Beitrag vom 15.07.2012

Ausflug in den Süden

Gerade hat die Oya-Redaktion ihre Süddeutschland-Tournee hinter sich. Auf unserem Redaktionsplenum am 10. Juli, zu dem wir nach Tempelhof in Hohenlohe eingeladen waren, haben wir intensiv an der Themenplanung für die nächsten Ausgaben gearbeitet. Demnächst werden sie online unter einem eigenen Menüpunkt auf dieser Seite veröffentlicht werden. Es war eindrucksvoll, das Gemeinschaftsprojekt Tempelhof kennenzulernen – unglaublich, was dort in nur eineinhalb Jahren seit dem Kauf des Geländes auf die Beine gestellt wurde, sei es der Ausbau von Wohnungen, Gästehaus, Kantine, Bibliothek, Bioladen, Kleiderkammer oder eine Landwirtschaft, die Tempelhof zu 50 Prozent selbst versorgen möchte.

Nach dem Redaktionstreffen haben wir einen Tag im Gemeinschaftsgarten »o’pflanzt is« in München verbracht und dazu alle Oya-Abonnenten aus München und Umgebung eingeladen. Erst drohten heftige Regengüsse uns schnell wieder aus dem Garten zu vertreiben, aber zum Glück klarte es auf, und die bleichen Nordlichter im Oya-Team haben sich an diesem Tag sogar einen kräftigen Sonnenbrand geholt. Von Vanessa und Caroline, zwei Initiatorinnen des Gartens, hörten wir erstaunliche Geschichen: Wie das Land Bayern bereit war, diese Fläche günstig an das Projekt zu vermieten, wie nur aus Recycling-Materialien diesen Frühling jede Menge Hochbeete und Treibhäuser entstanden waren, wie es erst kein Wasser auf dem Gelände gab und in der Anfangsphase Leute aus der ganzen Umgebung plötzlich mit Gießkannen auf dem Platz standen, wie sich Jugendliche im Garten innerhalb von Stunden von gelangweilten Sprücheklopfern in begeisterte Hochbeet-Bauer verwandeln ... Im Garten wird nichts verkauft, sondern alle dürfen ernten. Eine kleine Kerngruppe kümmert sich um alles bzw. alle machen das, was sie am besten können. Ein großer Fanclub des Gartens, der sich auch übers Internet zusammengefunden hat, unterstützt des Projekt.

Wir haben uns sofort wie zu Hause gefühlt. Alle echten Allmende-Orte haben etwas, das überall auf der Welt geich ist: Du bist willkommen, bist kein Gast, sondern sofort Teil des Ganzen. Im gefilmten Oya-Gespräch für die Ausgabe 16 am nächsten Tag, an dem neben Christa Müller von der anstiftung und Ulrike Bührlen von den urbanauten auch Caroline teilnahm, war Johannes Heimrath der Begriff »aneignen« aufgefallen – sich den öffentlichen Raum aneignen. In der Logik der Allmende gedacht, müsste es eigentlich »zueignen« heißen, denn es geht nicht darum, etwas in Besitz zu nehmen, sondern etwas in den Ort hineinzugeben. Wie sich die Oya-Leserinnen und Leser – über den Tag verteilt gut 50 Menschen – den Garten angeieignet oder sich ihm zugeeignet haben, hat dem Team von o’pflanzt is jedenfalls bestens gefallen. »Das ist Arkadien: Die Sonne scheint, überall im Garten sprechen Menschen über schöne und wichtige Dinge …«, freute sich Caroline über den Tag. Es braucht gar nicht viel, um einen Ort in ein kleines Paradies zu verwandeln. Bestimmt werden wir nächstes Jahr zu weiteren Oya-Tagen in Stadtgärten einladen.

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 15.07.2012

1 Kommentar

von o'pflanzt is - Team am 17.07.2012

«Wenn Euer wunderbarer Besuch bei uns die Idee geboren hat, auch weitere Oya-Tage in Stadtgärten abzuhalten, ist das ein riesen "Yippieh" wert - denn das brauchen wir, um wirklich Wirkung zu erzielen: praktizierte Synergien und emergente Netzwerke. Wir freuen uns!»


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