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Der leise Atem der Zukunft (Buchbesprechung)

von Hanne Tuegel , erschienen in 41/2016

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Ulrich Grober ist ein Autor mit brennender Begeisterung für Natur, Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Philosophie, Sinnfragen. Zuviel des Guten? Nicht, wenn es gelingt, die Themen gut dosiert und spannend zu mischen. In seinem neuen Buch »Der leise Atem der Zukunft« tut Grober das mit einer listigen Einbettung: Er wandert. In den Schwarzwald. In die Autostadt Wolfsburg. Auf eine Halde im Ruhrgebiet. Über Thüringer Obstwiesen. In die Kirche, in der Meister Eckhart wirkte. Und er erzählt seinen Leserinnen und Lesern, was ihm dabei durch den Kopf geht. Leitmotive sind für ihn die Sehnsucht nach dem guten Leben und die »Anatomie der Gier«.
Die Erkundung startet auf den Spuren eines Märchens. »Das kalte Herz« von Wilhelm Hauff ist eine Parabel von Gier und Gefühllosigkeit: Weil ihm unermesslicher Reichtum versprochen wird, tauscht ein armer Köhlerjunge sein Herz gegen einen Stein. Die Erzählung stammt von 1826; da gab es im Schwarzwald neben bitterer Armut glänzenden Wohlstand der Anteilseigner der Holz-Compagnien. Die hatten den verschuldeten Landesherren Konzessionen für den Weißtannen-Wald abgekauft. Um 1800 war ein Drittel des württembergischen Schwarzwalds abgeholzt. Die besten Stämme gelangten nach Holland und wurden zu Planken von Schiffen, in denen man Sklaven und »Colonialwaren« durch die Weltmeere schipperte. Heute ist der Wald als Fichtenforst auferstanden. Kahlschlagprofite kommen inzwischen aus Regenwaldländern, zum Beispiel zur schwäbischen Firma Stihl, der Weltmarktführerin für Kettensägen.
Es sind solche großen Bögen, die dieses Buch so lesenswert machen. Raffiniert verknüpft der Autor kleine und große Zusammenhänge, jongliert gezielt mit Abschweifungen. Occupy und Ötzi, Allmende und Adorno, die Beatles und der Bärlauch – alles findet Platz. Grober teilt sein umfassendes Wissen unaufdringlich, mit Humor und der liebevollen »gelâzenheit« des Meisters Eckhart. Er macht sich keine Illusionen über die expansive »Cowboy Economy«, die noch regiert, aber er zeigt, wo sie bröckelt, und wie unscheinbar und an unerwarteten Orten Modelle wachsen, die mit anderen Werten experimentieren.
Was wird auf Dauer stärker sein – die Gier oder die Biophilie, die »Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen«? In Hauffs Märchen hilft ein Zauberer, den Stein gegen das Herz zurückzutauschen. Grober setzt darauf, dass »im Schoß des Alten das Neue entsteht: Die schimmernde Perle wächst in der harten und rauhen Schale der Muschel heran.« ◆

Der leise Atem der Zukunft
Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise.
Ulrich Grober
oekom, 2016
320 Seiten
19,95 Euro

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