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Funktioniert Stadt?

Auf die Frage nach der Stadt der Zukunft werden als ­Antwort oft futuristische Technikvisonen an die Wand gemalt – die nicht zu einem endlichen ­Planeten passen. Wird die Stadt der Zukunft stattdessen eine genügsame Gartenstadt sein?

von Jochen Schilk , erschienen in 16/2012

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Die Stadt ist eine ziemlich neue Erscheinung. Mehrere 100 000 Jahre lebten die Menschen als nomadische Jäger-und-Sammlerinnen-Gemeinschaften. Erst mit der Erfindung der Landwirtschaft vor etwa 10 000 Jahren kam die Sesshaftigkeit auf. Die ersten größeren Siedlungen waren lange Zeit Ackerbauernstädte und versorgten sich selbst. Die frühe anatolische Stadt Çatalhöyük erlebte zwischen 6000 und 5000 v.  Chr. eine friedliche Blütezeit; bis zu 10 000 Einwohner wohnten in dieser eng bebauten, organischen Ansiedlung, die kein zentrales Heiligtum, kein Herrscherhaus und keine Verteidigungsanlagen aufwies. Die zahlreichen aussagekräftigen Funde aus der ­wohldokumentierten archäologischen Grabungsstätte geben Hinweise darauf, dass die Einwohnerschaft von Çatalhöyük sich höchstwahrscheinlich nach matriarchalen Prinzipien egalitär, das heißt herrschaftsfrei, organisierte. Als dann vor etwa 6000 Jahren – vermutlich in Folge eines raschen, großräumigen Klimawandels – hierarchische Sozial­formen, Ressourcenanhäufung und der Kampf um diese Dinge aufkamen, wandelten sich die weltweit noch sehr wenigen Städte zu befestigten Herrschersitzen, die von dem zum jeweiligen Herrschaftsterritorium gehörigen ländlichen Umkreis mit Lebensmitteln, Bau- und Energiestoffen, Arbeitskraft und (später) Geld versorgt werden wollten. Mit dem Aufkommen des Welthandels und des transkontinentalen Kolonialismus wurde dieser Anspruch auch auf weit entfernt liegende Gegenden ausgedehnt.
Während die Städte Europas lange Zeit relativ klein blieben, gab es in den Hochkulturen anderer Kontinente zum Teil bereits sehr viel früher Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern; man denke etwa an das kambodschanische Angkor Wat oder das mittelamerikanische Tikal. Diese Großstädte hatten ingenieursmäßig ausgeklügelte Versorgungssysteme und waren klug in die Ökologie ihres Umlands eingewoben, was ihnen erlaubte, über viele Jahrhunderte zu blühen.
Auch wenn andere frühere – und zwar nicht nur städtische – Kulturen bereits vielerorts durch unsachgemäßen Ackerbau und gedankenlose Abholzung ihren Lebensraum verwüsteten, hat solche Misswirtschaft einige Jahrtausende lang nicht die Gesamt-Biosphäre des Planeten bedroht. Erst mit der Explosion der Weltbevölkerung seit Beginn der Neuzeit, seit der »Verbesserung« des technologischen Zerstörungspotenzials des Menschen in der industriellen Revolution und dem weltweiten Trend zu einem energieintensiven, urbanen Lebensstil gehen die natürlichen Systeme in die Knie. Wird also aus dem Siegeszug der Städte ein Todesmarsch der Menschheit?
Für den Architekturkritiker und Wissenschaftler Lewis Mumford (1895–1990) war die Stadt in sozialer Hinsicht bereits seit ihrer Ausprägung als Militärlager zu einer »sozialtechnologischen Maschine« geworden, die mittels Gewalt und Raub die Versorgung der dort versammelten Soldaten organisierte – eine Ausbeutungsfunktion, die sich im Kern bis heute gehalten hat. Wer es sehen möchte, kann leicht erkennen: Die heutige urbane Lebensweise beruht auf systemimmanenter offener und struktureller Gewalt, indem sie in ihrer Logik der Fremdversorgung und des exponentiellen Wachstums weit mehr Ressourcen verschlingt, als sie zurückgibt. Und seit Beginn der »großen Ölparty« (Automobilisierung, Kunststoffe und­ -dünger etc.) hat sich dieser urbane Lebenstil nach dem Zweiten Weltkrieg weitestgehend auch in den ländlichen Gebieten der Industrieländer westlicher Prägung etabliert. Als gültige Gegenmodelle zur modernen Stadt können heute, bei Licht betrachtet, lediglich noch die Dörfer des Südens gelten. Der dörflich-urbane Lebensstil im Einfamilienhaus ist hierzulande nicht selten noch ressourcenaufwendiger als das Leben in den Großstädten mit ihren kurzen Wegen und ihrer dichten Bebauung.

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse …
… aber nicht für jedermanns Gier! So lautet ein bekanntes Wort aus ­Gandhis Mund. Vieles deutet darauf hin, dass eben das, woran wir uns alle gewöhnt haben, auf die Dauer schlicht nicht aufrechtzuerhalten ist. Die ökologischen und sozialen Kosten für unsere urbanisierte Kultur sind zu hoch. Wir Erdenbürger verbrauchen derzeit in einem Jahr die erneuerbaren Ressourcen von anderthalb Erden, bereits 2050 werden es drei Erden sein. Wie lange kann das gutgehen? Schaffen wir es damit überhaupt bis 2050? Es geht uns ja nicht nur demnächst das Öl aus. Auch auf die verbliebenen Bestände von Phosphor (Kunstdünger), Ackerland, Metalle (seltene Erden), Holz, Kohle, Uran und nicht zuletzt Wasser hat längst ein großer Ansturm begonnen. Für die nachhaltige Versorgung eines Menschen braucht es etwa 1,8 Hektar Land, und auf der Erde gibt es heute 7 Milliarden Menschen. Wissenschaftlichen Berechnungen zufolge wäre es lediglich eine logistische Herausforderung, sogar eine noch größere Zahl von Menschen mit ausreichend Nahrung für ein würdevolles Leben zu versorgen. Allerdings wäre dies ein deutlich einfacheres Leben als dasjenige der urbanisierten Welt.
Millionen Menschen mussten bereits notgedrungen in Städte ziehen, weil eine Variante des Landgrabbings sie ihrer Lebensgrundlage beraubte oder sie als Kleinbauern aufgrund von Dürren oder wirtschaftlichem Druck im industriellen Agrargeschäft ihre Familien nicht mehr ernähren können. Andere gehen freiwillig: Das Glitzerbild vom Traum eines hippen Konsumentenlebens in der Stadt lässt gerade in Ländern mit »aufstrebender Wirtschaftsentwicklung« wie zum Beispiel China eine ländliche Lebensweise als rückständig erscheinen. Wer sich der Völkerwanderung in die Metropolen anschließt, landet aber oft nur im Slum – und damit in noch ärmeren Verhältnissen als zuvor. Ein Zurück aufs Land ist dann vielerorts nicht mehr möglich, weil dieses Land geraubt, verkauft, vergiftet, verwüstet, geflutet ist und auch, weil sich ein funktionierendes Dorfleben, eine ländliche Kultur, nicht einfach so installieren oder wiederherstellen lässt.

Peak everything
Gemäß Prognosen der UNO werden 2030 – also in 18 Jahren – über 60 Prozent der Bevölkerung in Städten wohnen – das sind dann 4,3 Milliarden Menschen. Zwar bringt dieser Trend wegen der Knappheit des Wohnraums, einer allgemein höheren Bildung der Frauen in Städten sowie aufgrund der gänzlich anderen urbanen Arbeitswelt eine gewisse Verlangsamung des Bevölkerungswachstums mit sich. Doch ändert das wenig am Fakt des exorbitanten Ressourcenverbrauchs. Wer glaubt denn angesichts der eineinhalbfachen jährlichen Übernutzung des Planeten und sich abzeichnender Klimawandel-Verwerfungen, dass Städte eine reelle Chance haben, ihren derzeitigen Standard auch in 30 Jahren noch aufrechtzuerhalten – oder gar noch zu steigern? Wer glaubt wirklich daran, dass für all die derzeit knapp werdenden Ressourcen plötzlich wundersame Ersatzstoffe gefunden werden, dass die Wissenschaft – deren Machbarkeitsfantasien wir einen guten Teil der Bredouille zu verdanken haben – uns mit noch ausgeklügelterer Technik oder die Ökonomie uns mit einer grün angestrichenen Variante des Alten aus dieser Schieflage heraushelfen wird?
Hinzu kommt: Unsere Städte sind hochgradig kollapsanfällig. Fällt der Strom aus, ist eine Stadt wie Berlin – das hat eine Untersuchung ergeben – binnen weniger Tage nicht mehr regierbar und kaum mehr lebensfähig (www.tanknotstrom.de). Großsiedlungen werden zu tödlichen Fallen, wenn aufgrund von Naturkatastrophen (die USA leidet seit Monaten an einer verheerenden Dürre), politisch-militärischen Krisen, Verwerfungen in der globalisierten Wirtschaft, sozialen Unruhen, Finanzkrisen, Epidemien, Energieverknappung etc. auch nur ein oder zwei Versorgungssysteme wie Lebensmittel, Strom, Wasser, Abwasser, Gas/Öl/Benzin oder Informationsmedien zusammenbrechen. Die meisten Städte sind heute von einer auf Wachstum programmierten Wirtschaft abhängig. Stagniert oder schrumpft diese, droht bereits mittelfristig der Zusammenbruch. Allein diese Punkte sollten für Städte eigentlich Anlass genug sein, alle notwendigen Schritte in Richtung Stärkung der Resilienz zu unternehmen, also hin zur Autarkie in Bezug auf die grundlegenden Lebensressourcen.

Du hast keine Chance, also nutze sie!
»Wovon wollen wir in wenigen Jahrzehnten eigentlich leben?« Diese zentrale Zukunftsfrage verlangt vor allem, Städte neu zu denken. Niko Paech, Vertreter einer konsequenten Postwachstums­ökonomie, zeigt sich zuversichtlich, dass im »sozialen Nahraum« der Stadt noch große Potenziale für urbane Selbstversorgungs-Lebensstile (Subsistenz) liegen. In Verbindung mit einer lebensfreudigen Beschränkung auf das Wesentliche (Suffizienz) könnte das einen Weg aus der fatalen Abhängigkeit der Städte weisen. Menschen zeigen immer wieder eine unglaubliche Kreativität, gerade in Notzeiten. Wäre es nicht schön, wenn diese Veranlagung bald in kollektiver Anstrengung auf die Gestaltung lebensfähiger, enkeltauglicher Städte konzentriert würde?
Das Beispiel ist noch nicht regenerativ, aber immerhin versucht man nun unter der Überschrift des »Urban mining«, die in Ruinen und Müllhalden vergangener Verschwendungsjahrzehnte steckenden Wertstoffe zu bergen. »Urban farming«, städtische Landwirtschaft, hat Hochkonjunktur, ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vielleicht kann die notwendige Umgestaltung mit einer täglichen Gedankenübung während der S-Bahnfahrt beginnen: Was für ein Stadtraum, welche Möglichkeiten entstehen, wenn man sich alle Gebäude wegdenkt, die nur dem Wirtschaftswachstumswahnsinn dienen und dem Herstellen von Überflüssigem gewidmet sind? Was ist tatsächlich überflüssig, was erhaltenswert, was veränder-, was recycelbar? Wofür wird künftig unbedingt mehr Platz gebraucht?

Eine »rurbane« Zukunft
Werden aber die Milliarden urban geprägter Menschen in Stadt und Land freiwillig von ihren Konsumansprüchen ablassen? Reichen etwa die derzeit vorgeschlagenen Veränderungen des städtischen Lebensstils – bewussterer, »grüner« Konsum, eine auf »grünes Wachstum« setzende Wirtschaft, leicht verändertes Mobilitätsverhalten, spielerische Wiederentdeckung des Gärtnerns, Zuwächse beim Bürgerengagement, hochtechnologische Lösungen für die Notwendigkeit urbaner Landwirtschaft – aus, um die Welt vom Rand des Ökokollaps wegzubewegen? Müssten die Städte sich nicht noch viel radikaler wandeln, um enkeltauglich zu werden? Lässt sich eine moderne Großstadt mit ihrer starren Infrastruktur aus Beton, Stahl, Glas und Hochtechnologie tatsächlich in eine zukunftsfähige, den planetaren Naturgesetzen angepasste Siedlung für Hunderttausende oder gar Millionen umbauen? Ist so ein Umbau nicht wieder mit unvorstellbaren ökologischen Kosten verbunden? Es wäre eine spannende Forschungsarbeit, sich die Realisierung solch einer infrastrukturellen Unternehmung vorzustellen, ohne dass dabei Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien oder sonst etwas im Lebenskreislauf dieses Planeten ausgebeutet werden. Wie müsste eine Gesellschaft beschaffen sein, der diese Herausforderung gelingt? Städte fallen nicht vom Himmel, sondern sind letztlich umgeformtes Land. Lässt sich eine liebevoll-pflegende Haltung gegenüber dem Land als Selbstverständlichkeit in einer reifen, vernünftigen Kultur leben?
Wenn, aus ethischer Einsicht heraus, eine Kultur der Fremdversorgung künftig nicht mehr gewünscht oder schlichtweg nicht mehr möglich sein wird, und wenn sich auch aus anderen Gründen die Notwendigkeit eines radikal energieärmeren Lebensstils abzeichnet – wie müssen wir uns dann die Zukunft der Städte vorstellen? Ich wage zu behaupten: Die Stadt der Zukunft wird sehr ländlich sein, und sie dürfte kaum mehr an heutige Städte erinnern. Vielleicht werden noch einmal – nach dem Vorbild der Lebensreformbewegung der vorletzten Jahrhundertwende – Gartenstädte entworfen, »rurban«, rural und urban zugleich.
Auch für die urbanisierten ländlichen Gebiete industrialisierter Länder wird der Wandel alles andere als leicht, doch haben sie auf dem Weg zur Wieder-Selbstversorgung den Vorteil, nicht mit einer ganz so monströsen Infrastruktur kämpfen zu müssen wie Großstädte. Für die Subsistenz größerer Regionen werden sich wohl vor allem der weitgehende Verlust bäuerlicher Kultur sowie der Verlust fruchtbaren Bodens durch die jahrzehntelange agrarindustrielle Praxis als Schwierigkeit erweisen.

Städte wieder erden und verwurzeln
Für bedürfnisorientierte menschliche Gesellschaften der Zukunft dürfte es wieder wichtig werden, in eine lebendige, bewusste Beziehung zum jeweils bewohnten und genutzten Land zu treten – zur »mehr-als-menschlichen Welt«, wie der Philosoph ­David Abram die Natur bezeichnet. Die Illusion einer ausschließlich menschengemachten Welt, die sich von den Naturgegebenheiten unabhängig machen kann, ist die gefährliche Verführung der Stadt. Ein Bewusstsein für das Land, welches die Menschen ernährt, ist wohl der größte Unterschied zwischen der traditionell-land-basierten Lebensweise ruraler Gesellschaften und dem Selbstverständnis urban geprägter Menschen. Eine ökologisch-geistige und emotionale Verwurzelung der Stadt in ihrem Umland könnte in einer von Subsistenz geprägten Zukunftskultur durch das Erlebnis, tatsächlich von diesem Land zu leben, vielleicht selbst in der westlichen Welt wieder wachsen. Subsistenz bedeutet, wohlgemerkt, nicht das Ende von arbeitsteiligem Wirtschaften, wie es vielfach missverstanden wird, sondern ein kluges Haushalten und Wirtschaften in möglichst regionalen Kreisläufen.
Die Subsistenzkultur-Forscherin Veronika Bennholdt-Thomsen hält die Stadt wegen deren Abkehr von der Subsistenzorientierung zwar für einen »Webfehler unserer Zivilisation«, doch die Entwicklung urbaner Selbstversorgung stimmt sie zuversichtlich. Bereits anhand des momentanen Booms der städtischen Gemeinschaftsgärten lasse sich erkennen, dass aus derartigen Projekten neue Gemeinschaftlichkeit und eine Stärkung des Bewusstseins für Gemeingüter erwachse. »Wer sich der Eigenarbeit widmet und wieder vermehrt seine Hände benutzt, dem erschließt sich die Welt des Subsistenzdenkens wie von selbst«, so ihre Erfahrung. »Das Experimentieren mit urbanem Gärtnern, Stadtküchen oder offenen Werkstätten öffnet ein Fenster in der Erfahrung, im Bewusstsein des Nicht-getrennt-Seins von der Subsistenz. Und: Die Selbstversorgungspraxis hat ein neues Naturverständnis zur Folge. Gerade die Gartenarbeit verwurzelt dich tiefgreifend mit deinem Lebensort.« Für Veronika Bennholdt-Thomsen stellt die Subsistenzperspektive die Wurzel von echter Kultur dar. »Wenn diese Wurzeln entwickelt sind, kann der Baum wachsen«, ist sie sicher. Würden Städte nun ernsthaft beginnen, eine neue Form von gewaltfrei-subsistenter Kultur zu erfinden, erhielten wir als Menschheit sogar die unglaubliche Chance, an frühgeschichtliche Blütephasen wie die des neolithischen Çatalhöyük anzuknüpfen.

Es ist deine Stadt: Grab sie um!
Vieles spricht dafür, dass die Einübung genügsamer Lebensstile in Verbindung mit Projekten zur Stärkung unserer Subsistenz in die richtige Richtung weist. Zugleich müssen wir beobachten, dass die Gesamtgesellschaft das Ziel der Enkeltauglichkeit – wenn überhaupt – noch viel zu zaghaft anvisiert und im großen und ganzen nach wie vor im Vertrauen auf das Paradigma von Machbarkeit und Naturbeherrschung auf den Abgrund zusteuert. Werden Versuchsprojekte, wie wir sie in dieser Ausgabe von Oya zeigen, einen Gegentrend einläuten können? Anders als zentralistischere Staaten wie Frankreich verfügen Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum über vergleichsweise große politische Spielräume zur kommunalen Selbstbestimmung. Vielleicht sollten wir es uns vermehrt zur Aufgabe machen, den Verwaltungen zu helfen, indem wir ihnen notorisch unbequeme Fragen stellen, wie: »Wovon soll unsere Stadt in zwanzig Jahren leben?« Auch der Ansatz der Transition-Town-Bewegung umfasst ja die intensive Kooperation mit der Administration sowie bürgerschaftliches Engagement in Bezirks- und Stadträten. Dort, in den lokalen Verwaltungen, braucht es eine Revolution des Denkens, um die Herausforderungen der Zukunft überhaupt erst angehen zu können. Es sind kreative Leute gefragt, die darauf insistieren, dass die Stadt ernsthaft versucht, aus ihrem fatalen Ressourcenverbrauch herauszukommen. 





Wie kann es überhaupt mit uns weitergehen?
Johannes Heimrath: Die Post-Kollaps-Gesellschaft. Scorpio, 2012 • Zeitschrift »politische Ökologie« Nr. 124, März 2011: Post-Oil City – Die Stadt von morgen, oekom • zur Stadtkritik z.B.: Derrick Jensen: Endgame. Pendo, 2008 • zu ­Çatalhöyük: Horst Stowasser: Anarchie! Nautilus 2006