Beitrag vom 13.03.2013

Ein Volk hilft sich selbst – Griechenland besinnt sich auf Naturalwirtschaft und Selbstorganisation

In den letzten Tagen erreichten mich Nachrichten aus dem krisengeschüttelten Griechenland, auf die ich gewissermaßen bereits gewartet hatte. Ist nicht anzunehmen, dass in einem Land, wo man sich die bisherigen Versorgungssysteme in vielen Fällen offenbar nicht mehr leisten kann, die Selbstversorgung (im Sinne von »Subsistenzarbeit«, nicht von »Selbstbedienungsmentalität«!) und allgemeine Selbstorganisation zu ganz neuer Blüte kommen?

So berichtete »der Freitag« Ende Februar, wie auf vielen Ägäis-Inseln mit großem Erfolg die Krise abgewehrt wird, indem die Menschen konsequent zur Naturalienwirtschaft zurückkehren. 
Und in der »Süddeutschen Zeitung« vom vergangenen Wochenende fand sich ein ganzseitiger Bericht über die von einem Deutsch-Griechen in seiner Heimatstadt Katerini am Fuß des Olymp bereits vor Beginn der Krise begründete Initiative »O topos mou« (»Mein Ort«). Das Projekt, mit dem die Leute ihre Belange, wie z.B. den direkten Bezug von Lebensmitteln vom Erzeuger, selber in die Hand nehmen, mache heute Schule im ganzen Land. Zu dem SZ-Artikel »Revolte gegen das Nichtstun« gibt es sogar begleitend eine große Videoreportage.

Nachtrag: 
Der folgende Bericht von einer Reise ins »andere«, ländliche Griechenland ist sogar noch informativer als die oben empfohlenen Artikel. Unter anderem erfährt man hier, warum die Verbindung zwischen Stadt und Land im europäischen Vergleich in Griechenland noch stark ist – und warum sich funktionierende rurale Strukturen (Dorffeste!) in den heutigen Krisenzeiten relativ einfach reaktivieren lassen.

 

geschrieben von Jochen Schilk
am 13.03.2013

2 Kommentare

von Jan Herrmannsen am 13.03.2013

«Ich habe da ganz ähnliche Ahnungen, Jochen! Als ich Ende letzten Jahres, am vielbesprochenen letzten Tag des Maya-Kalenders, neugierig die Nachrichten verfolgte, um einen Hinweis zu bekommen, wo es in der "neuen Zeit" langgehen soll, blieben bei mir am meisten die Bilder der aufbegehrenden Bürger im "untergehenden" Griechenland hängen. Dort, wo der Zusammenbruch schon stattgefunden hat, zeigen sich m.E.n. erste Blüten einer Neuausrichtung. Noch sitzt Deutschland auf einem hohen Ross und versucht seine europäischen Schäfchen im Zaum zu halten - dabei täten wir wohl besser dran, Griechenland als "Vorreiter" zu erkennen, denn auch uns droht dieses Schicksal wenn der Finanzkapitalismus selbst die reichsten Länder an die Wand fahren lässt. In einer ähnlichen Vorreiter-Rolle sehe ich übrigens auch das ehemalige Ost-Deutschland, wo nach einer Phase des Brachliegens erste kleine "Samen" sprießen und vielleicht tatsächlich zu blühenden Landschaften führen - ganz anders als Helmut Kohl sich das damals vorstellen konnte! Zu diesen "Sprösslingen" zähle ich da natürlich auch das oha-Team... Weiter so!»

von Axel Schwekendiek am 12.04.2013

«Solche Selbstversorger-Initiativen wie z.B. jetzt in Griechenland schießen derzeit in der ganzen westlichen Welt wie Pilze aus dem Boden (über den Osten kann ich leider nicht viel sagen). Viele Leute können die alten Lebensformen einfach nicht mehr ertragen (entweder finanziell oder mental) und suchen nun nach neuen Former ihr Leben zu organisieren. Ich denke, ganz wie Jan erleutert hat, daß all diese Krisen ganz enorm zu diesen wichtigen Veränderungen beitragen. Für viele ist es schwer, sich vom "System" zu lösen, welches Ihnen immer noch eine gewisse Sicherheit vorgaukelt. Und natürlich sind Neuanfänge auch schwierig, da man ja in der Tat etwas ganz Neues aufbauen muss (wobei man sicher an alte Lebensformen anlehnen kann). Wir leben gerade in sehr interessanten Zeiten und Ich finde es überaus spannend zu sehen, was die Leute alles anstellen, um eine Veränderung herbei zu führen. Manche im Kleinen, manche im Großen, und jeder so, wie er halt kann.»


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