Beitrag vom 09.06.2013

Wegweisende Konferenz zur Commons-Ökonomie

Etwa Zweieinhalb Jahre nach der ersten internationalen Konferenz zu Gemeingütern der Heinrich-Böll-Stiftung im November 2010 hat vom 22. bis 24. Mai die Folge-Tagung unter dem Motto »Economics and the Commons. From Seed Form to Core Paradigm« stattgefunden. Die Vorbereitungen zu dieser Konferenz haben unter anderem den Anstoß dazu gegeben, dass sich die aktuelle Ausgabe der Oya, die Nummer 20, ebenfalls der Commons-Ökonomie widmet. Der Einstiegs-Essay dieser Ausgabe stammt aus der Feder von Silke Helfrich, die weltweit die Gemeingüter-Bewegung fokussiert und inspiriert und wesentliche Mitorganisatorin der Konferenz war. Im Jahr 2010 war das Experiment einer ersten Konferenz über Commons für sie und die Böll-Stiftung noch eine Zitterpartie gewesen: Damals konnte man noch nicht wirklich davon sprechen, dass es eine Commons-Bewegung über die Grenzen der verschiedenen Szenen hinaus gibt. Würden sich Menschen, die sich für so unterschiedliche Felder engagieren wie für freie Software, die Landrechte indigener Gruppen, für eine Wasserversorgung, für Bildung oder Saatgut als Gemeingut - so die bange Frage der Organisatoren damals – würden sie sich etwas zu sagen haben? Ja, sie hatten sich enorm viel zu sagen! Denn unabhängig davon, wo sich Menschen für eine „andere Welt“ einsetzen – da gibt es dieses Prinzip des gemeinsamen Beitragens souveräner Persönlichkeiten zum Gelingen einer Sache nach Spielregeln, die gemeinschaftlich entwickelt wurden. Genau das verbirgt sich hinter dem englischen Verb »Commoning«, das wir in Oya 20 versuchsweise mit »Gemeinschaffen« übersetzt haben.

Commoning als gemeinsamen Nenner vieler verschiedener Aktionsfelder zu entdecken und in Praxis und Theorie weiter zu erforschen, hat auf dem Kongress 2010 alle beseelt und beflügelt.

Jetzt im Mai hatte die Böll-Stiftung wieder an die 200 Commoners aus 30 Ländern zusammengeholt, und schon am ersten Abend war spürbar: Das fühlt sich nicht mehr wie der Beginn einer Bewegung an, sondern das ist eine Bewegung. Silke Helfrich formulierte in ihrer Auftaktrede die zentralen Thesen, die sich in dieser Bewegung in den letzten Jahre verdichtet haben, und die sie gemeinsam mit ihrem Kollegen aus der Commons Strategies Group, David Bollier, ausformulierte.
Wie auch in ihrem Artikel in Oya 20 begann sie mit dem zentralen Gedanken: Bei den Commons geht es nicht in erster Linie um Güter – auch wenn der oft als Übersetzung herangezogene Begriff „Gemeingüter“ dies impliziert –, sondern um Prozesse und Beziehungen. Wasser ist Wasser, aber wenn wir es als Gemeingut begreifen, nehmen wir dazu eine nicht-destruktive Beziehung auf. Das ist ein wichtiger Schritt aus der Fixierung auf Objekte hin zu einem prozesshaften, fluiden Denken.
Ist dieser Schritt einmal gemacht, wird erkennbar, dass es gar keinen kategorischen Unterschied zwischen einer Wissensallmende und einer Landallmende gibt, denn um beides herum gestaltet sich ein Commoning-Prozess, der auf Wissen basiert und der materielle Grundlagen braucht. Immer steht der soziale Prozess im Mittelpunkt, und für den gibt es keine starren Regeln, sondern Prinzipien wie Selbstorganisation, Konsensorientierung, Vielfalt, Versuch und Irrtum, Vertrauen oder das freiwillige, verantwortungsvolle Beitragen, ohne eine direkte Gegengabe zu erwarten.


Silke Helfrichs Plädoyer für ein lebensförderndes, wirtschaftliches Paradigma stand unter dem Motto: »Commons Creating Peer Production«. In ihrem Oya-20-Artikel hatte sie dieses Konzept bereits vorgestellt und mit der permanenten »Schöpfung von Commons durch Gleichgesinnte« übersetzt. Der springende Punkt: Normalerweise denkt man bei wirtschaftlicher Produktion an Handelswaren. Aber es könnten eben auch gemeinschaftlich nutzbare, teilbare oder gemeinschaftlich verbrauchte Dinge entstehen. Wenn die Solidarische Landwirtschaft sagt: Wir verkaufen keine Gemüsekisten, sondern hier teilen sich alle solidarischen Unterstützerinnen eines Hofs oder einer Gärtnerin die Ernte – dann bleibt diese Ernte ein Commons. Das ist ein entscheidender Unterschied, auch wenn es von der Sache her in beiden Fällen darum geht, wie eine Gemüstekiste von A nach B kommt.
War 2010 noch von der »Commons based Peer Production« die Rede, ist man heute einen Schritt weiter und hat verstanden, dass es nicht ausreicht, die Commons als Basis für Produktion zu begreifen. Vielmehr kann der Wirtschaftsprozess als Ganzes im Sinn des gemeinsamen Beitragens und Teilens neu gedacht werden.

Andreas Weber erfand in seinem inspirierenden Vortrag am nächsten Tag »Life, Meaning and Spirituality in the Commons« gleich die »Commons Creating Peer Ecology«, um zu zeigen, dass es in der Natur ja genauso läuft: Alle sind für irgendjemand anderen Nahrung, es geht um Bedürfnisse und nicht um Märkte, alles organisiert sich selbst, die DNA ist Open Source, Gemeinschaften schützen sich und ihre Ressourcen, und im Kooperieren, Ausprobieren, Fehlermachen und es neu Versuchen, entwickelt sich eine kreative, lebendige Welt. Dabei wächst sie nicht quantitativ bis ins Unendliche – schon das führt die ursprüngliche Wachstumsökonomie ad absurdum. (Unbedingt lesen: Andreas Webers neue Broschüre »Enlivenment. Towards a fundemental shift in the concepts of nature, culture and politics«, soeben von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben.)

Ich weiß nicht, ob alle im Raum die Radikalität im Ansatz einer Commons Creating Peer Production verstanden haben. Widersprochen hat zumindest niemand, und in den nächsten Tagen wurde immer wieder wohlwollend darüber diskutiert. Ebenso radikal war der letzte Punkt in Silkes Vortrag: »Vergesst das Hochskalieren«. So gut wie immer wird ihr nach einem Vortrag über Commons die Frage nach der „Skalierbarkeit“ dieser Idee gestellt: Kann denn das, was im Kleinen oder in gewissen Kreisen gut funktioniert, auf große Gesellschaften oder Unternehmen übertragen werden? Und weil sich das nicht in einem Satz beantworten lässt, folgt in der Regel kurz darauf das Totschlagargument: All das sei eben nur etwas für kleine, lokale Gemeinschaften oder allenfalls in der virtuellen Welt realisierbar. Inzwischen sagt Silke selbstbewusst: Die Frage nach der Skalierbarkeit ist aus einem hierarchischen Denken heraus gestellt und passt nicht zum Commons-Paradigma. Commoning breitet sich nicht dadurch aus, dass es „von oben“ eingeführt und als Innovation verkauft wird, mit der nun alles besser funktioniert, sondern es verbreitet sich horizontal in die Gesellschaft hinein – weil Menschen das Prinzip erkennen, die Idee überspringt und sie merken: Das ist ja etwas ganz Naheliegendes, Sinnvolles, und es macht Spaß! So war Silkes Vortrag ein Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein der Commoners, und das schien in der Tat seit 2010 stark gewachsen zu sein.

In den Diskussionen, sei es im Plenum, in einzelnen Workshops oder in der Kaffeepause der Konferenz, war für mich viel deutlicher als 2010 erkennbar, dass alle ein sehr konkretes Bild davon haben, worum es beim Gemeinschaffen geht  – ganz unabhängig davon, ob die Gesprächspartner aus Indien, Griechenland, Kanada oder Italien stammten. In einer Runde mit Brigitte Kratzwald über eine neue Sprache, die nicht mehr zwischen produktiver und fürsorgender Arbeit unterscheidet, fragte eine junge Studentin: »Ich habe gelernt, dass unangenehme Arbeiten nur dann getan werden, wenn sie gut bezahlt werden. Diese Sichtweise würde ich gerne überwinden - aber wie?«. Ah, offenbar eine Anfängerin in Sachen Commoning, dachte sich der Kreis der fünf um sie herumstehenden Leute, und erzählte ihr in schillernden Farben von gegenteiligen Erfahrungen – von sozialer Anerkennung für das, was wir als »niedere« Arbeit begreifen, von Rotationssystemen und Freude am gemeinsamen Aufräumen und sich-um-die-Gemeinschaft-Kümmern. Diese fünf hatten sich nie zuvor gesehen, aber sie verwendeten die gleichen Bilder und Begriffe in ihren Erklärungen.

Entsprechend »fortgeschritten« waren auch die Vorträge. Besonders diejenigen von Joshua Varley, Ökonom an der University of Vermont, und von Ugo Mattei, Professor für Zivilrecht an der Universität Turin, sind mir in lebhafter Erinnerung geblieben.
Joshua Varley gab eine einleuchtende Analyse ab, warum Märkte nicht in der Lage sind, Ressourcen gerecht zu verteilen, anders eine Commons-Ökonomie, die sich an realer Verfügbarkeit und menschlichen Bedürfnissen, nicht an Kaufkraft, orientiert. Ugo Mattei konnte aus eigener Erfahrung berichten, wie es möglich ist, ein gewinnorientiertes Großunternehmen in ein Commons-schaffendes Werkzeug zu verwandeln: Aufgrund der italienischen Bürgerbewegung für Wasser als Gemeingut sollten die Wasserwerke von Neapel entsprechend umgewandelt werden – mit Ugo Mattei als neuem Chef. Es muss ein Kraftakt gewesen sein, die innere Logik des Unternehmens umzuwandeln und ist es noch, aber das Projekt scheint auf einem guten Weg. 
»Wenn du so etwas verwirklichen möchtest, brauchst du Macht«, erkläte Mattei. Man müsse sich Freiräume schaffen und sich gegen die neoliberalen Bestrebungen durchsetzen – auch wenn eigentlich Kooperation das Ideal sei. Das wirft ein Licht auf die Schwierigkeit, Schutzbereiche für Commons-Ökonomien im größeren Stil zu schaffen. Beide Vorträge sind wie auch die anderen spannenden Keynotes der Konferenz als Videos auf der Internetseite der Böll-Stiftung verfügbar.

Am Nachmittag des ersten Kongresstags fächerte sich das Programm erstmals zwei »Streams« auf: »Das Management natürlicher Commons« und »Arbeit und Fürsorge in einer Commons-Welt«. Ich entscheid mich für letzteren, denn das Thema liegt mir sehr am Herzen, und ich hatte gehört, dass sechs verschiedene Beitragende diesen Stream koordinieren würden. So ging ich davon aus, dass sich das Ganze in sechs Gruppen aufteilen würde, die in kleinen Runden arbeiten und dann ihre Ergebnisse zusammentragen – aber statt dessen bekamen wir sechs aneinander anschließende Kurzvorträge. Dabei bewegten sich kleine Gruppen zwar von einem Vortrag zum anderen, aber es waren jeweils nur zwei Minuten für Diskussionen eingeplant. Dabei kann nicht viel Spannendes entstehen. Die Böll-Stiftung macht so großartige Veranstaltungen – warum findet sich nicht zu freieren, produktiveren Kommunikationsformen? Das täte der Professionalität doch keinen Abbruch.
Mein Frust über diesen Stream wurde etwas aufgefangen durch einen wunderbaren Satz, den ich von Friederike Habermann, eine der sechs Vortragenden, bekam: »Ein Kind ins Bett zu bringen und ein Bett zu bauen – ist nicht bei Licht betrachtet beides eine fürsorgende Arbeit?«
Normalerweise sind das getrennte Kategorien: Das ins-Bett-Bringen des Kindes passiert innerhalb der Schenkökonomie der Familie (und wird als »reproduktive Arbeit« bezeichet – welch scheußlicher Begriff), das Bauen des Bettes nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten in einem Unternehmen. Aber muss das so sein?

Oya-Herausgeber Johannes Heimrath erzählte am Abend im Rahmen seines »Mitmachkonzerts« unter dem Motto »Rhythm is a Commons« die Geschichte des irischen Fiddlers, der nach einem langen Wandertag bei einem Bauern um eine Herberge anfragt. Ich hab kein Bett, sagt der Bauer. Aber, warte mal, du hast ja eine Fiddle. Spiel mir ein Lied, und derweil bau ich eines. So enstand die berühmte Melodie: »The four posts of the bed«, die in Donegal natürlich ein Commons ist.
Als Musiker war Johannes Heimrath wie bei der Konferenz 2010 eingeladen, ein musikalisches Commoning zu fokussieren. Diesmal kam es nur mit den Instrumenten »Körper« und »Stimme« aus. »Klopft euren Herzschlag in eurem ganz eigenen Rhythmus«, war seine erste Aufforderung, und es war beeindruckend, zu erleben, wie sich nach kurzer Zeit ein gemeinsamer Rhythmus auszubreiten begann – da ist dieser unwillkürliche Impuls, sich zu synchronisieren. Wie gefährlich er ist, zeigte gemeinsames Marschieren im Zweiertakt: Der Versuch musste abgebrochen werden, die Asssoziation an ein marschierendes Heer war extrem unheimlich. Wie wunderbar er ist, zeigte ein Rhythmus im Dreiertakt, den zwei Gruppen gemeinsam zum Klingen brachten: Sie wurden unwillkürlich gemeinsam schneller und gingen in einen tänzerischen Puls über.

David Bollier, einer der Moderatoren aus der Commons Strategies Group, griff die Erfahrung des gemeinsamen Herzschlags in der Einführung zum zweiten Konferenztag auf. Dabei dachte ich erfreut, um wieviel einfacher es inzwischen fällt, über die elementare Basis des »Gemeinschaffens« zu sprechen. Früher erinnere ich vor allem von Vertretern der digitalen Commons betonte Coolness und die Aussage, dass so etwas wie Peer Produktion einfach eine gemeinschaftliche Maximierung von Nützlichkeit sei und man nicht zuviel Menschelei hineininterpretieren sollte. Selbstverständlich gibt es sehr pragmatisches, cooles Commoning genauso wie sehr vertrautes – aber, so glaube ich nach dieser Konferenz behaupten zu dürfen – es gibt da immer eine Herznote. Ohne sie macht es keinen Spaß, entsteht keine Dynamik. Deshalb ist Commoning so ansteckend.

Ein neuer Themenbereich, der durch wechselseitige Ansteckung in die Commons-Konferenz hineingewachsen war, wurde am zweiten Konferenztag in einem eigenen Stream diskutiert: komplementäre Währungen. Dessen Koordinator Ludwig Schuster und der Referent Jem Bendell, Professor für nachhaltige Unternehmensentwicklung an der Unversität Cumbria, erzählten, wie ihnen erst im Vorfeld der Konferenz langsam dämmerte, wie Ökonomie in einer Commons-Logik gedacht wird. Sie plädierten dafür, nicht die privatwirtschaftlichen Banken das Geld kreieren, sondern aus der Bürgerschaft eigene Währungen entstehen zu lassen, die auf eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft und nicht auf den Finanzmarkt zielen. Als Schwierigkeit bei der Annäherung der Welt der Komplementärwährungen und der Commons zeigte sich der Umstand, dass Geld ein Ersatz für Vertrauen ist, Vertrauen jedoch im Zentrum eines Commons-Prozesses steht. Da beißt sich also etwas – und doch ist das Geld nicht so einfach loszuwerden. Es lohnt sich also, über ein kluges Ineinandergreifen von Prozessen, die sich der Geldsphäre entzogen haben, und alternative Währungen einer Postwachstums-Ökonomie nachzudenken. Für mich war der wichtigste Impuls von Jem Bendell ein Marketing-Hinweis. Er sagte in seinem unterhaltsamen Vortrag mit einem Augenzwinkern, er wisse ja, dass es die Commons-Leute mit dem Vermarkten nicht so hätten, aber sie müssten trotzdem an ihr Marketing denken: Warum nennen sie sich Commoners  (was man auf Englisch auch als „die Gewöhnlichen“ übersetzen könnte) und nicht »Commoneers«? Das hätte den positiven Klang von »Pioneers« – und in diesem Sinn verstehen sie sich doch.

Ich selbst hatte am Freitag der Konferenz kein Durchhaltevermögen mehr, um einen »Stream« zu besuchen, sondern schloss mich einer selbstorganisierten Runde an, die mit spielerischen Kommunikationsformen experimentieren wollte und deren Initiatorinnen aus der Tradition des Art of Hosting kamen. Ich wollte Menschen kennenlernen und ihre Geschichten hören – über Nebenbei-Gespräche in der Kaffeepause und vereinzelte Diskussionsbeiträge nach Vorträgen hinaus. Wie Räume entstehen, in denen sich Menschen gegenseitig zuhören und gemeinsam Gedanken entwickeln können, ist die Frage des Art of Hosting. Auch das ist  eine Kunst, die ebenso wie die Kunst des Vortrags kultiviert werden kann. Nach kurzer Zeit  in dieser Runde waren die Beteiligten nicht nur innerlich genährt und verbunden, sondern brachten wichtige Gedanken zu Papier, und zwar zur Frage, wie es gelingen kann, anderen etwas zu erklären, was ihnen scheinbar fremd ist – eine Herausforderung, vor der Commoners immer wieder stehen. Auch aus spielerischen Formen können also handfeste »Ergebnisse« entstehen«. Sogar die Idee für eine kleine Übung, die wir später in der Schlussrunde mit dem gesamten Plenum verwirklicht haben, entstand. Alle waren entschlossen, die Ebene spielerischer Kommunikation bewusst in zukünftige Commons-Kongressplanungen einzubringen.

Freitagnachmittag war es dann soweit, dass sich die Räume der Berliner Böll-Stiftung immer mehr in eine Kreativwerkstatt verwandelte. In zwei »Streams« über Währungen und Information wurde angeregt diskutiert. Eine Gruppe aus dem Stream zum Thema Infrastruktur, der am Vortag begonnen hatte, tagte nach wie vor und hatte es sich auf der großen Treppe um eine Flipchart herum häuslich eingerichtet. Unweit davon unterhielten sich Neal Gorenflo, der die spannende Online-Zeitschrift Sharable macht, und Michael Bauwens von der Peer-to-Peer-Foundation über Finanzierungsmöglichkeiten für Commons-Forschung und -Festivals. Daneben ließ ich mir von dem Australier Chris Watkins das Wiki für nachhaltige Technik www.appropedia.org erklären.
Jetzt könnte die Konferenz eigentlich anfangen, dachte ich. Nach diesem Einschwingen ließe sich in kleinen Runden an all den angesprochenen Themen wirklich produktiv weiterarbeiten. Es ist wirklich an der Zeit, dass Silke Helfrich ihren lang gehegten Plan verwirklicht, einen großen, öffentlichen Commons-Bewegungskongress zu organisieren. In dieser Bewegung ist so viel, was sich miteinander verknüpfen und erarbeiten ließe, wenn es entsprechend Zeit und Raum und Erfahrungsfelder gäbe. Ganz in diesem Sinn war auch in der Abschlussrunde eine häufige Antwort auf die Frage, was die einzelnen tun wollten, um nach der Konferenz die Commons stark zu machen: »Ich möchte ein Commons-Festival organisieren«. Selbstverständlich ist es wichtig, dass auch die Forschung und Publikation weitergeht, und dass hier die Böll-Stiftung weiter am Ball bleiben wird, bestätigten Barbara Unmüßig und Heike Löschmann in ihren Schlussworten.
Eine andere Abschluss-Frage zielte auf den wichtigsten Aha-Moment der Konferenz. Saki Bailey, die bei Ugo Mattei studiert und den Stream zu den natürlichen Commons koordinierte, hat darauf eine der schönsten Antworten gegeben: »Dieser Moment war heute Vormittag in unserer Arbeitsgruppe zum Thema Wasser. Alle haben sich so aufmerksam gegenseitig zugehört und ihre Ideen miteinander geteilt, und da dachte ich: Dieses aktive Zuhören, das ist die Qualität des Commoning.«
Da war sie wieder, die »Herznote«, die immer wieder durch die vielen spannenden sachlichen Diskussionen der Konferenz durchklang – sie ist das Wesentliche, und sie wird die Commons-Bewegung weitertragen.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 09.06.2013


Kommentar schreiben




Bitte helfen Sie uns zu verhindern, dass die Kommentarfunktion von Spam-Software missbraucht wird und lösen folgende kleine Rechenaufgabe:


sechs plus drei =