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Solidarisch und regional

Beim Westerwälder Initiativen- und Betriebe-Netz ­»WIBeN« wird gegenseitige Unterstützung groß­geschrieben – und das schon seit 30 Jahren!

von Elisabeth Voß , erschienen in 34/2015

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Im »Westerwälder Initiativen- und Betriebe-Netz« (WIBeN) arbeiten etwa 90 Selbständige und Kleinunternehmen aus Handwerk und Handel, Medien und Beratung, Gesundheit und Bildung zusammen. Die Ursprünge von WIBeN liegen in den 1980er-Jahren. Eine Gruppe engagierter junger Menschen aus dem Westerwald reiste im Sommer 1984 nach Oberursel bei Frankfurt am Main und besuchte die Projektemesse »Ökologisch leben, friedlich arbeiten in einer selbstbestimmten Gesellschaft«. Diese fand auf dem Gelände der ASH Krebsmühle statt – ASH stand für »Arbeiterselbsthilfe« –, die damals ein selbstverwaltetes Lebens- und Arbeitsprojekt war. Menschen aus mehr als 200 Kollektivbetrieben und Projekten diskutierten auf der Messe über den Aufbau gemeinsamer Strukturen.
Inspiriert von den Erlebnissen in Oberursel wollten die Wester­wälderinnen und Westerwälder in ihrer Region etwas Ähnliches organisieren. Sie hatten bereits einen Bildungs- und Kulturverein gegründet. Diesem stellte die Kirche ein leerstehendes Haus mit einem verwilderten Garten zur Verfügung. Dort fand 1985 die erste Projektemesse im Westerwald statt. An dieser »Projekta ’85« beteiligten sich etwa 30 ökologische und genossenschaftliche Betriebe und Projekte aus der Region. Eines der ersten Windenergieunternehmen präsentierte seinen Prototyp. Es gab ­Solarkocher, Wintergärten aus Recyclingmaterial, eine kleine Ziegenherde und vieles mehr. Die Messe traf den Zeitgeist – es kamen 2000 Menschen auf der Suche nach ökologischen und sozialen Alternativen in der Wirtschaft. Dies war der Beginn von WIBeN. Die Initiatorinnen und Initiatoren waren von der Resonanz überwältigt. Das gab ihnen Aufwind, ihre Idee eines Bildungs- und Kulturzentrums tatsächlich umzusetzen. Sie mieteten das Grundstück von der Kirche, sanierten das Gebäude und richteten es – gemeinsam mit einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Messe – als soziokulturelles Zentrum her. Ausgehend von diesem »Haus Felsenkeller«, entwickelte sich das Netzwerk WIBeN, das 1989 in Form eines Vereins institutionalisiert wurde. Von Anfang an war es den Beteiligten wichtig, untereinander solidarisch zu sein und im Sinn der gemeinsamen sozialen und ökologischen Ziele auch politisch nach außen zu wirken.
Als im April 1986 der Atomunfall in Tschernobyl passierte, war die Gruppe mit der Sanierung des Hauses beschäftigt, aber allen war klar, dass sie etwas tun mussten. So organisierten sie eine Veranstaltung in der Stadthalle und luden »Ärzte gegen Atom« ein, damit sie über den radioaktiven Fallout aufklärten. Das schürte auch Ängste und weckte Zweifel, ob es überhaupt noch sinnvoll sei, auf verseuchter Erde ökologisch anzubauen. Gegen die drohende Resignation half eine zweite Projektemesse im Herbst 1986 zur Eröffnung von Haus Felsenkeller unter dem Motto »Jetzt erst recht!«. Im Café des Hauses wurden selbstverständlich Produkte von lokalen Biobauern und -bäuerinnen verwendet.

Projekteschmiede WIBeN
WIBeN ist ein kreativer Humus, auf dem vielfältigste Projekte gedeihen können – sofern sich genügend Verantwortliche dafür finden. Anfangs war es den Beteiligten wichtig, sich als Selbständige, die oft als Subunternehmer für andere Handwerksbetriebe arbeiteten, gemeinschaftlich abzusichern. So schloss der Verein mit einem ökologischen Versicherungsunternehmen einen günstigen Gruppenvertrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Ein zentrales Thema war von Anfang an die Energiefrage. Als die Große Koalition 2010 die Laufzeit deutscher Atomkraftwerke verlängern wollte, verschob WIBeN seine Mitgliederversammlung, denn es gab Dringenderes: Ein Schwung WIBeNs fuhr mit dem Busunternehmer Andreas Krone, einem – mittlerweile verstorbenen – Mitglied des Netzwerks, ins Wendland zur Demonstration. Sie übernachteten gemeinsam in der Scheune eines Biohofs und genossen die Gastfreundschaft. Im Camp von »X-tausendmal quer« gab es viel zu tun: Essen vorbereiten, Toiletten putzen und was sonst noch nötig war. Alle packten mit an. Die Physiotherapeutin Marion Schochow erinnert sich: »Es tat gut, zu sehen, dass es so viele junge, engagierte Menschen gab – nicht nur, aber sehr viele junge – und mit welcher Ruhe und Entschlossenheit diese vielen Menschen zur Straßenblockade loszogen. Das hat mich sehr berührt.« Solche gemeinsamen Erlebnisse schweißten zusammen, machten euphorisch und gaben Anregungen für weitere politische Aktionen.
Das energiepolitische Engagement von WIBeN äußert sich nicht nur in Protesten, sondern auch in Projekten. So wurde 2012 die Maxwäll-Energie Genossenschaft eG unter maßgeblicher Beteiligung von WIBeN-Mitgliedern gegründet. Sie produziert im Westerwald Solarstrom.
Es gab auch einmal eine eigene Währung im WIBeN. 40 Mitglieder verrechneten ihre Leistungen untereinander nicht mehr in Euro, sondern in »Brodeinheit«, kurz BE. Alle Beteiligten bekamen Karten, auf denen sie eintragen konnten, was sie für andere getan hatten, und wie viele BE das wert war. Die oder der andere musste das gegenzeichnen – ein Ausstieg aus dem Geld- und Zinssystem im Kleinen. Aber vielleicht war es zu klein, oder die Unternehmen waren zu weit voneinander entfernt – es kam jedenfalls nicht so richtig in Gang. Jörg Lerner, der seit 1982 die Druckerei Mühlsteyn betreibt, berichtet enttäuscht, dass am Schluss alle nur noch ihre BE zum Biohof oder ins Café getragen haben. Niemand ließ etwas drucken oder vergab einen handwerklichen Auftrag. Es nützte auch nichts, dass irgendwann Regiogeld-Scheine gedruckt wurden. Das Projekt wurde 2014 erstmal auf Eis gelegt.
Aus einer Regionalentwicklungs-Arbeitsgruppe entstand jedoch der Regionalladen Unikum in Altenkirchen, der seine Türen erstmals im Februar 2014 öffnete. Auf 110 Quadratmetern können lokale Anbieterinnen und Anbieter Regalfächer anmieten, in denen sie Lebensmittel, Kunst und Kunsthandwerk anbieten. Der Laden wird von 30 Ehrenamtlichen betrieben und beschäftigt eine Koordinatorin in Teilzeit.

WIBeNs helfen (nicht nur) WIBeNs
Kleine Unternehmen brauchen oft kurzfristig Geld, um zum Beispiel im Handwerk Aufträge vorzufinanzieren oder in der Landwirtschaft die Zeit bis zur Auszahlung von Subventionen zu überbrücken. Oder das Finanzamt verlangt mit kurzer Frist eine Steuernachzahlung. Auch bei kleineren Investitionen können Verhandlungen mit der Bank mühsam sein, Überziehungskredite sind teuer und irgendwann ausgereizt. Um sich in solchen Situationen gegenseitig zu unterstützen, gründeten WIBeN-Mitglieder Ende der 1980er Jahre einen »Feuerwehrfonds«. Dieser speist sich aus monatlichen Einlagen der Beteiligten in Höhe von 10 bis 50 Euro. Mittlerweile hat der Fonds mit fast 50 Beitragenden ein Volumen von 160 000 Euro. Wer Geld benötigt, stellt einen Antrag an die Fondsversammlung. »Der Feuerwehrfonds funktioniert letztlich darüber, dass sich die Mitglieder kennen. Dadurch baut sich Vertrauen auf«, erläutert Jürgen Salowsky, einer der beiden Geschäftsführer. »Wer Geld beantragt, muss sich ganz schön nackig machen. Auf der Versammlung werden manchmal Fragen gestellt, die viel weiter gehen, als eine Bank je fragen würde – bis tief ins Persönliche.« Es werden maximal 20 000 Euro für vier Jahre vergeben – zinsfrei aus Überzeugung, aber gegen eine Bearbeitungsgebühr. Eine Patin oder ein Pate begleitet die Geldvergabe bis zur Rückzahlung. Antragstellende sind oft jüngere Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit ihrer beruflichen Selbständigkeit vor vielen praktischen Fragen stehen, so dass eine solche Patenschaft eine willkommene Unterstützung darstellt. In all den Jahren wurden erst zwei Finanzierungsanträge abgelehnt, und noch nie kam es zu einem Ausfall.
Nach dem Muster des Feuerwehrfonds, der für betriebliche Belange eingerichtet wurde, gründeten einige WIBeNs vor ein paar Jahren einen Gesundheits- und Sozialfonds (GeSoFo) für persönliche Belange. Dieser springt zum Beispiel ein, wenn Mitglieder alternativmedizinische Leistungen in Anspruch nehmen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Wer eine private Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung abgeschlossen hat, kann diese im Bedarfsfall aus dem GeSoFo vorfinanzieren. Dadurch bleiben die Versicherungsbeiträge relativ günstig.
Jenseits dieser formalen Solidaritätsstrukturen helfen sich die WIBeNs auch spontan, packen zum Beispiel mit an, wenn ein Mitglied renoviert oder größere Aufräumarbeiten bewältigen muss, oder sie sammeln Geld bei Notfällen. Darüber hinaus bemühen sie sich auch um einen solidarischen Umgang mit den Menschen in ihrer Region. Jürgen Salowsky zum Beispiel hat seit 30 Jahren einen kleinen Betrieb für Dämmtechnik. Über seine Zusammenarbeit mit Unternehmen außerhalb von WIBeN sagt er: »Ich versuche, mit den Isofloc-Kollegen zu kooperieren. Zum Beispiel verkaufe ich Material an benachbarte Betriebe und gebe dabei Rabatte, die die einzelnen sonst nicht bekommen würden. Teilweise tauschen wir auch Materialien, wenn aufgrund von Lieferzeiten keine zu bekommen sind. Wir stehen im Wettbewerb zueinander, das fordert uns heraus und hilft uns, besser zu werden. Aber es ist wichtig, das nicht zu weit zu treiben und den anderen auch etwas zu gönnen. Ein Wettbewerb nur über den Preis wäre zerstörerisch.«
Bis vor wenigen Jahren organisierte Jörg Lerner regelmäßig Soli-Baustellen in befreundeten Projekten. So halfen WIBeN-Mitglieder zum Beispiel bei der Renovierung des Kulturprojekts Schloß Batzdorf bei Dresden, beim Ausbau des Projektzentrums Ökohof in Neustadt an der Weinstraße und über viele Jahre auf Baustellen im französischen Dorf Viller, gemeinsam mit dem Projekteverbund »Solidair« aus den Niederlanden. So kam eines Tages auch eine Gruppe aus den Niederlanden in den Westerwald und half bei Renovierungsarbeiten im Haus von Bernhard Paul, der von Anfang an einer der aktivsten Soli-Bauarbeiter war. Hermann Nick, ebenfalls ein WIBeN-Urgestein, wirbt im Rahmen von WIBeN um Spenden für Menschen in Afrika. Mit dem GeSoFo hat er aktuell einen »Spenden- und Unterstützungsfonds für Flüchtlinge und Migranten im Westerwald« ins Leben gerufen. Zum Projektstart organisierte er einen WIBeN-Stammtisch. Den kann jedes Mitglied einberufen, wenn es ein Thema diskutieren, einen Ausflug anbieten oder einfach feiern möchte. Wer mag, kann dazu auch öffentlich einladen.

»WIBeN ist nicht einfach«
Als »Grundsätze des Miteinanderumgehens« hat WIBeN in seiner Satzung »Wohlwollen, Vertrauen und Kooperation« festgelegt. Aber selbstverständlich läuft nicht immer alles glatt, Konflikte bleiben nicht aus. Die schmerzlichsten Auseinandersetzungen sind Trennungen, sowohl von Geschäftspartnerinnen und -partnern als auch in Lebensgemeinschaften. Für das soziale Umfeld ist es immer schwierig, sich nicht auf eine Seite ziehen zu lassen, aber sich auch nicht vollkommen zurückzuziehen. Das gilt insbesondere für ein Geflecht von Betrieben und Projekten. Ungeklärt ist, ob sich WIBeN bei Konflikten zwischen Mitgliedern immer neutral verhalten sollte, oder ob sich das Netzwerk zu gegebener Zeit positionieren, möglicherweise sogar ein Mitglied ausschließen sollte. Bisher wurde meist versucht, zu schlichten. Das ist nicht immer gelungen, und es gibt noch kein verabredetes Verfahren für solche Fälle. Der Feuerwehrfonds kann helfen, zumindest die finanziellen Folgen, zum Beispiel von Trennungen, abzufedern.
Ärger kann es auch geben, wenn jemand unabgesprochen im Namen von WIBeN agiert. Vor einigen Jahren gab es aufgrund eines solchen Vorfalls derart viel Streit, dass der Vorstand sich entschied, erst einmal Ordnung ins Chaos zu bringen, um das Vereinsleben am Laufen zu halten. Um zumindest formal klare Verhältnisse zu haben, erarbeitete er eine Geschäftsordnung. Nach drei Jahren wollte er die Arbeit wieder abgeben, so dass in diesem Frühjahr ein neuer Vorstand gewählt wurde. Nun, wo alles wieder in ruhigerem Fahrwasser ist, wünschen sich viele Mitglieder, dass es wieder mehr gemeinsame Aktivitäten gibt. Die neue Vorständin und Mitgründerin von Haus Felsenkeller, Margret Staal, räumt jedoch ein: »Mit den Konflikten ist etwas kaputtgegangen. Wir sind vorsichtiger geworden, manche haben sich zurückgezogen.«
Auch Marion Schochow, die dem letzten Vorstand angehörte, hat tiefe Enttäuschungen erlebt, betont aber die besondere Qualität von WIBeN: »Wir sind Idealisten mit einer hohen Gesprächskultur. Das fällt auf, wenn wir uns in anderen Gremien bewegen. Leider schaffen wir es nicht, alles umzusetzen, was uns beschäftigt …« Das bedauert auch Jörg Lerner, der ebenfalls im letzten Vorstand war: »WIBeN ist nicht einfach. Ich bin ein Macher, ich möchte etwas Praktisches umsetzen. Hier wird oft zu viel geredet, statt einfach anzufangen.« So liegt zum Beispiel die Idee, ein Projekt für gemeinsames Wohnen im Alter auf die Beine zu stellen, seit längerer Zeit brach, weniger aus Desinteresse, sondern weil – wie überall – auch die WIBeN-Mitglieder unter zunehmendem Stress und Überarbeitung zu leiden haben; alle müssen zusehen, dass sie über die Runden kommen. Für das Gemeinsame bleibt da nicht viel Raum.

Blick zurück und nach vorn
Jörg Lerner erinnert sich: »Am Anfang haben wir diskutiert, ob wir überhaupt Leute aufnehmen, die mit Computern arbeiten.« Die Ansprüche an neue Mitgliedsbetriebe waren hoch; sie sollten ökologisch, genossenschaftlich und sozial wirtschaften. Das wurde allerdings nicht nach formalen Kriterien überprüft. Die Mitarbeit in Parteien und politischen Gremien haben damals wohl fast alle abgelehnt. Heute wirken WIBeN-Mitglieder in Orts- und Verbandsgemeinderäten mit oder werden sogar als Ortsbürgermeister gewählt. Die Ansprüche sind geblieben, aber weniger eng und verbissen. Fast alle fahren Auto – das ist bei den Entfernungen kaum anders möglich. Politische Aktionen haben vielleicht »nicht mehr den gleichen Esprit wie zum Beispiel damals bei Tschernobyl«, räumt Margret Staal ein, aber dafür »wirken wir durch unsere Art zu leben, dem Mantra ›Immer höher, immer mehr‹ doch eher abgewandt. Heute fragen wir: Was brauchen wir wirklich, was trägt zur Zufriedenheit und einem Grundmaß an gutem Leben bei?«
Vielleicht sind die WIBeN-Mitglieder heute mehr in die Gesellschaft integriert. Aber die Gesellschaft hat sich ebenso verändert, ist offener geworden. »Es gibt in der Freizeit viel weniger das Bedürfnis, sich in den ›eigenen Kreisen‹ zu bewegen«, sagt Marion Schochow. Dies sei jedoch kein Verlust, sondern »einfach eine Veränderung. Es kommen andere Leute dazu, das finde ich gut. Aber mir fehlt die Jugend.« Ihre Tochter Anna Schochow ist in WIBeN aufgewachsen und zurückgekommen, nachdem sie auswärts studiert hatte. Sie ist eines der wenigen jungen Mitglieder und organisiert jetzt die WIBeN-Geschäftsstelle. Die Jüngeren, die dazukommen, stammen meist aus dem persönlichen Umfeld von Mitgliedern. So trat zum Beispiel vor kurzem der Maurer Jörg Baier dem Netzwerk bei. Er hat in den 1990er Jahren seine Lehre bei dem WIBeN-Mitgliedsbetrieb Paul & Partner gemacht. Seither hielt er den Kontakt und nahm am Wochenende des Netzwerks im Februar 2015 teil. Neben der Mitgliederversammlung ist das WIBeN-Wochenende ein jährlicher Höhepunkt. In den letzten Jahren ging es dabei um Konfliktbewäl­tigung, aber auch um neue Projektideen. Diesmal sollte es nur entspannend und angenehm sein. Gut dreißig Erwachsene und neun Kinder fuhren ins Tagungshaus Brückenmühle in Roes und fertigten Kunstinstallationen in der Natur an, meditierten und praktizierten Felden­krais-Übungen. Jörg Baier trat anschließend dem Verein bei: »Mich verbindet mit WIBeN eine ganz lange Zeit; ich erinnere mich auch noch an die Anfänge in Viller. WIBeN ist ein netter Haufen, und über meine Mitgliedschaft habe ich sogar schon einen Auftrag bekommen.« Rebecca Staal, Tochter von Margret Staal und Veranstaltungskauffrau, ist ein weiteres junges Mitglied. Sie arbeitet seit fünf Jahren selbständig als Künstleragentin mit dem Schwerpunkt Poetry Slam und Kabarett sowie als Veranstalterin für Straßentheater-Festivals. Sie betont: »Ich bin bei WIBeN, weil ich die Gemeinschaft der Leute schätze. Zudem bin ich überzeugte Westerwälderin und somit an Regionalentwicklung und den damit verbundenen ökologischen Themen interessiert.«
Neue können anfangs nur Fördermitglieder werden. Um ganz dabei zu sein, müssen sie sich den Fragen der Mitgliederversammlung stellen, denn Karteileichen sind nicht erwünscht. Margret Staal wünscht sich für die Zukunft von WIBeN, »dass es wieder eine breitere Beteiligung bei den Leuten gibt, und dass sie erkennen, wie wichtig ein solches Netzwerk mit seinen konkreten Unterstützungsmaßnahmen auch für die Einzelnen ist.«
Zum 30-jährigen Jubiläum möchten einige ­WIBeN-Mitglieder am 10. Oktober nach Berlin fahren – zur großen Demonstration gegen das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen TTIP. Ihre Region und deren weitere soziale und ökologische Entwicklung wäre nämlich durch dieses Abkommen mit seinen weitreichenden Rechten für Konzerne bedroht. Aber selbstverständlich soll es auch ein Fest zum Geburtstag des Netzwerks geben, klein und fein, für die Mitglieder und ihre Freundinnen und Freunde. •

 

Elisabeth Voß (60) publiziert, unterrichtet und berät zu Selbstorgani­sation und alternativem Wirtschaften. Sie verfasste den »Wegweiser ­Solidarische Ökonomie«. www.voss.solioeko.de

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