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Die Zukunft ist regenerativ

Einige Visionäre arbeiten an der Anpassung der Landwirtschaft an den Planeten.

von Oliver Karolius , erschienen in 09/2011

Die heute mehrheitlich praktizierte Form der industrialisierten Landwirtschaft führt über kurz oder lang in den Abgrund. Anhänger der Vision einer »Regenerativen Landwirtschaft« sind sich sicher, dass man die agrarischen Probleme mit guten Ideen in eine positiv wirksame Landbearbeitung verwandeln kann.

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Die Landwirtschaft ist mit weniger als einem Prozent der Bruttowertschöpfung schon lange kein bedeutender Bestandteil der deutschen Wirtschaft mehr, sie beschäftigt auch nur noch etwa 2,2 Prozent der Bevölkerung, Tendenz fallend. Obwohl Milliarden an Subventionen an die Landwirte gehen – wobei das meiste davon in wenige große Betriebe fließt – stagniert sie seit mindestens zwanzig Jahren, und die Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Jedenfalls scheint es auf den ersten Blick so.
Die Zahl der Betriebe geht weiter zurück, die Agrarfabriken nehmen immer größere Flächen ein und bauen als Energielieferanten immer öfter Mais und andere Energiepflanzen an – die Erosion nimmt zu, Bodenfruchtbarkeit schwindet. Derweil nimmt insbesondere in den neuen Bundesländern die Zahl der jungen Facharbeiter, die als Bauern auf dem Traktor arbeiten wollen, immer weiter ab, während die Landwirte altern und nicht wissen, was aus ihrem Hof werden soll. Vermutlich wird auch er von einem Agrarkonzern geschluckt.
Das einzige Hoffnungslicht am Horizont bildet der Ökolandbau. Er hat sich in den letzten Jahren stetig aufwärts entwickelt, doch liegt sein Anteil an der deutschen Anbaufläche gerade mal bei rund sechs Prozent. Immer noch werden Bio­lebensmittel importiert, um den wachsenden Biomarkt zu bedienen. Doch selbst dieser ist mit drei Prozent Markt­anteil nicht gerade ein großer Faktor. Dennoch wird diesem Markt ein großes Potenzial zugeschrieben, man verspricht sich noch Umsatzsteigerungen von bis zu fünf Milliarden Euro bis 2016.
Doch wie soll dieser neue Bedarf gedeckt werden? Die ökologisch bewirtschaftete Flächenzunahme kann derzeit mit dem Bedarf nicht mithalten. Sollen wir also noch mehr und von noch weiter her importieren, was die Ökobilanz der Bio­lebensmittel noch mehr schmälern würde?
Hinzu kommt, dass wir höchstwahrscheinlich in Zukunft mit weniger Energie auskommen müssen. Selbst die Bundeswehr hat mittlerweile eine Studie zum »Peak Oil«, dem Ende des billigen Öls, herausgebracht, und die dort dargestellten Aussichten für ein »Weiter-wie-Bisher« sind alles andere als beruhigend.
Andere Ideen müssen also her. Die Zeit ist reif für positive Visionen – trotz und gerade wegen Klima-, Energie-, Wirtschafts- und sonstiger Krisen.

Eine multifunktionale Landwirtschaft
Es scheint so, als ob kleine Lösungen, wie sie jeder von uns hervorbringen kann, für diese großen, globalen Probleme nur dann etwas bewirken können, wenn sie dezentral und in großer Zahl umgesetzt werden und zuallererst die Grundbedürfnisse eines jeden befriedigen.
In zahlreichen Zukunftsvisionen spielt die Landwirtschaft eine bzw. die entscheidende Rolle, so wie es eigentlich Jahrhunderte lang üblich war. Aber: Lasst uns diesmal doch Landwirtschaft und Natur als eines denken und nicht wie zwei getrennte Welten! Lasst uns systemisch denken und handeln anstatt monokausal!
Warum nicht eine Landwirtschaft erschaffen bzw. wiederentdecken, die nicht nur Nahrung produziert, sondern auch die Natur schützt, Energie- und Baustoffe liefert und sogar den Klimawandel mildern kann, indem Kohlenstoff aus der Atmosphäre wieder im Boden als Humus angelegt wird? Eine Landwirtschaft, die wieder mehr Menschen beschäftigt und die Spaß macht, da man nicht nur die Hand am Hebel oder Lenkrad hat.
Die gute Nachricht ist, dass es bereits Menschen gibt, die sich mit dieser anderen Art, Land zu bewirtschaften, beschäftigen. Diese sogenannte regenerative Landwirtschaft baut auf dem Wissen und den Erfahrungen erfindungsreicher Landwirte und Wissenschaftler auf. Ihre Wurzeln sind in der Permakultur zu finden, und sie verspricht mindestens genauso produktiv wie der konventionelle, industrielle Ansatz zu sein, bei allen Vorteilen des Ökolandbaus.
Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel verschiedener Faktoren, wie dem Management produktiver und selbstorganisierender Ökosysteme, intelligentem Wassermanagement oder der Nutzung einfacher und effektiver Technologien und Maßnahmen zum kontinuierlichen Aufbau der Humusschicht.
Das Wissen über neue Denk- und Arbeitsweisen muss vermittelt und vielfältig angewendet werden, damit die Vision einer zukunftsfähigen Landwirtschaft wahr werden kann. Ein Mann, der schon viel Erfahrung auf diesem Feld gesammelt hat, ist der Australier Darren J. Doherty. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf den ertragreichen Umbau von großflächigen landwirtschaftlich genutzten Landschaften, weshalb er als Pionier in diesem wichtigen und oft übersehenen Bereich gilt. Darren war in der Gestaltung und Entwicklung von mehr als 1300 hauptsächlich großflächigen Projekten in fünf Kontinenten und 41 Ländern maßgeblich beteiligt und gibt sein Wissen in Kursen weiter. Zwei Seminare mit ihm in der Nähe von Berlin geben Ende September einen Einblick in eine mögliche positive Zukunft der Landwirtschaft, gestaltet durch Impulse aus Permakultur und Keyline Design, ein an Geografie und Topografie orientiertes System zur Landgestaltung und –nutzung, entwickelt vom Australier P. A. Yeomans.
Die Kohlenstoff-Landwirtschaft und –Ökonomie wird in Zukunft besonders relevant sein, da absehbar ist, dass die Landwirtschaft als Teil der europäischen Kohlenstoffwirtschaft in den Kohlenstoffhandel eingebunden werden wird. Schon heute muss die Industrie einen Teil ihrer Treibhausgasemissionen durch den Kauf von Zertifikaten ausgleichen. Die industrielle Landwirtschaft zählt bis heute zu den Mitverursachern und wird demnach in Zukunft ebenfalls Zertifikate erwerben müssen. In der regenerativen Landwirtschaft wird CO2 nicht mehr emittiert, sondern als Humus eingelagert, und das kann über den Zertifikathandel in monetäre Erträge umgewandelt werden.  


Oliver Karolius (32) studierte Umweltwissen­schaften sowie Global Change Management. Der Permakulturdesign-Azubi schreibt an einer Doktorarbeit über Bodenverbesserung auf kargen Standorten und Abraumhalden unter Anwendung des Keyline-Systems und Bodenzuschlagstoffen. Oliver Karolius engagiert sich als Projekt­gestalter im Gaia e. V., Nürnberg.

Zwei Kurse mit Darren J. Doherty bei Berlin:
24. bis 26. September 2011: Fortgeschrittenen Design Kurs. Anhand realer Projekte wird ein Prozess der professionellen Gestaltung sowie Entwicklungs- und Managementberatung durchlaufen. 29. September bis 2. Oktober: Permakultur auf großen Flächen und Keyline Design zur Schaffung nachhaltiger landwirtschaftlicher Landschaften und Einkommen. Achtung: ­Anmeldeschluss ist jeweils der 12. Juli.
Weitere Infos und Anmeldung: www.permakultur-akademie.de (Link: weitere Anbieter) oder direkt beim Autor:
oliverkarolius@web.de, http://regenag.blogspot.com.