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Lasst die Kinder spielen

von Clara Steinkellner , erschienen in 15/2012

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Spielen bildet

»Lasst die Kinder spielen!« – Dieser Sammelband mit vier Essays und einem Interview ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Wert des Spiels in einer Gesellschaft, der die Spielräume abhandenzukommen drohen. Herausgeber Albert Vinzens macht den Leser unter anderem mit den Kindheitserfahrungen des amerikanischen Intellektuellen Noam Chomsky in der »Oak Lane Country Day School« bekannt – ein Ort, an dem die Kinder buchstäblich tun konnten, was sie wollten. Er führt auch eine Tagebuchnotiz von Montesquieu an, in der dieser den besonderen Zustand von uns Menschen in den ersten sieben Jahren beschreibt und absolute Zurückhaltung empfiehlt: »Man lasse sie nichts Schlechtes sehen! Etwas anderes braucht man nicht zu tun.« Allenfalls dürfe man Kinder »unterhalten, worin die einzige Seligkeit dieses Alters besteht«. Ist das in PISA-Zeiten noch aktuell?
Werner Kuhfuss spricht etwas anderes an: die paradoxe Bedingung des Nicht-Lehrer-Sein-Wollens als Qualitätskriterium für Pädagogen. Manfred Schulze wiederum skizziert den Zusammenhang zwischen der sinnerfüllten, kreativen, pflegenden Arbeit der Erwachsenen und dem Spiel der Kinder: Beides folgt einem Willen, der im besten Sinn frei ist. Der schönste »Spielplatz« ist nicht der extra für Kinder geplante Kletterturm, sondern die Werkstatt oder der Bauernhof, wo Erfahrungsräume eröffnet und Arbeitsprozesse erlebbar werden. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch Schule neu gedacht: Wie gestalten wir »echte« Arbeitszusammenhänge, in denen gleichzeitig Lernen möglich ist?
Das Buch verknüpft viele kulturwissenschaftliche Fäden – von der Erziehung Parsivals und Goethes »pädagogischer Provinz« bis zu Steiners Heilpädagogischem Kurs und Rebeca Wilds pädagogischen Ansätzen –­­ miteinander und lässt sie aktuell werden. Zudem ist es spannend, ja manchmal sogar poetisch geschrieben und »spielend« zu lesen.

Lasst die Kinder spielen
Wie das Spiel den Menschen bildet
Albert Vinzens (Herausgeber)
Verlag Freies Geistesleben, 2011
256 Seiten
ISBN 978-3772524684
19,90 Euro

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