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Träume signalisieren Veränderung

Das Studium nach den Vorstellungen der Eltern war schon fortgeschritten. Da machte Anita Balser einen Traum zum Beruf und wurde Hundetrainerin.

von Anita Balser , erschienen in 02/2010

Bei Anita Balser kündigen sich Wendungen des Lebens im Schlaf an. Im Traum sieht sie sich einmal auf einem Übungsplatz für Hunde stehen, umringt von Menschen und ihren Vierbeinern. Morgens wacht die damals 22-Jährige auf und weiß: »Das wird passieren.«

Der Gewissheit folgt das heulende Elend. Die Eltern haben ganz andere Vorstellungen vom Leben ihrer einzigen Tochter. Ihr Studium – Politik und Geschichte – befriedigt Anita zwar schon lange nicht mehr. Aber ihren lukrativen Job als selbständige Self-Made-Grafikerin würde sie zugunsten einer Hundeschule doch nicht wirklich aufgeben? Genau in dieser Phase verzockt Anitas wichtigster Kunde ihren größten Auftrag bei einer Golfplatz-Wette.

Im Spiel mit dem Geschäftsführer einer professionellen Werbeagentur geht es in einer Männerlaune um die zukünftige Vergabe der Gestaltung des Infoblatts, für die bisher Anita zuständig war. Der Werbechef gewinnt, und Anitas Hauptauftrag fällt von einer Minute zur anderen weg.

Plötzlich ist sie frei. »Nach einem kurzen, aber intensiven Schockmoment war ich unendlich dankbar«, erinnert sie sich. Entschlossen ergreift sie die Gelegenheit. Dank eines relativ gut gefüllten Sparbuchs kann sie mit einem sehr populären Hundetrainer durch die Welt ziehen. Seine Seminare bringen sie genau an den Platz, wo sie im Traum gestanden hatte. Aber sie will noch weitergehen, gründet mutig ihre eigene Hundeschule in Hessen. Der Name ist Programm: »­HundeTeamSchule (HTS)«. Das ist bald fünfzehn Jahre her. Inzwischen gilt sie als Expertin für vermeintlich hoffnungslose Fälle. Als Jugendliche hatte sie beim Ausbilden von Deutschen Schäferhunden den Kasernenhofton und die entsprechenden Methoden hautnah kennengelernt und praktiziert. Statt Technik und Konditionierung will sie heute vermitteln, wie man erspüren kann, was Mensch-Hunde-Teams wirklich brauchen. Wo steckt die gemeinsame Aufgabe? Warum bekommt jemand genau diesen Hund, der ihn vor ­genau diese Herausforderung stellt? Die vermeintliche Hundearbeit wurde für Anita immer mehr zur Arbeit am Menschen. Sie ist Begleitung auf dem Weg zu Authentizität, ermöglicht Vertrauen in die eigene Stärke. Die Erlaubnis, auf die Intuition zu hören – sie endlich wieder zu hören – wirkt oft befreiend. Zunächst war das eine eher schleichende Veränderung des Beruflichen.

Den freien Willen in gute Hände legen

»Jetzt ist ein neuer Ruf gekommen. Hunde waren mein Hilfsmittel, die spirituellen Verspannungen der Menschen zu sehen, zu entschlüsseln und auf den Weg der Heilung zu bringen.« Den Kern ihres Berufs kann die 36-Jährige heute klar formulieren. Aber zunächst musste sie ihre eigenen inneren Blockaden für die Erweiterung ihrer Arbeit erkennen und lösen. Da war vor allem ihr alter Glaubenssatz: Lehre nur, ­worin du hundertprozentig sicher bist. »Ich musste begreifen, dass es nichts zu lernen, nichts zu tun gibt, sondern dass es um das Sein geht.« Jede neue Begegnung mit einem Mensch-Hund-Team ist ein gemeinsamer Weg ins Neuland, vielleicht ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer neuen Beziehung zwischen Mensch und Natur. Anita hat erkannt: »Dass ich mich darauf einlasse, ist keine Frage von Wollen, es geht nicht mehr darum, ob und was ich will. Ich muss es tun. Meinen ›freien Willen‹ habe ich sozusagen in gute Hände zu legen.« Diese tiefe Erfahrung wirkt sich konkret in ihrem Alltag aus. Anita lebt mit ihrem Partner und sechs Hunden im Taunus. Michael Stephan hält ihr den Hundeschulrücken frei und hat längst auch Hundekurse und Einzelunterricht übernommen, gemeinsam mit einem wachsenden Team an Hundetrainern. Der Freiraum für Anita führt jedoch nicht etwa zu einem In-den-Tag-leben ohne Terminzwang und Verpflichtung. Ganz im Gegenteil. »Nie war ich disziplinierter als jetzt«, sagt sie. Aber zugleich gilt für sie: »Es gibt nichts Wichtigeres, als bei sich zu sein.«

Diese Balance zieht viele Menschen an. Ihre Klienten kommen, weil ihr Hund sie an Grenzen bringt – und lassen sich zu ihren eigenen Begrenzungen führen. »Blindfleckbeleuchtung« nennt Anita das humorvoll. Es berührt sie, dass Menschen dankbar sind, wenn plötzlich ein Licht angeht. »Sie sind bereit, ihre blinden Flecken anzuschauen – und das vermeintliche Pro­blem mit dem Hund regelt sich dann nebenbei mit.« Wahrscheinlich fühlen viele dabei genau das, was Anita für sich erfahren hat. »Ich lebe jetzt«, sagt sie auf die Frage nach der Veränderung. Sie fühlt sich wach, präsent, richtig.

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