Der Inhalt dieser Webseite ist unbezahlbar!

Sie können aber dazu beitragen,
dass hier immer wieder neue Artikel zu lesen sind!

• Ja, ich möchte Oya unterstützen

• Ich unterstütze Oya bereits

• Nein, ich möchte kostenfrei weiterlesen

• Ich möchte ein kostenloses Probeheft bestellen

Bitte wählen Sie hier den Betrag, mit dem Sie Oya unterstützen möchten:



Falls Sie kein PayPal-Konto haben, können Sie natürlich
auch direkt unsere Bankverbindung verwenden:

IBAN: DE96 4306 0967 1112 9897 00 • BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Oya-Online Beitrag

The Wake (Buchbesprechung)

von Matthias Fersterer , erschienen in 41/2016

Das Romandebüt des englischen Journalisten und Umweltaktivisten Paul Kingsnorth ist aus mindestens drei Gründen außergewöhnlich:
Die Herstellung wurde komplett durch Crowdfunding finanziert. Zu den mehr als 400 namentlich genannten Ermöglichern zählen der Kulturanthropologe David Abram und Mark Rylance, Shakespeare-Mime und ehemaliger Direktor des London Globe Theatre, der von dem Stoff so angetan war, dass er sich bereits die Filmrechte gesichert hat.
Kingsnorth wirft einen neuen Blick auf eine wenig verstandene Zeit – die normannische Eroberung Englands: Das Jahr 1066 und den Namen William the Conqueror hat man vielleicht noch aus dem Geschichtsunterricht im Ohr; dass dies jedoch eines der blutigsten Kapitel der englischen Geschichte war und die Weichen für Landraub, Einhegung und Unterdrückung  stellte, die in Form struktureller Gewalt, sozialer Ungleichheit und Eigentumskonzentration bis heute nachwirken, wurde bislang wenig beleuchtet.
Der Roman ist ein Sprachkunstwerk, wie man es nicht oft zu lesen bekommt. Kingsnorth entwickelte eine eigene »Schattensprache«, die konsequent mit Kleinbuchstaben und praktisch ohne Satzzeichen auskommt. So entsteht eine Mischung aus Gegenwartsenglisch und hochmittelalterlichem Angelsächsisch, die den Duktus des Altenglischen für moderne Leser erfahrbar macht. Wenn von fugol statt bird (»Vogel«), esol statt ass (»Esel«) oder geld statt taxes (»Steuern«) die Rede ist, ist man als deutschsprachiger Leser sogar im Vorteil, da das altenglische Vokabular oft näher am heutigen Deutsch als am modernen Englisch ist.
Erzählt wird die Geschichte des freien Bauern buccmaster of holland, dessen Welt von einem Tag auf den anderen kollabiert: Sein Hof und seine Familie werden durch normannische Soldaten vernichtet. Er schließt sich den green men an, einer Gruppe historisch verbürgter Widerstandskämpfer im ostenglischen Marschland, deren Anführer hereward the wake ein Vorbild für die spätere Sagengestalt Robin Hood lieferte. Wer den Ausgang erfahren will, wird nicht umhinkommen, sich mit der eigentümlichen Sprache dieses praktisch unübersetzbaren Buchs vertraut zu machen. Auch wenn man sich dabei anfangs wie ein Leseanfänger fühlen mag – der Einsatz lohnt sich! ◆ 

The Wake
Paul Kingsnorth
Unbound, 2014
384 Seiten
ca. 10 Euro