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Ermöglicht.

Freiwillige Geldbeiträge von etwa 100 Leserinnen und ­Lesern haben ein erstes Vierteljahr »Grund­einkommen« für die Redaktionsmitglieder ermöglicht. Seit der letzten Ausgabe wurden 14 699,28 Euro geschenkt. Herzlichen Dank!

erschienen in 43/2017

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Mit der letzten Ausgabe hat die Oya-Redaktion einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Wir haben unsere Leserinnen und Leser eingeladen, mit selbstgewählten, freiwilligen Geldbeiträgen einen gemeinsamen Topf zu füllen, der zum Lebensunterhalt des seit dem letzten Heft angewachsenen Redaktionsteams beiträgt.
Wer die Vorgeschichte nicht kennt, mag denken: Was für eine seltsame Idee! Sind die Redaktionshonorare nicht in den Abopreis einkalkuliert? Die einfache Erklärung: Oya wurde bis Ende 2016 von einem sehr kleinen Team getragen, dessen Kräfte und Finanzen schließlich die Belastungsgrenze erreicht hatten. Angesichts der bescheidenen Umsätze der Oya-Genossenschaft schien es unmöglich zu sein, das Team zu erweitern. Wir wollten es dennoch wagen – getragen vom Zuspruch vieler Leserinnen und Leser, die bereit waren, gemeinsam mit uns neue Wege für Oya zu eröffnen.
116 große und kleine Ermöglichungs-Beiträge wurden seit Anfang März dem gemeinsamen Topf geschenkt – bisher kamen 14 699,28 Euro zusammen! Jeder Betrag war eine Überraschung und erfüllte uns mit Dankbarkeit. Der Funke schien übergesprungen zu sein – mit unserer Vision von einem »anderen«, solidarischen Wirtschaften waren wir offenbar nicht allein.
Weder hatten wir für die Höhe der einzelnen Schenkungen einen Richtwert vorgeschlagen noch – anders als bei bekannten Crowdfunding-Projekten – eine Gesamtsumme, die erreicht werden sollte. Wer wollte, sollte nur dann etwas geben, wenn es sich für sie und ihn wirklich, wirklich stimmig anfühlte. Als ein einzelner Betrag von 5000 Euro auf dem Kontoauszug erschien, waren wir sprachlos. In unserer Freude darüber ermahnten wir uns zugleich gegenseitig, die Beiträge nicht an der Quantität zu messen – es sind alles gleichwürdige Gaben, die wir in gleichem Maß wertschätzen.

Resonanz auf einen herausfordernden Schritt
Manche Beträge erreichten uns in Begleitung von Gedanken der Schenkenden. So hob Johannes Blatt den Aspekt der Freiwilligkeit hervor: »Ich möchte euch Mut zusprechen, nicht die Symmetrie der Gegengabe zu suchen. Wo ihr sinngemäß schreibt, ›wir legen Oya und unser Leben in eure Hände‹, baut ihr einen gewissen moralischen Druck auf.« Stimmt, das ist tatsächlich eine Gefahr. Danke für den wichtigen Hinweis!
Der Hausarzt Stefan Melzer, der Geld, das er selbst nicht benötigt, an sinnvolle Projekte abgibt, brachte uns zum Lachen. Er schrieb, dass wir durch seine Schenkung gewissermaßen Teile ­unserer Krankenkassenbeiträge zurückbekämen.
Didier Achermann war der Ansicht, Oya sei zu billig. »Ein Heft sollte 60 Euro kosten, und das wäre wahrscheinlich noch zu wenig«, schrieb er. »Vermutlich wären 600 Euro angemessen. Mit 4000 Abos hätte Oya dann gut 2 Millionen im Jahr, könnte endlich Mainstream werden und Wahlen überall maßgeblich beinflussen, später auch die Großkonzerne, also die Welt erobern. Das will ja Oya, aber anders – im Herzen.«
Wir ernteten aber auch Unverständnis: »Die letzte Oya-Ausgabe befasste sich von Anfang bis Ende mit nur einem Thema, der einzig­artigen Selbstbeweihräucherung, und dann auch noch mit der Bitte nach mehr Geld verbunden …«

Eine neue Ebene
Tatsächlich hat sich die Redaktion die letzten drei Ausgaben lang selbst befragt: Wie können wir in einer von Krisen gebeutelten Welt eine Zeitschrift herausgeben, ohne genau damit die Strukturen weiter zu stärken, die diese Krisen geschaffen haben? Dazu hinterfragten wir unsere eigene Wirtschaftsweise. Ginge es uns lediglich um mehr Geld, bräuchten wir nur den Preis der Zeitschrift zu erhöhen oder eine Finanzierung für eine große Werbekampagne zu suchen. Das Anliegen hinter unserem Experiment reicht tiefer. Wir wollen eine Art des Wirtschaftens erproben, das die Logik des Bewertens und Verrechnens, des Gewinnens und Verlierens hinter sich lässt: Wir für das Entstehen der Zeitschrift Verantwortliche setzen unserer Arbeit keine Stunden- oder Tagessätze gegenüber. Wir arbeiten aus freien Stücken und hoffen, dass die Leserinnen und Leser aus der gleichen Freiheit heraus bereit sind, diese Arbeit zu würdigen und zu ermöglichen. Geldbeträge sind dabei nur ein Aspekt von vielen – aus naheliegenden Gründen allerdings ein wesentlicher. Doch auch Artikel, Leserbriefe, Recherchen, selbstorganisierte Treffen und Mund-zu-Ohr-Propaganda tragen dazu bei, dass Oya sich weiterentwickeln kann.
Andrea Vetter aus dem Redaktionskreis beschrieb eine langfristige Vision: »Am liebsten wäre mir, wir verschenkten Oya. Alle, die wollen, dass das Projekt existiert, brächten sich mit dem ein, was sie geben könnten.« So ein radikaler Schritt erscheint uns im Moment zu waghalsig. Allein die Kosten für Druck und Versand betragen jährlich knapp 70 000 Euro. Würde das durch freiwillige Beiträge zusammenkommen? Vieleicht ermutigen Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns zu diesem Weg – doch einstweilen verbietet dies die Sorge um die Sicherheit der Oya-Genossenschaft mit ihren mehr als 500 Mitgliedern. Und so umfasst die Oya-Ökonomie derzeit zwei Ebenen, wie die Grafik auf der vorigen Seite zeigt.

Wohin mit dem Geld?
Nun haben wir also 14 699 Euro bekommen. Das ist großartig. Doch ist das viel oder wenig? Wie sollen wir es untereinander verteilen? Wie lange soll es reichen?
Eine erste Runde zu diesem Thema hatte ergeben, dass sich die Einzelnen zur Ermöglichung ihrer Lebensführung monatliche Beträge zwischen 150 und 800 Euro wünschen. Für manche ist Oya die einzige oder wichtigste Einnahmequelle, für andere ist es eines von mehreren Standbeinen, wieder andere haben bereits eine ausreichende Grundversorgung – jede Lebenssituation ist anders. Wir haben uns darauf eingelassen, ohne Honorarverträge zu arbeiten. Stattdessen soll jede und jeder selbst entscheiden, wieviel sie und er im aktuellen Monat aus dem Topf nehmen will.
»Ich finde diese Unterschiede gut«, war das Resümee von ­Maria König nach unserer ersten Geldrunde. »Es ist wichtig, dass wir nicht messen, wer wieviele Stunden zur jeweiligen Ausgabe beigetragen hat. Für mich ist es neu, dass ich meine Arbeit nicht in Rechnung stelle, sondern Teil eines Kreises bin, der füreinander sorgen will. Das ist etwas anderes, als von einer Firma mit einem festen Gehalt versorgt zu werden. Ich muss in diesem Kreis auch für mich selbst sorgen – eine Entscheidung treffen, welche Summe zu mir fließen soll.«
Außer Maria, die akuten Geldbedarf hatte, zögerten zunächst alle, auf den Topf zuzugreifen. Welcher Entnahmebetrag war angesichts der eigenen Bedürfnisse und des keimhaften Stadiums unseres Experiments angemessen? Zur weiteren Verunsicherung trug bei, dass nicht vorhergesagt werden kann, ob in Zukunft weitere solidarische Gaben in den gemeinsamen Finanztopf fließen werden.
In einer Telefonkonferenz wurde deutlich, dass die bisher ­genannten Grundeinkommensbeträge zum Teil unrealistisch ­niedrig gewesen waren. Einige würden gerne mehr Zeit für Oya einsetzen, schrecken aber vor der Vorstellung zurück, tatsächlich einen wesentlichen Teil ihres monatlichen Bedarfs aus dem Oya-Topf zu nehmen. Unser Gespräch blieb so lange von Zurückhaltung und Vorsicht geprägt, bis es Jochen Schilk schließlich zu viel wurde: »Wir arbeiten seit fast einem Jahr daran, ein alternatives Wirtschafts­modell zu finden. Jetzt werden wir von vielen Menschen solidarisch unterstützt – und treten noch immer auf der Stelle!«
Das brach den Bann. Bei aller gebotenen Vorsicht vor Euphorie wollten wir endlich die Fülle feiern. Es ist nicht gesund, sich über zweite und dritte Standbeine zu finanzieren und abends noch ehren­amtlich überanstrengt an Oya zu arbeiten. Selbstausbeutung und enkeltaugliches Leben passen nicht zusammen. Und es ist schön, gelegentlich eine Anschaffung außer der Reihe zu ermöglichen – dieses Mal zum Beispiel für Oya-Grafiker Robert Volkmer. Im April hatte er die Möglichkeit, für 250 Euro eine hundertjährige Feldschmiede zu erwerben. Das – so haben wir es beschlossen – nehmen wir mutig zusätzlich zu seinem Grundeinkommen von 500 Euro aus dem gemeinsamen Topf, schließich unterstützt es unsere Bemühungen zur Selbstversorgung.
Nach unserer gemeinschaftlichen Abstimmung fließen nun für die Monate März und April jeweils 4500 Euro an den dreizehnköpfigen Redaktionskreis. Das bisherige Schenkgeld im Topf reicht also noch einen weiteren Monat. Ein Vierteljahr Oya wurde ermöglicht! Das ist großartig, und wir danken noch einmal allen, die das verwirklicht haben!
Wie soll nun der nächste Schritt in unserem Experiment aussehen? Was tun wir, wenn im Juni nur noch ein paar Hundert Euro im Topf sind? Wir haben Vertrauen, dass es immer eine Lösung geben wird. Finden wir gemeinsam heraus, was zu Oya am besten passt!  


Ideen zum gemeinsamen Oya-Topf
mitdenken@oya-online.de

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