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Windsichten

von Malte Cegiolka , erschienen in 46/2017

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© Foto: Malte Cegiolka

Siesta – um die Mittagszeit komme ich in Salinas de Garcí Mendoza an. Das während der Trockenzeit ausgedörrte Land der bolivianischen Hochebene wirkt dadurch besonders ausgeräumt. Auf einer leeren Landstraße stiefle ich aus dem Dorf hinaus. Ich habe einen salzigen, trockenen ­Geschmack im Mund. Wind und Sonne lassen mein Gesicht ledrig werden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Menschen hier Landwirtschaft betreiben – und doch stehen beiderseits der Straße Quinoapflanzen. Nirgendwo sonst habe ich erlebt, dass sich Menschen so gut in ihre Umgebung einfügen: Über Generationen haben sie an die Verhältnisse angepasste Sorten entwickelt, die sie früh genug aussäen, um die Regenzeit zu nutzen; sie haben Lamas zu Gefährten gemacht, um Dung für die Felder zu gewinnen, und sie haben die Trockenzeit zu schätzen gelernt, weil sie die Ernte konserviert. In der Ferne meine ich eine Rauchfahne in Altrosa zu sehen – es ist davonwehende Quinoaspelze, die von zwei Bäuerinnen vom Korn getrennt wird, eine seit dem Neolithikum eingespielte Kooperation zwischen Sonne, Wind, Erdanziehung und Mensch.

Malte Cegiolkas stille und bewegte Bilder spiegeln wie seine Texte die Suche nach Prinzipien des »guten Lebens«. www.caminopacha.de

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