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Landwende

Auftakt zu einem Oya-Forschungsstrang.

von Johannes Heimrath , Lara Mallien , erschienen in 43/2017


Seit einem Jahr bemüht sich der deutsche Chemiekonzern Bayer darum, den US-Saatgut- und Herbizidhersteller Monsanto für den gewaltigen Betrag von 66 Milliarden Dollar zu übernehmen. Bayer-Chef Werner Baumann rühmt die enormen Wachstumschancen im Agrarbereich, denn bis 2050 müssten drei Millarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Soeben meldete Monsanto, das Unternehmen habe in den letzten drei Monaten einen Überschuss von 1,368 Milliarden Dollar erzielt. Was für ein Geschäft!
»Ein deutscher Landwirt erlöst etwa jeden vierten Euro im Export, die deutsche Ernährungswirtschaft nach Branchenangaben sogar jeden dritten Euro. Angesichts stagnierender Märkte im Inland benötigt die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft ­jedoch weiteres Wachstum im weltweiten Export, um ihren Beitrag zu Erhalt und Steigerung von Wertschöpfung und Wohlstand in Deutschland zu leisten.« Das schrieb das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Vorspann zu seinen »Fakten und Zahlen zum deutschen Agrarexport« im vergangenen September.
Die von »Germanwatch« erstellte Studie »Vorschläge für eine Neuausrichtung der Euro­päischen Agrarpolitik«, auf den Weg gebracht von Martin Häusling, EU-Abgeordneter der Grünen, hingegen fragt: »Wie kann es sein, dass so viel staatliches Geld in einen Sektor fließt und gleichzeitig Bauernhöfe reihenweise aufgeben, Groß­investoren Landraub betreiben sowie Pestizide wie Glyphosat und Antibiotikamissbrauch im Stall unsere Gesundheit und die Umwelt massiv belasten?« Das ministeriell beschworene Wachstum sei an massenhaften Fleisch- und Milch­export sowie ebensolchen Soja-Import gebunden, belaste das Grundwasser mit Rückständen der Acker­chemie und hinge am Tropf einer Subventionspolitik, die Großbetriebe begünstigt. Ähnlich sieht es das Papier »Wertschöpfung schaffen!« der Kampagne »Meine Landwirtschaft«, die die Politik zum Handeln drängt: »Menge runter, Preis rauf, Überdüngung reduzieren, bäuerlich-ökologische Landwirtschaft fördern!« Gleiches wollen 260 000 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa, die eine von der EU-Kommission initiierte Online-Debatte um die künftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik, koordiniert vom Umwelt-Netzwerk »Living Land«, unterzeichnet haben.
Das schreiben wir nicht, um zu ermutigen oder zu entmutigen! Die Dynamik der Bewegungen, die eine nachhaltige Landwende herbeiführen wollen, und die Megamaschine, die dem entgegensteht, beschäftigt uns in Oya von Anfang an. Angesichts der wachsenden Kluft ­zwischen ursprünglicher Hoffnung und schmerzhafter Realität drückt uns die Frage immer mehr, wie wir den Tritt in bestimmte Fallen vermeiden, die zuschnappen, sobald man sich in dieses Kräftespiel hineinwagt: die Falle der Ohnmacht und Verzweiflung, die Falle des unrealistischen ­Optimismus, des Weltrettungs-Aktionismus, des Rückzugs in die eigene Öko-Idylle, der Verschwörungsfurcht, die Falle des Messianismus. Kann es uns gelingen, uns diesen Fragen in aller Ruhe und mit der nötigen Lassenskraft zu widmen?

Nicht im eigenen Saft kochen
Wir haben mit vielen Mitdenkerinnen und Mitdenkern gesprochen, lange mit Martin Häusling in Brüssel telefoniert, ebenso mit Jochen Fritz von der Kampagne »Meine Landwirtschaft« und mit Benedikt Härlin von der »Zukunftsstiftung Landwirtschaft«. Es waren intensive und aufschlussreiche Gespräche – in den kommenden Ausgaben werden sich Gedanken daraus wiederfinden. Die zentrale Herausforderung ist: Wie können wir der Gefahr entgehen, dass wir unseren Forschungsstrang »Landwende« nur im eigenen Saft kochen? Wie können wir den Kreis der sowieso schon Informierten öffnen und aus der Welt der Appelle und des Konjunktivs – »sie« müssen, »wir« sollten – zu konkretem Handeln kommen?
Das kann nur gelingen, wenn wir beginnen, gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren der heutigen landwirtschaftlichen Wirklichkeit – und das lässt sich auf alle anderen Gebiete der Wirklichkeit übertragen – nach dem ersten kleinen Schritt zu suchen, der wirklich, wirklich getan werden kann, um einer enkeltauglichen Welt buchstäblich den Boden zu bereiten. Wissen wir überhaupt, wie zum Beispiel unser Nachbar, ein Agrar-Großbetrieb, über seine Zukunft und die seiner Nachkommen nachdenkt? Wie weit sind unsere Gedanken, Gefühle, Befürchtungen und Hilflosigkeiten tatsächlich vonein­ander entfernt? Die Landwirtschaft ist nur das sichtbarste Glied in einer langen Kette von Abhängigkeiten, die bei der Erdölförderung beginnt, über die Düngemittel-, Pestizid- und Saatgutindustrie oder den Maschinenbau führt und beileibe nicht nur im Supermarkt oder in der Müllverbrennung endet. Überall in dieser Kette – auch in den Vorstandsetagen – werkeln Menschen, die wissen, dass es so nicht weitergeht. Warum tun sie nicht, was sie wissen? Was müsste geschehen, damit sie trotz der existierenden Sachzwänge etwas anderes tun als bisher?
Machen wir uns auf den Weg! Suchen wir die Menschen auf, von denen es faktisch abhängt, ob unsere Vision von einem enkeltauglichen Leben Wirklichkeit werden kann. Die folgenden Seiten dokumentieren einen ersten Schritt.   


Einladung zum Mitdenken
Wir freuen uns über Zuschriften, die Ideen und Kontakte zum Oya-Forschungsthema »Landwende« beisteuern: mitdenken@oya-online.de

Lesestoff:
www.martin-haeusling.eu/images/attachments/GAP_WebundMail_end.pdf
www.living-land.org
www.meine-landwirtschaft.de

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