Beitrag vom 11.05.2014

Ackergifte? Nein danke!

Wer derzeit durch die deutschen Lande reist, vor allem durch die nördlichen, sieht vor allem Gelb. Dabei sollte man bei soviel Raps eher Rot sehen: Der weitaus größte Teil wird zu »Bio«-Diesel, Futtermitteln für die Massentierproduktion und Schmierstoffen verarbeitet, Kaum 12 Prozent der Ernte dient – von uns Steurzahlern hoch subventioniert – in Form von Rapsöl dem Menschen als Lebensmittel. Der Anbau von Raps verbraucht mehr Energie, als die Ölfrucht am Ende liefert, und raubt dem Boden dreimal soviel Nährstoffe wie der Getreideanbau. Die gelbe Flut auf den Industrieäckern lebt von der Spritze: Sie wird künstlich ernährt und erhält Medikamente, die in ihrer Toxizität einer Chemotherapie beim Menschen gleichen. Die »gute fachliche Praxis« der Agroindustrie hat mit einem enkeltauglichen Bauerntum, das über die sprichwörtlichen sieben Generationen hinausdenkt, nichts zu tun.
Massentierproduktion, Genmanipulation und Landgrabbing haben inzwischen erstarkende Protestbewegungen ausgelöst. Die exzessive Zerstörung der Lebensgrundlage Boden durch die auf Gift basierende Produktionsweise des Agrobusiness ist hingegen noch kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Dabei ist klar: Dem Vernichtungsfeldzug gegen das Kostbarste, was wir an unsere Enkelinnen und Enkel weiterreichen können – gesunden, fruchtbaren Boden –, muss ein Ende gesetzt werden.
Seit kurzem ist die Internetseite der Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« öffentlich zugänglich. Getragen von der Bürgerinitiative »Landwende«, die 2001 in der Folge einer großflächigen Herbizid-Vergiftung aktiv wurde, tritt die Kampagne für einen Abschied von der Agrarindustrie und für die Hinwendung zu einer bäuerlichen, ökologisch sinnvollen, die Mitwelt des Menschen achtenden Landwirtschaft ein. Eine solche Landwirtschaft kann nicht mit einer auf Genmanipulation und Gifteinsatz basierenden industriellen »Biomasse«-Produktion koexistieren: Vor allem unter dem Diktat der im Zug der sogenannten Energiewende massiv geförderten »Bioökonomie« werden wir die Alternative für unverseuchte, gesunde Lebensmittel vollends verlieren, wenn wir nicht handeln.
Ein erster Schritt dazu besteht darin, Schäden und Gesundheitsbeschwerden, die durch Abdrift von Ackergiften entstehen, zu registrieren und zu melden. Dazu arbeitet die Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« mit dem Pestizid Aktions-Netzwerk Deutschland (PAN) zusammen. Mit Hilfe eines Meldebogens soll erstmals überhaupt eine breite Datenbasis geschaffen werden, die das Ausmaß der allgegenwärtigen Vergiftung von Land und Leuten dokumentiert. Wie Sie sich daran beteiligen können, ist auf der Webseite erklärt: www.ackergifte-nein-danke.de.

Johannes Heimrath

geschrieben von Johannes Heimrath
am 11.05.2014


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