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Rettungswiderstand in Dieulefit (Buchbesprechung)

von Elisabeth Voß , erschienen in 39/2016

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Der erste Band der Reihe »Topographien der Menschlichkeit« des Berliner Vereins Courage gegen Menschenhass ist ein Katalog zur Ausstellung »Rettungswiderstand in Dieulefit«. Er gibt vielfältige Einblicke in die bislang recht unbekannte Geschichte des anti­faschistischen Widerstands in einer kleinen Region im Südosten Frankreichs. »Dieulefit« bedeutet »von Gott gemacht«, und die Menschen in dieser Kleinstadt und dem sie umgebenden Landkreis haben in den Jahren der Besatzung und des mit den Nationalsozialisten kollaborierenden Vichy-Regimes systematisch und zuverlässig mehr als eintausend jüdische Menschen, Kommunistinnen und Widerstandskämpfer – auch aus Deutschland geflüchtete – aufgenommen. So fanden zum Beispiel Kinder von Verfolgten Unterschlupf in den Schulen Beauvallon und Roseraie, an denen zahlreiche in der Illegalität lebende Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten. Die Sekretärin des Bürgermeisters erstellte falsche Personaldokumente, so dass sich die Verfolgten mit einer neuen Identität recht sicher bewegen konnten.
Der Katalog umfasst Alltagsschilderungen und theoretische Beiträge, Porträts herausragender Persönlichkeiten sowie Tagebucheinträge, Gedichte und Fotos. Er zeigt die vielen Aspekte, die zum Gelingen des Rettungswiderstands beitrugen. Fragen des Glaubens und der verschiedenen politischen Überzeugungen und Widerstandspraktiken werden ebenso behandelt wie zum Beispiel die Geschlechterfrage. Es wird nicht verschwiegen, dass mitunter Illegalisierte ausgebeutet wurden, und dass es unter diesen schwierigen Bedingungen auch Konflikte gab. Insgesamt vermittelt sich jedoch der Eindruck eines relativ normalen Alltagslebens in all der Bedrohung, wo es dank des sozialen Zusammenhalts nicht nötig war, dass Menschen monate- oder jahrelang in Kellern versteckt hausen mussten, sondern wo eine ganze Region aufrecht und solidarisch den Alltag bewältigte.
Es berührt und beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit so viele Menschen geholfen haben und dass selbst diejenigen, die ideologisch der Kollaboration nahestanden, ihre Nachbarinnen und Nachbarn nicht denunzierten. Wenn es einmal Razzien gab, dann wurden die Bedrohten rechtzeitig gewarnt und versteckt.
Der Katalog macht neugierig, nicht nur auf die ­Dieulefit-Ausstellung, sondern auch auf die weiteren, die in Vorbereitung sind – unter anderem zum Willkommensdorf Riace im italienischen Kalabrien, das seit 20 Jahren Geflüchtete aufnimmt, und zum Scheitern eines angekündigten Massenmords in Bulgarien zur Zeit des Nationalsozialismus. ◆

Rettungswiderstand in Dieulefit
Bernard Delpal und Anna Tüne (Hg.)
AJZ Druck und Verlag GmbH, 2013
160 Seiten
16,00 Euro

Die Dieulefit-Ausstellung ausleihen: www.topographiendermenschlichkeit.de. Die Riace-Ausstellung wurde am 28. Juni in Regensburg eröffnet (www.bistumsmuseen-regensburg.de).

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