Beitrag vom 20.02.2014

Silke Helfrich zu Gast bei scobel

Ein aktueller TV-Tipp: Heute Abend ist unter dem Titel »Gemeingut, Gemeinwohl und Gemeinsinn – Macht gemeinsam stark?« in der Sendung scobel auf 3sat ab 21:00 Uhr die Commons-Expertin und Oya-Autorin Silke Helfrich zu Gast bei Moderator Gert Scobel – Oya-Lesern nicht nur aus Funk, Fernsehen und Presse bekannt, sondern auch aus einem Gespräch in Oya 11. Zu Gast ist außerdem der Umweltökonom Timo Goeschl.

Wie tief sich die öffentlich-rechtliche Redaktion wohl in dieses Thema hineinbegeben wird? Dass sie es behandelt, macht immerhin deutlich, wie die Idee der Gemeingüter langsam aber stetig in den Mainstream durchsickert. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele reflektierte und bewusst lebende Menschen nach wie vor kaum etwas mit den Begriffen »Allmende« oder »Gemeingüter« anfangen können. Insofern ist die Sendung in jedem Fall ein beachtenswerter Beitrag zur Commons-Debatte.

Nach der Ausstrahlung wird die Sendung online in der scobel-Mediathek verfügbar sein.

geschrieben von Matthias Fersterer
am 20.02.2014

5 Kommentare

von Matthias Fersterer am 21.02.2014

«Und hier die Auswertung: In der insgesamt recht anspruchsvoll geführten Debatte herrschte die übliche Verwirrung um die sogenannte Tragik der Allmende, und einige marktkapitalistische Grundannahmen wurden unhinterfragt als gegeben vorausgesetzt. Dadurch enstand eine gewisse Behäbigkeit und Unschärfe, weil sich ein neues Paradigma innerhalb alter Denkrahmen eben nicht konsequent zu Ende denken lässt und auch nicht wirklich greif-, versteh- und erfahrbar wird. Deutlich wurde dies an manchen Aussagen von Umweltökonom Timo Goeschl (»Wasser braucht einen Preis«), die so auch von Ex-Nestlé-CEO Peter Brabeck hätten stammen können. Hilfreich waren die beharrlich eingebrachten kleinen, aber entscheidenden Kurskorrekturen von Silke Helfrich, die weg vom Warenparadigma und hin zur nutzpflegerischen Praxis von Nutzergemeinschaften führten. Gert Scobels schöner Schlusskommentar, in dem er dafür plädierte, die Blindheit realpolitischer Illusionen durch die Wachheit des an den Auswirkungen des eigenen Handelns geschulten Blicks und mehr konkretes Utopievermögen zu überwinden, brachte eine Weitung des Denkens, mit der sich wunderbar in eine neue Debatte einstiegen ließe … Vielleicht wird die scobel-Redaktion das Commons-Thema ja bei anderer Gelegenheit wieder aufgreifen. – Wer hat die Sendung noch gesehen?»

von Klaus am 06.03.2014

«Der Umwelt"ökonom" vergisst (ca. bei 52:30 etc.) bei seinem Lobgesang auf den Markt zwei essentielle Faktoren (die auch andere Ökonomen immer außer Acht lassen) (0. wunderbare Antwort auf Lebensmittelspekulation den Preis als Angebot/Nachfrage-Wunder zu bezeichnen ... zumal im Finanzwesen Schlüsselvariablen {s. Libor-Zinssatz} gerne auch mal manipuliert werden) 1. die zeitliche Komponente: der heutige Preis der Ressourcen, die wir aktuell verschwenden, ist intergenerational völlig unterbewertet ... ergo kann Kapitalismus NIE nachhaltig sein!!! (das ist schon nen Aha-Effekt wert :) ) 2. die räumlich-systemische Komponente: die mehreren Milliarden armen Menschen (meist des globalen Südens) haben gar keinen Zugang zu dem System, welches er hier lobt ... Ressourcen werden aus deren Land weggeschafft {Stichwort: Neokolonialismus} und die Bevölkerung hat gar keine Geldmittel, um auf dem Weltmarkt überhaupt mitspielen zu können. Sie bekommen systemisch einfach unseren "Schrott" ... ergo ist das System gar nicht einheitlich und gerecht {ganz oben werden Banken gerettet und der freie Markt außer Kraft gesetzt, was eher an Sozialismus erinnert, dann kommt der übliche Kapitalismus, wir, und dann der ausgebeutete Rest, der gar nicht effektiv teilnehmen kann und systemisch "verarscht" wird}.»

von OYA-Fan am 10.04.2014

«Vielleicht ist es nicht so schlecht wenn ein bestimmter Begriff wie zum Beispiel " Kapitalismus" auf eine untere Stufe zurück gebrochen wird. Es gab auch einmal Urgesellschaft und Feudalismus. Da gab es verbreitet die zwischen den Menschen akzeptierte wirtschaftliche bzw. natürliche Austauschform der Allmende. Der Kapitalismus als eine sehr komplexe wirtschaftliche Austauschform (globale) hat uns die (natürliche und einfache) Austauschform (Allmende) fast vergessen lassen. Aber soll es noch geben. Es soll noch Sachen , Bestandteile geben die noch nicht einem Austauschverhältnis zugeordnet werden können. Vielleicht könnte man sagen , sie sind noch in ihrer Ursprünglichkeit vorhanden. Wir sollten unbedingt danach suchen. Begriffe Wie zum Beispiel Kapitalismus, Demokratie, Schule haben etwas von Ursprünglichkeit in einer globalen komplexen Welt verloren. Diskussionswürdig finde ich den Begriff der Schweiz als einer Urdemokratie. Manchmal muss ein Stein auch umgedreht werden um zu erkennen was drunter liegt.»

von Silke am 18.04.2014

«tja, man sollte sich konsequent der aristotelischen Unterscheidung zwischen "oikos" und "chrematistik" erinnern, und Umweltökonomen treffender Umweltchrematistiker nennen. @oya-fan: schönes Bild vom umzudrehenden Stein, um zu erkennen was drunter liegt. Unter unseren Füßen, unter den Füßen der Neoklassik. Unter den Kategorien die sie nutzt und die wie selbstverständlich täglich durch die Medien und die Hirne und das Handeln geistern. @Matthias Fersterer: danke! Ich gestehe: Es war hart. :-) »

von Matthias am 19.04.2014

«Es ist schon erstaunlich, wie an den entscheidenden Punkten vorbeidiskutiert werden kann, wenn die Gesprächspartner nicht dieselben Grundprämissen teilen: Wer aus dem Paradigma des Finanzkapitalismus über Gemeingüter spricht, wird zu völlig anderen Einschätzungen gelangen als jemand, der aus der Commons-Perspektive darüber spricht … @ Silke: Du hast dich wacker geschlagen!»


Kommentar schreiben




Bitte helfen Sie uns zu verhindern, dass die Kommentarfunktion von Spam-Software missbraucht wird und lösen folgende kleine Rechenaufgabe:


fünf plus zwei =