Beitrag vom 28.09.2014

Spielerischer Konsumstreik: Ein Jahr ohne Zeug

Von der Degrowth-Konferenz in Leipzig Anfang September nahm ich ein kleines Heftchen mit nach Hause, in dem zu einem persönlichen Experiment bzw. »Gesellschaftsspiel« aufgerufen wird. Man soll ausprobieren wie es ist, einmal ein Jahr lang keine Anschaffungen von Dingen wie Kleidung, Unterhaltungselektronik oder Möbel zu tätigen. Die Spielregeln von »Ein Jahr ohne Zeug« erlauben dabei selbstverständlich den Kauf von Verbrauchsgütern (z.B. Nahrung, Shampoo, Medikamente). Ausserdem stehen den Spielerinnen und Spielern in den 365 Tagen der freiwiligen Konsumbeschränkung je zwei Joker für den Kauf von »Zeug« zur Verfügung, die sie in Notfällen einlösen dürfen; »Größe und Preis spielen dabei keine Rolle« besagen die Regeln großzügig.

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 19. September entdeckte ich nun passend zu diesem Spiel einen Bericht des Journalisten David Pfeifer. Der hatte sich auch ohne Aufruf zu solch einem persönlichen Jahres-Experiment verpflichtet, als er merkte, dass er gerade im Begriff war, sich eine Schrankwand für all die Dinge schreinern zu lassen, die er eigentlich gar nicht mehr brauchte, ja, die er im Höchstfall ein einziges Mal genutzt hatte. Sein Artikel ist für ein Mainstream-Medium, das seinen Gewinn sicherlich zu guten Teilen aus Werbeanzeigen für überflüssiges Zeug erwirtschaftet, geradezu radikal konsumkritisch. Pfeifers Resumee aus seinem Jahr ohne neues Zeug: »Ich kann es nicht kleiner sagen: Mein Leben wurde freier, aber auch reicher. Denn ich sparte nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Zeit …«
Zu seinem geschäftsschädigenden Artikel geht es hier.
Und zum im Beitrag erwähnten Vortrag des Hirnforschers Gerhard Hüther »Wer glücklich ist, kauft nicht« geht es hier entlang.

P.S. Wer es vorerst eine gute Nummer kleiner angehen möchte, möge sich merken: Am letzten Samstag im November ist für Kontinentaleuropa wie immer der »Kauf Nix Tag« angesetzt. Der letzte Samstag im November fällt dieses Jahr auf den 29. 11.

geschrieben von Jochen Schilk
am 28.09.2014


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