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Friede sei mit mir (& dir) (Buchbesprechung)

von Jochen Schilk , erschienen in 37/2016

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Oya hat wiederholt die Suche nach einem neuen Umgang mit dem Tod thematisiert, etwa im letzten Heft mit einem Beitrag über das wohlüberlegte »Sterbefasten«. Es gab Beiträge zur Sterbehilfe oder Tipps zur Patientenverfügung, und die Ausgabe 23 war sogar ganz dem »endlich leben« gewidmet.
Leider hat das bereits 2009 erschienene Buch »Friede sei mit mir (& Dir) – selber sterben statt gestorben werden«, verfasst von Freak-Verleger Werner Pieper, erst nach jenem Todes-Themenheft die Redaktion erreicht – es hätte dort zumindest eine Erwähnung verdient. Obwohl es sich um keine Neuerscheinung handelt, sei es der geneigten Leserschaft hiermit nun doch endlich ans Herz – und nicht erst aufs Sterbebett – gelegt. Denn dies macht der Autor deutlich: Wer bewusst und würdevoll jenen »Höhepunkt des Lebens« (Tim Leary) durch- und erleben möchte, tut unter den gegebenen Umständen der derzeit noch herrschenden Sterbe-Unkultur gut daran, rechtzeitig diverse Vorkehrungen zu treffen.
Justiz, Vorurteil, Psychopathologisierung und Entmündigung, so der eben erst verstorbene Roger Willemsen in seinem Vorwort, machten es dem mündigen, souveränen Indivduum noch immer nicht leicht, sein Lebensende selbstverantwortlich zu gestalten. Als Vertreter der in die Jahre gekommenen kulturrevolutionären 68er-Generation erkennt Pieper in diesem Missstand die ultimative Aufgabe für Seinesgleichen. Am sexuellen Tabu hat man seinerzeit ordentlich gerüttelt. Nun also will er die gesellschaftliche Verkrampfung rund ums Thema Tod angehen, diesmal mittels Aufklärung und Argumenten, nicht so sehr mit Provokation. Und weil denen, die den Freitod wählen, nach wie vor großes Unverständnis entgegen- (oder muss man sagen: hinterher-)schwappt, versucht sich Piepers Buch über weite Strecken an der Rehabilitierung des Notausgangs. Hierbei hat der Autor einen großen Schatz an Zitaten, Fallbeispielen sowie geschichtlichen und anthropologischen Fakten anzubieten. Das Büchner-Zitat »Der Selbstmord ist in der Tat als höchster Ausdruck der menschlichen Freiheit interpretierbar« drückt ein Conrad Schnitzler so aus: »Das glück, zu wissen, wie man sich um die ecke bringen kann, auch ohne ne schlimme krankheit mit schmerzen und soo, ist freiheit schlechthin [sic].«
Dabei geht es aber keineswegs nur um die Normalisierung im Umgang mit Lebensmüden oder um Möglichkeiten für die eigene Entleibung. Werner ­Piepers Buch zum »selber Sterben« bietet Informationen zu allen Aspekten eines würdevollen Abschieds aus ­dieser Welt. 

Friede sei mit mir (& Dir)
Selber sterben statt
gestorben werden.
Werner Pieper
The Grüne Kraft, 2009, 250 Seiten
ISBN 978-3922708452
15,00 Euro

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