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Die neuen Wilden (Buchbesprechung)

von Farah Lenser , erschienen in 39/2016

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Schon der Titel des Buchs »Die neuen Wilden« erhöht die Leselust und erinnert an andere Wilde der Erneuerung in Kunst und Kultur. Doch was der renommierte britische Wissenschaftsautor Fred Pearce hier an Fakten zum Geschehen in der Natur recherchiert und an überraschenden Perspektiven zu sicher geglaubten Vorstellungen zum Schutz derselben eröffnet, ist wirklich erstaunlich.
Pearce fordert ein neues Verständnis von Ökologie, das sich von tradierten Vorstellungen einer ursprünglichen, von Menschen unberührten Natur und idealen Ökosystemen, die vor Störungen und invasiven Arten geschützt werden müssen, befreit. Das Buch ist auch ein Manifest für einen Neustart unseres Denkens über Natur und ein Erinnern daran, dass »alles fließt« (Heraklit) und sich Natur ständig verändert.
Fred Pearce gilt in bestimmten Naturschutzkreisen immer noch als Ketzer, doch es gibt auch eine Gegenbewegung, die erkannt hat, dass die Formel, wonach heimische Arten gut und eingewanderte nur Störenfriede seien, hinterfragt werden muss – zeigt sich doch mitunter, dass fremde Arten vom Menschen bereits zerstörte Habitate besiedeln und dadurch wieder in ein ökologisches Gleichgewicht bringen. Ein gutes Beispiel dafür ist die giftige »Killeralge« Caulerpa, die angeblich durch die Abwässer der Aquarien eines Meeresmuseums im Mittelmeer eine neue Heimat fand. Ihre Verbreitung und die Verdrängung anderer Arten begann in den 1980er Jahren und wurde von vielen als Beginn einer ökologischen Katastrophe gedeutet. Doch 2013 war Caulerpa so überraschend verschwunden, wie sie aufgetaucht war, und Recherchen legen nahe, dass man ihr Erscheinen als erstes Stadium der ökologischen Gesundung des verdreckten Mittelmeers deuten kann: »Der Alge aus dem Indischen Ozean schmeckten die Abwässer so gut, dass sie sich als effektives Mittel gegen die Verschmutzung erwies.«
Der Autor bestreitet nicht, dass Naturräume vor Eindringlingen, die ihnen schaden, geschützt werden sollten, und er hält es für legitim, eine uns lieb gewordene Wildnis wie die afrikanische Serengeti zu bewahren! Doch seiner Meinung nach sollten wir uns bewusstmachen, dass wir das für uns Menschen tun – so, wie wir schon immer verändernd auf Natur eingewirkt haben.
Natur ist schöpferisch, verschwenderisch, widerstandsfähiger, als wir oft denken, und immer wieder neu – das gilt für den Menschen als ein Teil von ihr natürlich auch. ◆ 

Die neuen Wilden
Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten.
Fred Pearce
oekom, 2016
336 Seiten
22,95 Euro

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