Oya braucht Mithilfe!

Alle Artikel der gedruckten Oya-Ausgaben sind auf dieser Website kostenlos zu lesen. Dahinter steckt viel Arbeit. Bitte helfen Sie mit, dass wir alle Texte weiterhin frei zur Verfügung stellen können:

• Nein, danke

• Ja, ich unterstütze Oya

Bitte wählen Sie hier den Betrag, mit dem Sie Oya unterstützen möchten:



Falls Sie kein PayPal-Konto haben, können Sie natürlich
auch direkt unsere Bankverbindung verwenden:

IBAN: DE96 4306 0967 1112 9897 00 • BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Oya-Online Beitrag

Wir brauchen alle Stimmen

Theresa Zimmermann, Studentin, und Johannes Heimrath, Oya-Herausgeber , bekamen bei ­einem Konzeptionsgespräch zu dieser Ausgabe von Oya Lust, sich in Form eines E-Mail-Duetts durch junge und alte Gedanken zu den aktuellen Fragestellungen treiben zu lassen.

von Johannes Heimrath , Theresa Zimmermann , erschienen in 14/2012

Bild

Draußen ist es grau und duster, und ich denke nach. Viele Menschen prophezeien, dass auch unsere Zukunft duster aussehen wird. Energie- und Rohstoffkrisen sind das eine, aber auch die Gesellschaft als Ganze wird leiden und immer ungerechter werden. Mir wurde mal gesagt, wir seien die erste Generation, der es »schlechter« ­gehen werde als ihrer Elterngeneration. Wenn ich das im Studium Gelernte reflektiere, fällt es nicht schwer, die Aussage für wahr zu halten. Ein schöner Ausblick ist das nicht – doch entmutigen lassen sollte man sich auch nicht. Was bleibt also?

Wir sind auch die erste Generation der Spezies Homo, in deren Händen allein es liegt, ob sie die letzte sein wird. Es lauern noch immer über 20 000 Atomsprengköpfe in den Bunkern der Nuklear­mächte, fast 5000 davon werden von Tausenden ganz normaler Menschen in ständiger Gefechtsbereitschaft gehalten. Die Verseuchung der Welt durch genetisch veränderte Organismen, Ackergifte und Nanopartikel, eine Klimaentwicklung, die sich fast im Wochenrhythmus als immer komplexer und unvorhersagbarer entpuppt – es muss etwas der gefühlten Ohnmacht des Einzelnen gegenüberstehen, das der ganzen krisenhaften Erscheinung Bedeutung und Sinn verleiht. Das Leben selbst beweist es in jedem Augen­blick: Es gibt keine aufsteigende Bewegung, die nicht zugleich eine absteigende als Komplementärin hat und umgekehrt. Der Zyklus ist Geheimnis und Prinzip allen Lebens. – Wie heißt nun der aufsteigende Kreisbogen der Weltentwicklung, der den Niedergang des Bisherigen aus der Würdelosigkeit des bloßen Verfalls herausholt und ihn als sinnvolle Voraussetzung für einen neuen Lebensentwurf annimmt?

Wie können wir diesen Kreislauf, das Auf und Ab, gemeinsam nutzbringend gestalten? Wie können wir scheinbar verheerende Situationen in solche wenden, die Positives generieren? Wer sich stark fühlt, auf sein Herz hört und tut, worauf er Lust hat, schafft oft enorm viel Gutes durch das pure Sein. Gleichzeitig birgt jedes Handeln unzählige Konsequenzen, die nie allesamt abzuschätzen sind. Die wirtschaftliche, politische, kulturelle, soziale und mediale Globalisierung übersteigt das menschliche Vorstellungsvermögen. Wer viel über die Lage der Welt nachdenkt und möglichst »richtig« agieren will, erstickt leicht in der Komplexität der Zusammenhänge. Wie ist es zu schaffen, die Gesellschaft und uns selbst vor einer Lethargie zu bewahren, die den Zukunftssorgen nur ausweichen will? Woher nehmen wir die Hoffnung, die Zuversicht, das Vertrauen, die eigene Handlungsbereitschaft?

Schwierige Frage. Die Antwort heißt vermutlich: Liebe. Ich versuche, mich zu erinnern, was ich in den Phasen fühle, in denen der dunklere Teil der Wirklichkeit meine Vision verschattet. Gibt es so etwas wie ein Trotzdem? Das würde einen Widerstand bedingen, gegen den ich anzurennen hätte. Ich habe mal, da ging ich in die dritte Klasse, ein Mädchen umgerannt, um meinen Schulkameraden zu beweisen, dass ich kein Weiberheld sei. Sie hatten mich damit aufgezogen, dass ich unmännlich, weil verliebt sei – und ich wollte nicht aus der Bubenclique fliegen. Noch während sie fiel, wurde mir zugleich mit der Schändlichkeit meiner Tat bewusst, wie tief ich mich selbst damit verletzte, indem ich ihr Schaden zufügte. Denn – ahnungslos, wie ich noch war – ich spürte plötzlich, dass die Kameraden recht gehabt hatten: Ein ungeheuer sehnsuchtsvolles Ziehen riss mir schier das Herz aus dem Leib, und ich weiß seitdem wie nichts anderes, dass ich nicht in einer Welt leben möchte, in der sanfte Menschen zu harten Monstern gepresst werden. Es kostete mich mehr als meinen ganzen Mut, mich ein paar herzzerklopfte Nächte später bei ihr zu entschuldigen. Ihre Antwort bleibt mir genauso unvergesslich: Sie hatte meine innere Zwangslage verstanden und lud mich ein, in Zukunft mit ihr den Schulweg zu teilen. Bestimmt haben wir dann in vielen Monaten auch Belangloses geredet, aber ich erinnere mich an präzise Bilder einer jungen, hellen, friedlichen Welt, die wir uns gegenseitig mit allen unseren Kräften zu schaffen versprachen. Das fühle ich heute noch, und das treibt mich bis heute an. Wir waren Kinder, acht Jahre alt. Ich wünschte mir damals, jemand wie der, der ich heute glaube zu sein, hätte sich so für unsere Weltvision eingesetzt, wie ich es heute tue.

Willst du damit sagen, es gab damals keine Visionäre, die sich für ihre Träume eingesetzt haben? Gab es diese nicht immer? Sie haben sich in anderen Zeiten nur auf andere Themen und Bedürfnisse konzentriert.
Ich bin in einem Idyll aufgewachsen und wurde auch früh mit Themen wie Nachhaltigkeit, bewusster Konsum, gemeinschaftliches Miteinander konfrontiert – Bereiche, die mir noch immer wichtig sind. Dennoch habe ich wahrscheinlich eine ganz ähnliche Frustration gefühlt wie du damals. Auf eine Art dachte ich, ich bin anders als die anderen, habe andere Bedürfnisse, mache mir andere Gedanken um die Welt als die Menschen um mich herum. Dann kamen das Internet, meine Auslandsaufenthalte und die neuen Medien, die es mir schon früh ermöglichten, mich mit der Welt zu vernetzen, Informationen aus nah und fern zu beziehen und von Menschen zu erfahren, die auch die von dir beschriebene junge, helle, friedliche Welt fühlen. Da war ich sicher in einer glücklicheren Situation als noch deine Generation. So wie dich das von dir beschriebene Ereignis im Kindesalter bis heute prägt und ermutigt, sind es für mich die entstandenen Netzwerke, Freundschaften und Erfahrungsberichte, die mich ermutigen und immer wieder meine Handlungsbereitschaft und mein Handlungsbedürfnis erneuern. Und trotzdem: Mir wird mehr und mehr bewusst, dass jeder ein eingeschränktes Blickfeld hat, so auch du und ich. Manchmal wünsche ich, ich könnte noch offener für die Blicke und Motive derjenigen sein, die scheinbar entgegen meinen Visionen agieren. Wäre das nicht der effektivste Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander? Welchen Weg bist du gegangen? Hast du dir primär angeschaut, was für Bedürfnisse du und dein Umfeld haben, und hast dann weitergreifende Visionen und Taten entwickelt? Wenn ja, hast du noch die Offenheit für die Meinungen und Bedürfnisse derer, die scheinbar ganz anders sind als du?


Freilich gab es auch damals Visionäre. Und es stimmt: Wann hätte es sie nicht gegeben? Aber die Kommunikationswege waren so unvergleichlich viel langsamer als heute, und bis ich mich dann mit fünfzehn bis zu Hesses Siddhartha vorgetastet hatte, während ich gleichzeitig versuchte, zu verstehen, was die Notstandsgesetze mit Freiheit zu tun hatten, verfloss die Zeit viel weniger gequirlt als im Zeitalter des Milchschaums. Es gab ja auch erst eine italienische Eisdiele, die im Sommer aufhatte, und bedeutungsschwangere Gespräche bei Latte Macchiato konnten nicht geführt werden, weil es gar keine Latte gab. Deshalb hat es auch länger gedauert, bis ich beispielsweise zu einer soliden Antwort auf deine letzten Fragen in der Lage war. Dafür hat die Frage nach dem Umgang mit denen, die anders sind als ich, eine besonders tiefe Wurzel in mich gegraben. Als ich vor 35 Jahren mit meinen Lebensgefährtinnen und -gefährten beschloss, ein gemeinsames Leben zu führen, geschah das aus dem Anschauen der Bedürfnisse dieser Welt, und wir waren überzeugt, dass wir selbst diejenigen sein müssten, die wir in der Welt sehen wollten. Erst viel später kam mir dieses sinngemäße Wort von Gandhi entgegen, als unsere Gemeinschaft schon manche Festungsmauer zwischen uns und der Welt »der Anderen« abgetragen hatte. Eine letzte massive Übung ist noch nicht so lange her: Vor zehn Jahren war in dem Ländchen, in dem ich nun seit fünfzehn Jahren lebe, ein Teil der Einwohnerschaft infolge eines Herbizidunfalls, in dem die Agroindustrie unter anderem einen Ökobetrieb von uns schwer beschädigte, in eine ganz und gar irrationale Gegnerschaft zu uns geraten. Man wollte uns und alle Neubürger der umliegenden Dörfer vertreiben. Wir konnten aber rechtzeitig erkennen, dass diejenigen, die sich als unsere Gegner verstanden, dasselbe anstrebten wie wir selbst: eine Heimat zu haben, an deren glücklicher Zukunft man aktiv mitwirken kann. Es war die letzte Lektion dahin, zu verstehen, dass ein Konflikt nicht Grund für Spaltung und Trennung sein muss, sondern vielmehr beweist, dass man mit dem anderen etwas Gemeinsames hat, das beide essenziell angeht. Sie hat mich tief in die Wahrheit hineingeführt, die in dem Wort »Biodiversität« liegt: Wir brauchen alle Stimmen, wenn wir ein überlebensfähiges, resilientes Ökotop bilden wollen. – Aber lass mich jetzt doch hören, wie deine Palette der sinnvollen Beiträge aussieht, die du konkret zur Verwirklichung deiner Version einer enkeltauglichen Welt leisten willst.

Während ich durchs Leben schreite, entwickeln sich meine Visionen weiter. Wie oben beschrieben, fällt es mir immer schwerer, mich mit meinen Wünschen und Ideen auf unseren geografischen Raum und unsere Gesellschaft zu beschränken. Wie ich die Umsetzung nun aber angehe, ist eine schwierigere Frage.
Einerseits möchte ich mir gewisse Probleme ins Bewusstsein holen und mich dafür einsetzen, dass sich auch andere dieser Situationen bewusst werden. Ich möchte also mit möglichst vielen Menschen mein und unser Leben und Tun diskutieren und reflektieren. So organisiere ich beispielsweise Konferenzen, auf denen eine Plattform für die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen geschaffen wird. Gleichzeitig versuche ich, meine Offenheit zu bewahren und möglichst viele Eindrücke in mich aufzusaugen und so zu verarbeiten, dass ein immer runderes Bild entsteht. Ich bemühe mich, das Gelernte zu hinterfragen und nachzuhaken, wo immer es geht. Oftmals ist damit verbunden, sich für die »Rechte meiner Generation« starkzumachen und Forderungen zu stellen – an Politiker, an Wirtschaftler, an Wissenschaftler, an alle diejenigen, die diese Welt mitgestalten – ja, auch an dich.
Andererseits jedoch muss und will auch ich aktiv mitgestalten, ausprobieren, verändern. Mein Vegetarierinnendasein rettet sicherlich nicht die Welt (wobei ich eh immer mehr davon ausgehe, dass es nicht darum geht, die Welt vor »dem Untergang« zu bewahren, sondern immer weiter zu gestalten) – dafür braucht es schon weitergreifende strukturelle Änderungen. Wer aber meint, er habe das Patentrezept zur Behandlung eines bestimmten Pro­blems, kann meiner Meinung nach nicht Recht haben – zu komplex und vielschichtig ist diese Welt. Mein ewiges »Suchen« langsam in ein »Machen« zu wandeln, darin sehe ich derzeit noch eine große Herausforderung. Nun hast du mich wieder und wieder gefragt, wie ich mich für die Verwirklichung meiner Visionen einsetze. Wie aber steht es um dich? Du gehörst zur Generation, die Entscheidungen trifft und bereits getroffen hat, die mich, meine Kinder und Enkel betreffen werden. Bist du zufrieden mit dem Einsatz, den du geleistet hast? Was würdest du anders machen? Wo siehst du noch Potenziale für ein aktives Mitwirken?


Gerade erst gestern war ich auf einer Konferenz zu einem ziemlich einzigartigen Projekt: In unserem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat sich vor wenigen Wochen eine Genossenschaft von Gemeinden gegründet, die sich auf den Weg zur Energie-Selbstversorgung gemacht haben. In den kommenden Jahren sollen sich 500 (Bio-)Energiedörfer etablieren. Auf der Konferenz im Schweriner Landtag diskutierten Abgeordnete, Regierungsangehörige, Landräte, Bürgermeister und Fachleute engagiert über die nächsten Schritte zur Umsetzung der Energiewende. Aber: Wo waren die jungen Generationen? Die Generation der Zwanzigjährigen war gar nicht vertreten, die der Dreißigjährigen war an zwei Händen abzuzählen, der Rest der fast 200 Teilnehmer war über 40, und »Teilnehmer« stimmt auch, denn die ganze Bewegung wird zum überwiegenden Teil von Männern in Gang gesetzt. Dabei nahm das Projekt seine Uranfänge unter anderem in den Regionalkonferenzen, zu denen ich vor einigen Jahren hier an meinem Lebensort eingeladen hatte, und da waren es überwiegend junge Menschen gewesen, die die Initialgedanken in die Welt gesetzt hatten.
Ich habe gestern diesen eigenartigen Spalt zwischen dem »jungen« Geist und der »alten« Verwirklichung angesprochen. In dem Zuspruch, den ich danach bekommen habe, wurde immer wieder das Wort »Partizipation« verwendet, und es waren sich alle einig, dass wir uns von einem bloßen »Mitmachen« der jungen Generatio­nen verabschieden müssen und echte, paritätische Mitgestaltung anzustreben sei. Insofern bin ich in diesem Beispiel für die Wirksamkeit meines Einsatzes nur halb zufrieden. Die Frage blieb unbeantwortet, wie wir die jungen Menschen erreichen können, so dass sie mittun und im Mittun auch die Formen verändern, in denen sich solche Unternehmungen äußern. Ja, ich möchte, dass die Entscheidungen, die meine Generation bisher getroffen hat, breiteste Revision durch die Jungen erfahren, denn es gibt überhaupt keine Entscheidung, die nicht euch beträfe. Ich sehe, dass in vielen Bereichen die Alten erkannt haben, dass es nicht ohne die Jungen geht, aber ich sehe noch nicht, welches Angebot der – willigen – Jungen da ist, die – willigen – Alten in ihre Kultur der Zukunft einzuladen und mitzunehmen. Any idea?

Du meinst, dass hier zwei »Kulturen« parallel leben und sich nicht treffen, absprechen und ergänzen? Nun, aus junger Sicht kann ich sagen, dass es eine ganze Reihe von Projekten, Ideen, Veranstaltungen und viel Engagement zu zukunftsrelevanten Fragestellungen gibt – die allesamt von jungen Menschen ins Leben gerufen werden und auf Kooperation mit den Älteren bauen. Doch was oft fehlt: (finanzielle) Kapazitäten und wirkliche Einflussmöglichkeiten. Man darf nicht vergessen, dass wir jüngeren Menschen meist in der Ausbildung stecken, oft von Eltern oder BAföG abhängig sind und Entscheidungen für die individuelle Zukunft treffen müssen. Das alles beansprucht Zeit und Kraft. Für viele ist es dadurch gar nicht möglich, noch »zusätzliches« Engagement zu leisten. Für diejenigen, die es dennoch können und tun, bedeutet es eine Gratwanderung zwischen dem Einsatz für den eigenen Alltag und die persönliche Zukunft und dem für das Allgemeinwohl.
Als Beispiel ein Projekt, in dem ich selbst involviert bin: Seit eineinhalb Jahren setzen wir – Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten aus ganz Deutschland – uns für eine Veranstaltung »Visionaries in Action« ein, mit der wir eine Plattform für den Austausch von jungen Menschen und erfahrenen »Älteren« schaffen wollen, die dann gemeinsam zukunftsweisende Projekte entwickeln können. Wir haben bereits viele Wochenenden, viel Herzblut und viel eigenes Geld in die Organisation gesteckt, und dennoch steht das Projekt auf der Kippe. Von denjenigen, die auf den Fördertöpfen sitzen, bekommen wir bislang keinen Zuspruch. Da ist es schon frustrierend, zu sehen, wenn stattdessen Millionen in eine neue Autobahn fließen.
Habt ihr denn »die Jungen« zu eurer Konferenz eingeladen? Konntet ihr ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie tatsächlich Partizipations- und Mitentscheidungsmöglichkeiten haben? Wäre es nicht schön, wenn wir einen Austausch schaffen könnten, in dem die »Alten« Erfahrung, Zeit und nötige Ressourcen und die »Jungen« Ideen, Engagement und frischen Wind geben würden? In einer Atmosphäre, in der gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, anstatt gute Ideen von den Entscheidungshierarchien erdrücken zu lassen? Wenn wir als Gesellschaft erkennen würden, dass wir ­gemeinsam viel mehr erreichen können als einzeln?


Du triffst den Nagel auf den Kopf, mehrfach. Selbstverständlich wurden »die Jungen« eingeladen, es sind ja Anbindungen an Hochschulen da. Aber der erste Nagelkopf heißt »Partizipation«: Mich würde es auch nicht interessieren, zum Mitmachen eingeladen zu werden, wenn es womöglich gar nicht dorthin führt, wo ich ein sinnvolles Ziel sehe. Partizipation ist eben nicht voll verwirklichte Gemeinsamkeit. Aber andererseits: Wenn niemand da ist, der ­genau das aus authentischem Eigeninteresse einfordert, wie sollen es dann die willigen anderen überhaupt verstehen? So kommt es, dass die »gestandenen Männer« das verwirklichen werden, was sie für das Beste für alle halten, und die eigentliche Innovation, die aus ­euren Reihen artikuliert werden müsste, nicht stattfindet.
Ja, es braucht eine »Youth and Elders Alliance«, ein Bündnis der Generationen, das sich an die gemeinsame Sache der neuen Kultur macht und nach jungen Ideen sucht, wie wir die Hilflosigkeiten gegenüber dem Alten umgehen und hinter uns lassen können. Vielleicht wissen wir heute noch nicht, wie wir das anstellen sollen. Aber wir fangen einfach damit an. Unseren Mailwechsel empfinde ich als einen – zugegeben winzigkleinen, aber richtigen – Schritt auf dem Weg. Ich rede jedenfalls nicht für die Autobahn, und ich rede in der Energiekonferenz über die Notwendigkeit, das ganze Vorhaben mit eurer, der jungen Welt zu verknüpfen, auch auf die Gefahr hin, dass der Verständigungsprozess harzig sein könnte.

Dabei sollten wir aber vermeiden, nur die schwierigen Aspek­te zu beleuchten, und uns stattdessen den Beispielen widmen, in denen es bereits zukunftsfähige Entscheidungen und ein kon­struk­tives Miteinander der Generationen gibt. Lass uns nach »Posi­tiv-Beispielen« suchen und von diesen lernen. Ich hoffe, dass ich mich nicht früher oder später in den Sog einer frustrierten Konsumgesellschaft ziehen lasse und ich mir stattdessen ein bisschen von meinem »jungen Idealismus« bewahren kann. Wenn ich es schaffe, sowohl meiner eigenen Generation als auch den vor und nach mir liegenden fair gegenüber zu sein und Brücken zu bauen, wo immer es geht, dann kann ich zufrieden sein. Weiter wünsche ich mir, dass nicht nur mir und meiner Generation, sondern all denjenigen, die von unserem Handeln auf irgendeine Weise betroffen sind, wahre Partizipationsmöglichkeiten gegeben werden. Auf lang oder kurz wird das allen zugutekommen. 



Theresa Zimmermann (23) hat Geografie und Agrarwissenschaften ­studiert. Gegenwärtig überbrückt sie die Zeit bis zu ihrem Masterstudium mit einem Praktikum in einem Umweltplanungsbüro und engagiert sich für die Konferenz »Visionaries in Action«. www.visionariesinaction.org

Zurück zur Startseite

Hintergrundinfos zu Oya auf Facebook

Oya gemeinsam ermöglichen!