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Die SEKEM-Symphonie (Buchbesprechung)

von Jochen Schilk , erschienen in 34/2015

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Vielleicht kennen Sie den Spielfilm »Fitzcarraldo« von 1982, der vom verrückten Unterfangen eines von Klaus Kinski gespielten Mannes handelt, einen Raddampfer von einem Amazonasfluss über einen Berg hinweg in einen anderen Fluss zu überführen. Noch beeindruckender als der Spielfilm ist das Making-of: Regisseur Werner Herzog zeigt darin die gigantischen Schwierigkeiten, den realen Dampfer für die 1977 begonnenen Dreharbeiten abseits der Zivilisation über den sehr realen Berg zu schleppen (und nebenbei noch mit den Himalaya-großen Macken des Hauptdarstellers sowie mit den ungewohnten Gepflogenheiten der indianischen Komparsen zurechtzukommen).
Wo nur nehmen manche Leute die Visions- und Schaffenskraft her, um derartige Pläne gegen alle ­Widerstände zu einem glücklichen Ende zu führen?
Diese Frage habe ich mir beim Lesen von Ibrahim Abouleishs Buch »Die Sekem-Symphonie« immer wieder voller Bewunderung gestellt. In dem 180-seitigen Bericht beschreibt der Träger des Alternativen Nobelpreises zunächst seine Kindheit und Jugend in Ägypten, das Studium in Österreich, seine Begegnung mit der Anthroposophie – und dann natürlich die Geschichte vom Aufbau seines in jeder Hinsicht ganzheitlichen Sozialunternehmens an einem staubigen Wüstenort nordöstlich von Kairo ab 1977. Abouleish sagt, Selbstvertrauen und die Kraft des Glaubens hätten ihm geholfen, das lebensfeindliche Gelände nach und nach in eine Oase zu verwandeln, um dort zunächst Heilpflanzen und biodynamisches Gemüse anzubauen. Neben ökologischen Widerständen sah er sich immer wieder mit der Aufgabe konfrontiert, das gedeihende Unternehmen durch die schwierigen politischen und sozialen Zustände im Land zu navigieren und religiöse Eiferer in Schach zu halten. Weil die Pestizidbehandlungen auf den Baumwollfeldern alle Bemühungen in Sachen Biolandwirtschaft verunmöglichten, machte sich der Öko-Moslem sogar an die Aufgabe, zu zeigen, dass biologischer Pflanzenschutz die Agrochemie ersetzen kann – und erreichte ein landesweites Verbot konventioneller Pestizide!
Zutiefst ermutigend ist es, zu lesen, welch schöne Utopie Abouleish mit dem Sekem-Organismus verwirklicht hat. Nicht nur um Wüstenbegrünung geht es dem Visionär, um Bioanbau oder den Beweis, dass Wirtschaft im Einvernehmen von Produzenten, Händlern und Konsumenten fruchtbarer ist als der auf Eigennutz ausgerichtete Kapitalismus. Am Herzen liegen ihm insbesondere die Menschen. Wo einst Wüste, soziale Degeneration und Perspektivlosigkeit herrschten, leben, lernen und arbeiten nun Tausende. Das Wirtschaftsleben in Sekem ist in Balance mit Bildung und Kultur. Die Siedlung umfasst heute neben Agrar- und Weiterverarbeitungsbetrieben auch vorbildliche medizinische, pädagogische und kulturelle Einrichtungen. Inspirierend! ◆

Die Sekem-Symphonie
Nachhaltige Entwicklung für ­Ägypten in weltweiter Vernetzung.
Ibrahim Abouleish
Info3-Verlag, 2015, 192 Seiten
ISBN 978-3957790279
19,80 Euro

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