Beitrag vom 05.09.2014

Pestizidfreie Zukunft? Ja bitte!

Südtiroler Bürgerinnen und Bürger sagen Nein zu Ackergiften und Ja zu lebensfördernder Zukunft. (c) www.hollawint.com

Wie Oya berichtete, fand von 22. August bis 5. September in einer kleinen Gemeinde im Südtiroler Vinschgau – sprich: Fintschgau ['fɪnʃɡau̯], als gebürtiger Nordtiroler muss ich auf diesen Aussprachehinweis bestehen – eine richtungsweisende Volksabstimmung statt: Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Mals stimmten darüber ab, ob der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide künftig im Gemeindegebiet unter Berufung auf das Vorsorgeprinzip zum Schutz der Gesundheit untersagt werden soll. Mals würde somit zur ersten pestizidfreien Gemeinde Italiens.

Trotz Drucks durch die im Obervinschgau mächtige konventionell wirtschaftende Obstbauindustrie war das Bürgerbegehren erfolgreich – sehr sogar! Wie die Bürgerinitiative Hollawint soeben meldete, haben über 75 Prozent der Wählerinnen und Wähler den Vorschlag der Volksbefragung mit Ja beantwortet – einem Ja, das sich gegen Ackergifte und für eine pestizidfreie Zukunft auspricht. Die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 69 Prozent macht das Ergebnis besonders aussagekräftig.

In einem Gespräch, das Ute Scheub im Zug der Recherche zu ihrem Ende Oktober bei thinkOya erscheinenden Buch »Ackergifte? Nein danke!« mit dem Sprecher des Promotorenkomitees, Johannes Fragner-Unterpertinger, führte, erklärte der Malser Apotheker: »Heute gelten wir als grüne Spinner, aber in zehn Jahren werden sie uns Propheten nennen. Denn mit den Pestiziden vergiften wir unsere Zukunft. Im wörtlichen und im übertragenen Sinn.«

Es bleibt zu hoffen, dass die Initiative der mutigen Malserinnen und Malser vielerorts Nachahmung findet. Einige verwandte, beispielhafte Projekte gibt es bereits:

In Neu Wulmstorf bei Hamburg möchte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Beispiel Pestizide aus dem Gemeindegebiet verbannen und ihren Heimatort somit zur erste pestizidfreie Gemeinde Deutschlands machen. Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, soll das Thema Mitte September im nächsten Bau, Planung- und Umweltausschuss behandelt werden.

Das Dorf Vallarsa in der norditalienischen Provinz Trient ist aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses vom März 2014 die erste Gemeinde Italiens, in der grundsätzlich nur biologischer Anbau erlaubt ist. Nach dem Verursacherprinzip »Wer verschmutzt, zahlt!« müssen Landwirte, die sich für konventionellen Anbau entscheiden, selbst für Folgekosten aufkommen.

Informationen und Hintergründe über diese und weitere Initiativen finden sich auf der Seite der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« Machen Sie mit! – Die Zukunft wird pestizidfrei sein, oder sie wird nicht sein.

geschrieben von Matthias Fersterer
am 05.09.2014

1 Kommentar

von Gruenes_Edertal am 06.09.2014

«Prima ! Besonderen Dank an Dr. Berger vom Umweltbund e.V. in Neu-Wulmstorf.»


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