Beitrag vom 07.11.2014

Roter Teppich für Aktivist*innen

Bevor die Reise beginnt, gibt es auf den Treppen des Gorki noch Ansprachen und dramatische Gitarrenmusik. Ein syrischer Geflüchteter erzählt die Geschichte seiner Flucht auf derselben Route, die nun auch der Aktivist*innenbus nehmen wird. Er habe sich damals 10 Stunden unter einem Lastwagen auf der Achse zwischen den Rädern versteckt.

Dann gehen die Aktivist*innen über einen roten Teppich durch ein Spalier klatschender Menschen zu den Bussen. Wir werden nicht auf der Achse sondern in bequemen Sitzen reisen, für eventuelle Probleme steht vor Ort ein Team von Anwält*innen bereit, und sollte es nicht gelingen, den Grenzzaun zu erreichen - oder zu Fall zu bringen - werden wir einfach wieder zurück nach Deutschland fahren: Das Land, in dem die meisten von uns Staatsangehörige sind und politische Rechte genießen.

Auch wenn der rote Teppich Teil der Kunstaktion ist - den Aktivist*innenmut derart zu feiern, scheint mir, gerade in Anschluss an eine tatsächliche Fluchtgeschichte, mehr als unverhältnismäßig.

geschrieben von Lou Zucker
am 07.11.2014


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