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Vertrauen lernen

Eltern, die mit ihren Kindern freies Lernen außerhalb der Schule praktizieren, werden in der Gesellschaft an den Rand gedrängt. Karen Kern setzt sich dafür ein, die Bewegung der engagierten Freilerner sichtbar werden zu lassen.

erschienen in 13/2012

Ob und wann die Bemühungen, selbstbestimmte Bildung in Deutschland zu legalisieren, zum Erfolg führen werden, ist offen. Anfang der 90er Jahre gab es diesbezüglich die erste Petition, die ebenso scheiterte wie ein Versuch im Jahr 2011.

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Im vergangenen Dezember hat der Petitionsausschuss des Bundestags die Petition von Matthias Wolf mit dem Inhalt, häusliches Lernen bzw. Hausunterricht in Deutschland straffrei zu stellen, abgelehnt. Das war vorauszusehen, da es dazu mehrere Grundsatzentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts gibt.
Dennoch erschreckt es mich immer wieder aufs Neue, dass sich die Politik nicht wirklich mit der Sache auseinandersetzt, sondern alte Vorurteile wiederholt. Der Petitionsausschuss schreibt: »Der gesetzlichen Schulbesuchspflicht liegen die Überlegungen zugrunde, dass das gemeinsame Lernen in der Schule der Vermittlung sozialer Kompetenzen dient und der Umgang mit Andersdenkenden als Grundlage einer demokratischen Gesellschaft dort besonders gut eingeübt werden kann.«
Dem lässt sich entgegensetzen, dass bisherige Studien aus Ländern, in denen Bildung zu Hause erlaubt ist, den jungen Menschen vergleichbare oder sogar höhere soziale Kompetenzen attestieren als Altersgenossen, die zur Schule gehen.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
»Vertrauen schafft Vertrauen, Misstrauen schafft Misstrauen und führt zu niedrigem Selbstbewusstsein und Unsicherheit«, schrieb ein britisches Mitglied des europäischen Bildungsnetzwerks »Learning-Unlimited« vor kurzem in einer Mailingliste. Dies wird von neurowissenschaftlichen Studien in Bezug auf das Lernen in den letzten Jahren immer wieder bestätigt. Weiter schreibt der Brite: »Ohne das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Gutwilligkeit und Integrität führt es zu schwacher Erziehungsfähigkeit und womöglich sogar zu Gewalt und Vernachlässigung. Wenn Menschen gut behandelt werden, mit Respekt und Vertrauen, werden sie auch vertrauenswürdig und verhalten sich anderen gegenüber respektvoll. Wenn ihnen regelmäßig misstraut wird und sie stark kontrolliert werden, werden sie demoralisiert, erniedrigt, sie fühlen sich abgewertet und werden sich wesentlich weniger gut verhalten.«
In Deutschland wird ein solches Vertrauen zwar als Basis für die Beziehungen in den einzelnen Bereichen Elternhaus und Schule gefordert, aber es wird nicht gesehen, dass der Zwang, Kinder in die Schule zu schicken, sowohl bei den Eltern als auch bei den jungen Menschen diesem Vertrauen kontraproduktiv entgegensteht. Das Selbstverständnis von allen Eltern wird dadurch grundlegend beeinflusst, und Kompetenzen, die ihnen in vielen anderen Ländern zugestanden werden, werden in unserem Land allein sogenannten Experten zugesprochen. Die engen staatlichen Lehr- und Entwicklungspläne lassen schon vor der Schulzeit viele Kinder als entwicklungsgestört aus dem Raster fallen. Eltern, die ihrem Kind eine individuelle Entwicklung außerhalb dieser Normierung ermöglichen wollen, wird dies nicht zugestanden, vor allem, wenn die Entwicklung ihres Kindes sich außerhalb dieses Rasters bewegt.
Freilich gibt es auch zahlreiche Familien, in denen die Eltern sich überhaupt nicht um die Bildung ihrer Kinder kümmern, und andere, in denen es große soziale Schwierigkeiten gibt, die sich auch auf das Schulleben auswirken. Aber bei der zunehmenden Anzahl an Schulverweigerern, jungen Menschen, die in unserem System mit Lernstörungen abgestempelt werden oder unter Mobbing leiden, ist es endlich an der Zeit, zu erkennen, dass das System Schule dies selbst produziert und nicht weiterhin als einzige Antwort darauf mit Bestrafungen oder Therapien reagieren sollte.

Bestrafung hilft nicht weiter
Nicht nur Eltern werden bestraft, wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Auch bei Jugendlichen, die sich der Schule verweigern, ist Bestrafung das Mittel der ersten Wahl. Alleine das Amtsgericht Hannover hat 200 Fälle von Schulpflichtverletzungen pro Monat zu verhandeln, wie vor kurzem in der Zeitung zu lesen war. Gerichte ordnen Jugendarrest, Sozialstunden oder die Einweisung in die Psychiatrie an. Glauben wir wirklich, dass wir mit diesen Maßnahmen grundlegende Änderungen bei diesen Jugendlichen und Eltern in ihrer Einstellung gegenüber der Schule veranlassen können? Warum glauben wir, dass Strafen jungen Menschen helfen, sich zu bilden oder zu erkennen, dass diese Art Bildung für sie gut sein soll? Meinen wir, junge Menschen damit auf die Bewältigung der Probleme in unserer Welt vorzubereiten, die dringend Änderungen verlangen?
Verweigerung ist ein großes »Nein«. Wieviel mehr junge Menschen müssen – ihrem eigenen lebendigen Lernen zuliebe – noch laut Nein sagen, bis sich endlich etwas ändert? Wieviele Eltern müssen noch ins Ausland abwandern, und wieviele Eltern werden weiterhin für ihr Nein bestraft? Aktionen wie Matthias Wolfs Petitionen sind wichtig. Selbst wenn sie nicht zum Ziel führen, schaffen sie Bewusstsein.  

www.homeschoolrevisionproject.ning.com/profile/karenkern

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