Beitrag vom 05.03.2016

Ergebnisse der »Urinale 2015«

Oya berichtete bereits in der Vergangenheit als Medienpartnerin von der »Urinale 2015«. Am 4. März 2016 wurden nun in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin die Ergebnisse der Aktion den Medien in einer gut besuchten Pressekonferenz vorgestellt. Im Rahmen der »Urinale« haben insgesamt 2011 Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland im Zeitraum von Oktober 2015 bis Januar 2016 von dem unabhängigen und akkreditierten Labor »Biocheck« in Leipzig ihren Urin zum Kostendeckungsbeitrag von 53,55 Euro pro Test untersuchen lassen. Diese privat finanzierte Feldstudie ist damit weltweit die größte Datensammlung zur Glyphosatbelastung der Bevölkerung. 2009 Proben waren auswertbar. Der erschreckende Befund: In 2001 Proben war Glyphosat nachweisbar, das sind 99,6 Prozent. Lediglich 8 Proben, also 0,4 Prozent, lagen unter der Nachweisgrenze des angewendeten Testverfahrens. Lesen Sie hier die statistische Auswertung: Textteil und Datenteil.

Bei 79 Prozent der Probanden war die Belastung  fünf- bis zweiundvierzigfach höher als der Rückstandshöchstwert für Pestizide in Trinkwasser – dieser beträgt 0,1 Nanogramm pro Milliliter. Es liegt also flächendeckend eine erhebliche Belastung vor. Das Alarmierende: Die Urinproben von Kindern und Jugendlichen ergaben die höchsten Messwerte.

Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmenden ernährt sich von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau. Bei ihnen war die Belastung zwar insgesamt niedriger, doch auch sie haben durchschnittlich das Neunfache des Trinkwasserhöchstwerts im Urin – wie kann das sein? Offenbar ist es nicht möglich, in Deutschland zu leben, ohne beständig Pestizide aufzunehmen.

Wie Glyphosat überhaupt in den menschlichen Körper gelangt und was eine dauerhafte Belastung dort bewirkt, ist bislang nicht erforscht. Nehmen wir es vor allem über die Nahrung oder über die Atemluft zu uns? Bisher gibt es dazu keine relevanten Studien am Menschen. Was bedeutet es, dass der Wirkstoff lebensfördernde Darmbakterien abtötet und dem Körper ständig Spurenelemente entzieht?

Die Zulassung des Mittels stützt sich fast ausschließlich auf industriefinanzierte Tierversuche, die dem Mittel Unbedenklichkeit für den Menschen bescheinigen. Das hält Peter Clausing, Toxikologe und Vorstand des Pestizid Aktionsnetzwerks, für wissenschaftlich unhaltbar, zumal mindestens fünf relevante Studien an Mäusen die Warnung der WHO stützen, Glyphosat sei höchstwahrscheinlich krebserregend.

Im März soll das Mittel in der EU für weitere 15 Jahre bei erheblich gelockerten Anwendungsbestimmungen zugelassen werden. Es ist ein essenzieller Bestandteil des Gentechnik-Baukastensystems des Saatgutproduzenten Monsanto, der entsprechend glyphosatresistente Pflanzen herstellt.

Die Behörden lehnen es weiterhin ab, großflächige Untersuchungen zur Glyphosatbelastung der Bevölkerung in Europa zu finanzieren. Deshalb bleiben wir Bürgerinnen und Bürger gefordert. Die Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« möchte weitere Studien in Auftrag geben. Sie sollen Licht ins Dunkel der bislang nicht nachvollziehbaren Wege bringen, wie Glyphosat in unsere Körper eindringt und welche gesundheitlichen Folgen dies hat. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung: Helfen Sie mit, eine Folgestudie auf den Weg zu bringen – spenden Sie! 130.000 Euro sind bereits im Rahmen der »Urinale 2015« von allen Beteiligten durch Spenden und Kostenbeiträge ans Labor aufgebracht worden. Ein ebensolcher Betrag ist für den nächsten Schritt erforderlich. Wir freuen uns über jede Spende, die es ermöglicht, weiterhin aufzuklären und politischen Druck zu erzeugen.

geschrieben von Silke Hoffmann
am 05.03.2016

1 Kommentar

von Horst göllnitz am 12.04.2016

«und nun ? http://www.deutschlandfunk.de/glyphosat-bundesregierung-fuer-zulassung-mit.447.de.html?drn:news_id=602047 »


Kommentar schreiben




Bitte helfen Sie uns zu verhindern, dass die Kommentarfunktion von Spam-Software missbraucht wird und lösen folgende kleine Rechenaufgabe:


drei minus zwei =