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Begegnung schafft Bewegung

Shake and Share: Die »MoveMakers«-Initiative verbindet und ermutigt Bildungs-Pioniere aus fünf europäischen Ländern.

von Benjamin Kafka , erschienen in 42/2016

Ich habe wieder den Funken gespürt, der mich ursprünglich für die Arbeit im Bildungsbereich entflammt hat!«, resümiert eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen im Projekt »MoveMakers«. Eine bunte Gruppe von Menschen aus vielen Ländern kam Ende 2014 zusammen, um über zwei Jahre hinweg Möglichkeiten eines anderen Lernens zu erforschen.

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© Foto: Sander Hiire

MoveMakers begann als zweijähriges EU-Projekt im Programm »Erasmus+« mit fünf Organisationen aus Estland, Litauen, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland, die sich gemeinsam auf eine Lernreise begeben wollten. Rund 40 Bildungsbegeisterte zwischen 20 und 70 Jahren waren beteiligt – Menschen aus der Erwachsenenbildung, dem öffentlichen Sektor, aus NGOs und Firmen. Manche arbeiten freischaffend als Ärztin, Künstler, Weltenverbinder – ein breites Spektrum also aus formeller und informeller Bildungsarbeit und teilweise von Menschen, deren Tätigkeit nicht primär dem Bildungsbereich zugeordnet würde, bei der Lernen aber eine große Rolle spielt. Unsere gemeinsame Intention war es, die Zukunft des Lernens zu erforschen und herauszufinden, wie wir sie – individuell und gemeinsam – mitgestalten könnten.  

Vielfältige Lernreisen
Unsere Reise führte uns für drei mehrtägige »MoveMaker-Labs« in die Niederlande, nach Dänemark und nach Estland. Zwischendurch gab es lokale Treffen der jeweiligen Gruppen und einen Abstecher nach Berlin. Wir haben eine Vielzahl von Ansätzen, Orga­nisationen und Orten erkundet, um uns inspirieren und irritieren zu lassen. Wir haben in den Niederlanden Co-working-Spaces, Universitäten, Schulen, Think Tanks sowie mehr und weniger alternative Business-Schools besucht. Ein buntes Spektrum von alternativen Bildungslandschaften zeigte sich sowohl an Orten, an denen Menschen gemeinsam an ihren eigenen Projekten arbeiten, als auch bei Pionierinnen und Pionieren in klassischen Universitäten und anderen etablierten Institutionen.
In Dänemark waren wir bei den Kaospiloten – einem kulturkreativen Studiengang, der dazu anregt, individuelle Visionen in die Tat umzusetzen –, und wir konnten eine Woche lang der Idee Nikolaj Grundtvigs, des Begründers der Volkshochschulen (Folkehøj­skole), nachspüren. Auch das, was uns selbst bewegt, stand im Fokus der gemeinsamen Lernreise: Auf der Insel Samsø nahmen wir uns Zeit, zu erforschen, was uns im Innersten beschäftigt, welche Ideen in den nächsten Monaten zu Herzensprojekten werden könnten und welche wir loslassen wollen. »Shake and share« – schütteln (oder manchmal auch: wachrütteln!) und teilen – ist ein inoffizielles Motto von MoveMakers geworden.  
In Estland schließlich haben wir die Früchte unserer Arbeit geteilt – und in der Ruhe von Wald und Sauna die entstandene ­Gemeinschaft gefeiert.

Fragen, Gespräche, Erkenntnisse
Greifbare Ergebnisse der Lernreise waren einerseits Real­experimente, sogenannte Prototypen: Einige MoveMaker entwickelten in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld kleine oder größere Veränderungen. So entstand etwa ein neuartiger Kurs an der Universität Leiden, bei dem Studienabbrecher dazu ermutigt werden, sich ihre eigenen Kurse zusammenzustellen. In der Tiefe war das Projekt aber vor allem von einem Gefühl gemeinsamer Verantwortung getragen – aus Resonanz entstanden und positiv empfunden. Aus »responsibility«, Verantwortung, wurde »we-sponsibility«, gemeinsam getragene soziale Verantwortung.
MoveMaker sind Menschen, deren Arbeit sich ums Lernen dreht und die mit ihren Fragen und Ideen in ihren jeweiligen Insti­tutionen oft alleine sind. Die europäische Initiative war und ist für sie Labor und Garten, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und zu erproben. »Europa hat für mich jetzt Gesichter,« berichtet eine Lehrerin. »Tiefe Freundschaften sind entstanden. Das stärkt meine Zuversicht, dass Leben­digkeit und Menschlichkeit fossile Bildungsstrukturen überall transformieren werden!« Außerdem ist mit MoveMakers ein Ort für persönliche und berufliche Entwicklung entstanden, an dem wir uns über Werte, Inhalte und Methoden unserer Arbeit ausgetauscht haben. Wir haben versucht, unnütze Gewohnheiten zu verlernen – und wir haben unsere Rolle als Agenten des Wandels neu gedacht, mit allen Sinnen tiefer erfasst und verwurzelt. Das essenzielle Element dabei war sicherlich die Vielfalt unserer Gruppe: Wäre MoveMakers ein Salat, bestünde die besondere Würze in der Synergie der Weisheit und Radikalität der 20- bis 70-jährigen Teilnehmenden.

Die Früchte der gemeinsamen Erfahrung 
Viele von uns sehen sich in ihrem Arbeitsumfeld vor die Herausforderung gestellt, ihre Ideen und Erfahrungen von selbstbestimmtem, eigenverantwortlichem Lernen zu vermitteln. In diesem Feld sind während der MoveMaker-Reise mehr Sensibilität und Selbstbewusstsein gewachsen. Ein Reisender erzählt: »Ich bin mit einer ziemlich konkreten und vielleicht etwas engen Vorstellung von Innovation und Lernen zu MoveMakers gekommen – vor allem mit einem Fokus auf Methoden. Jetzt habe ich eine viel breitere Vorstellung davon, was es bedeutet, einen Lern-Raum zu gestalten!« Konkret kann das beispielsweise bedeuten, sich mutiger an ein experimentelles Design von Lehrplänen zu wagen. »Früher hatte ich bloß ein vages Bauchgefühl, dass das gut sein könnte«, meint Diederik Bosscha, einer der Initiatoren von MoveMakers.
Anhand eines atmosphärischen Films sowie zweier selbstgestalteter Bücher kann nun dem Geist, den Menschen und den Ideen von MoveMakers nachgespürt werden. In unserem Blog setzen wir Gespräche fort, die auf den Reisen begonnen wurden.

Ausblick
MoveMakers als EU-gefördertes Projekt ist zu einem Ende gekommen. MoveMakers als Netzwerk von Menschen, MoveMakers als Haltung – als Art zu leben und Lernräume zu schaffen – lebt weiter. Oder wie Thieu Besselink, einer der niederländischen ­MoveMaker, sagt: »Eine Bewegung kann man nicht initiieren – man wird von ihr initiiert, wenn sie bereit ist.« Wir fühlen uns bewegt von MoveMakers – und wir fühlen, dass diese Bewegung anhält und weitergeht. In welcher Form, das ist noch nicht klar; wir sind in eine Art Winterruhe eingetreten. Wir erzählen die Geschichten der vergangenen zwei Jahre – und sind gespannt, was der Frühling bringen wird. Herzlich willkommen! •
 

Benjamin Kafka (37), Mitbegründer von »Impuls«, der ­Berliner »Agentur für angewandte Utopien«, verbindet Ideen und Initiativen, um mit seinen Fragen neue Perspektiven zu öffnen. Er arbeitet als Coach und Berater und ist einer der Initiatoren von MoveMakers. www.impuls.net

Bewegte Geschichten von den Bewegungsmachern:
www.movemakers.eu 

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