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Zukunftslabor nextHamburg

Stella Loewenberg hat die Planungswerkstätten eines jungen Hamburger Stadtentwicklungsprojekts miterlebt. Auf der ­Internetseite und in den Workshops von »nextHamburg« ­können neue Ideen keimen und öffentlich diskutiert werden.

von Stella Loewenberg , erschienen in 07/2011

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Sie zeigen, wie Bürger ihre Stadt gestalten würden, wenn man sie denn ließe: »next Hamburg« ist ein Treibhaus für Ideen zum Wandel der Hansestadt.

Auf den großen Spanplatten, die nun zusammengesetzt den Plan der inneren Stadt Hamburg darstellen, sind vielfältig und bunt die erstaunlichsten Entwürfe zur Entwicklung von Flächen, Gebäudekomplexen, Straßenzügen von der Alster bis zum Wall, vom Michel bis zum Fernsehturm zu sehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dritten Planungsrunde von »nextHamburg« in der Katharinenkirche sind selbst beeindruckt, was sie in kleinen, wechselnden Teams aller Altersgruppen auf die Beine gestellt haben, während draußen sommerliche Hitze auf dem Spätnachmittag liegt. Drinnen in der Kühle aber wimmelt es wie in einem Ameisenhaufen, und obwohl keiner einen »Plan« hat, entsteht eine Dynamik, die alle zum Ziel bringt: Visionen für Hamburg. Sie kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft, sind Studenten, Anwohner mit Lust zur Gestaltung ihrer Stadt.
Seit der Prozess der Gentrifizierung begehrte Viertel der Innenstadt zwar »aufwertet«, gleichzeitig aber auch ihrer kulturellen Identität beraubt und viele Anwohner aufgrund der Mietteuerung ihren Kiez verlassen müssen, regt sich enormer Widerstand in der Bevölkerung gegenüber den Bauvorhaben der Behörden.
Doch nur mit Dagegensein lässt sich kein Betonkopf aufhalten oder überzeugen. Die Frage ist, wie man die Vertreter der unterschiedlichen Interessen in Dialog bringt. Wie bringt man Krea­tivität in nüchterne, von Kostenfaktoren bestimmte Planungsdiskussionen?

Ein Gewächshaus für neue Ideen
Julian Petrin, Stadtplaner, und Rajiv Patwardhan, Softwareexperte, sahen hier Handlungsbedarf. Sie gründeten im ­April 2009 mit einem Team von Stadtplanern, Projektmanagern, Ökonomen und vielen anderen Unterstützern »nextHamburg«. Auf der Internetseite des Projekts können sich Interessierte kostenlos anmelden, eine Idee zur Stadtentwicklung vorstellen oder andere Beiträge kommentieren. Dabei kristallisieren sich durch Abstimmung »Top-Ideen« heraus. Die Top-Idee auf dem ersten Platz wird zur professionellen Zukunftsstudie, die von Experten wie von Bürgern auf Umsetzbarkeit geprüft wird. Im Jahr 2010 war es das Projekt »CityWohnen – Belebung der nach Büro- und Geschäftsschluss toten Innenstadt«. Ziel ist es, einen realen Planungsprozess auszulösen. Gegenwärtig finden sich auf der Online-Plattform 359 Ideen. 36 davon gelten als Top-Ideen, darunter ein Gezeitenkraftwerk an der Elbe, ein Monte Altona auf dem alten Gleisfeld mit individuellem Wohnen sowie unterirdischer Müllentsorgung oder eine strom­erzeugende Joggingstrecke rund um die Alster, ein Bauernhof auf einem Hochbunker.
Kritiker der Plattform monieren die mögliche Instrumentalisierung und die Okkupation von Ideen durch die Behörden. Wichtiger aber scheint der Community, Einfluss nehmen zu können, und mit jeder Planungsrunde beweisen an die hundert Teilnehmende, dass Ideen nicht immer ein riesiges Budget brauchen. Doch selbst dann hat nur die Stadtverwaltung die Mittel, die Gestaltung und Umsetzung der Vorschläge zu ermöglichen. Seit Juli 2010 gibt es deshalb ein gemeinsames Veranstaltungsformat von nextHamburg und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) namens »Stadt im Dialog«. Frei von politischen Vorgaben wird hier offen über wichtige Fragen der Stadtgestaltung nachgedacht.
Die Bürger-Planerinnen und -Planer haben vielfältige ökologische, ergonomische, ästhetische und bauliche Lösungen entworfen. Diese sollen nun wissenschaftlich auf Nachhaltigkeit geprüft werden. Inzwischen befassen sich drei Doktor- und fünf Master­arbeiten mit den Inhalten von nextHamburg.
Im Büro von nextHamburg laufen die Drähte heiß, doch die Zukunftswerkstatt für die Stadt von morgen kann derzeit keine ­Synapse zur Stadtverwaltung ausbilden. Wegen der Bürgerschaftswahlen liegt alles auf Eis. Handlungsfähigkeit erwartet Rajiv Patwardhan erst wieder im Juni 2011. Bis dahin muss die gute Energie der Startphase von nextHamburg genutzt werden, um weitere Kanäle der Bürgerbeteiligung zu öffnen.
Das Team denkt längst über Hamburg hinaus: Letztlich geht es um lebendige Zukunftsvisionen für urbanes Leben. Ansatz und Slogan von nextHamburg lassen sich problemlos übertragen: »nextCity – Du gestaltest deine Stadt!«  

www.nexthamburg.de

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