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Wer sein Kind liebt … (Buchbesprechung)

von Anke Caspar-Jürgens , erschienen in 37/2016

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Franziska Klinkigt nimmt es mit geläufigen Redensarten wie auch mit den Beziehungen zwischen uns Menschen genau. Als Psychologin und Mutter von zwei Kindern hat dies bei ihr zur Folge, dass sie sich mit tief verankerten Glaubenssätzen – wie der im Buchtitel angedeuteten, an Martin Luthers Übersetzung eines Bibelverses angelehnten Redensart – nicht zufrieden gibt. So gerät sie an Tabus, die in unserer Kultur quasi heilig und nicht zu hinterfragen sind. Hätten Sie sich vorstellen können, dass die Bibelstelle, auf die sich der Spruch »Wer sein Kind liebt, züchtigt es« bezieht, bei sinnrichtiger Übersetzung »Wer seinen Familienstamm liebt, übernimmt auch die Verantwortung für sein gesundes und der Gemeinschaft förderliches Dasein« lautet? Statt den jungen Menschen zu strafen, soll er also eigentlich gefördert und unterstützt werden! Was bewirkt so eine Fehlinterpretation in den Köpfen und Herzen der Menschen?
Klinkigt beschränkt sich in ihrer Untersuchung von struktureller Gewalt gegenüber jungen Menschen aus psychologischer, medizinischer, soziologischer, juristischer und historischer Sicht auf die Bereiche Stress und Mobbing bzw. deren Auswirkungen auf die Psyche, die Gesundheit und die Lernfreude von Schulkindern. Indem sie einen fiktiven Vater und Psychologen seine alltäglichen Erfahrungen reflektieren lässt, werden ihre Ausführungen lebensnah und lebendig.
Sympathisch sind bei ihrem Plädoyer für ein gewaltfreies ­Miteinanderleben – sowohl im vorliegenden Buch als auch auf www.gewaltohnemich.de – ihr Ver­ständnis und das Einfühlungsvermögen dafür, welche Herausforderung der Wandel einer rund 8000 Jahre alten Kultur der Gewalt und Unterdrückung für jeden von uns bedeutet. Dies verdeutlicht besonders spürbar die Passage, die nach einem erhofften Kulturwandel spielt und in der ein fiktiver Großvater seinem Enkel Gewalt gegegnüber Kindern als etwas Vergangenes erklärt.


Wer sein Kind liebt …
Theorie und Praxis der strukturellen Gewalt.
Franziska ­Klinkigt
tologo verlag 2015, 96 ­Seiten
ISBN 978-3937797373
8,90 Euro

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