die BioBoden-Genossenschaft, das Netzwerk Plurale Ökonomik oder die solidarische Sozialgenossenschaft Karuna.
Und dennoch: Ein sperriges und abstraktes Thema wie Geld und Wirtschaft und unterschiedliche Vorstellungen trotz aller Gemeinsamkeiten erschweren es bislang, dass sich eine breite gesellschaftliche Bewegung für eine alternative Wirtschaftsordnung bildet. Bis zum nächsten Geldgipfel will die GLS Bank Stiftung deshalb mit ähnlichen Initiativen Thesen formulieren, um in der europäischen Öffentlichkeit deutlicher gehört zu werden und als Vorbild für eine gesellschaftliche Transformation voranzugehen.

 

Ab Ende Juni findet sich eine Dokumentation des Geldgipfels im Internet.

geschrieben von Elena Ball, Domenik Treß
am 31.05.2016

1 Kommentar

von Ingrid Buchwieser am 02.06.2016

«Klingt sehr interessant, vielen Dank für den Bericht. Ich freue mich auf die Dokumentation. Irgendwo sah ich schon einen Beitrag von Josef Huber. Er sprach über Geldschöpfung. GELD IST EIN GESTALTUNGSMITTEL! Schöne Grüße Ingrid Buchwieser»


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