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Anständig leben

von Christina Stange , erschienen in 27/2014

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Nur ein Abenteuer?

Sarah Schill berichtet in ihrem locker aufgemachten Buch »Anständig leben« über den ernsthaften Versuch, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern  – mit einem Monat veganem, plastiklosem und bewusstem Konsum. Oder ist es doch nicht ernstgemeint, sondern dient nur der Unterhaltung und dem Fazit eines vergeblichen Bemühens, als einzelne die Welt zu retten?
An der Oberfläche kratzen können wir mit »Jute statt Plastik« – und ob der Kunststoffgummi um den Schnittlauch im Biomarkt ausschlaggebend ist oder nicht, sei dahingestellt. Zweifelsohne verändert sich das persönliche Bewusstsein durch ein solches Experiment; der Blick wird geschärft, und überflüssige Verpackungen oder Marketingstrategien fallen denen, die sich auf den Weg machen, plötzlich ins Auge. Es sind letztlich die ganz normalen Konsumenten, die durch ihr Verhalten auf Gesellschaft und Politik Einfluss nehmen, um auch bei den »Großen« einen Richtungswechsel erreichen zu können. Ob das ausreicht?
Leicht, locker und übersichtlich geschrieben und –  wie die Autorin immer wieder deutlich macht – sehr subjektiv: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden Themen angeschnitten, die für viele Menschen noch fremd sind. So fließen knappe Erklärungen zu Niko Paech, Jonathan Safran Foer, Foodsharing und CSA mit ein und wecken Neugier, mehr über diese seltsame und fremde Welt der Nachhaltigkeitsszene zu erfahren.
Ich habe mich bei der Lektüre gefragt, was Sarah Schill bezwecken will. So, wie sie selbst zwischen den Welten zerrissen ist und sich noch längst nicht eindeutig positioniert hat, muss wohl auch die Zielgruppe ihres Buchs sein, die irgendwo etwas von Massentierhaltung und gentechnisch veränderten Zusatzstoffen gehört hat und nun »unter Freundinnen« ein bisschen aufgeklärt wird. Sich wirklich auf die neue Seite zu schlagen, ist der Autorin nicht geheuer  – dazu hängt sie noch zu sehr im hippen Leben.
Was oft wirklich witzig zu lesen ist, wirkt zum Teil auch aufgesetzt – eine gewollte Distanzierung zu denen, für die Nachhaltigkeit oder veganes Leben kein Monatsexperiment mehr sind. Sarah Schill nimmt den Blick von außen ein, der ja oft hilfreich sein kann. Vielleicht übertreibt sie hin und wieder ihre Betrachtung für ein paar Kalauer mehr; gleichwohl ist aber genau dieser uneindeutige Zustand, in dem sie sich befindet, äußerst erfrischend.
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, Tränen gelacht und auch neue Impulse bekommen. Gegen Ende bleibt ein leichter Nachgeschmack, ob der Selbstversuch für die Autorin nicht doch bloß ein Abenteuer war, um ihr schlechtes Gewissen zeitweise und halbherzig zu beruhigen. Das wäre schade, aber ehrlich.

Anständig leben
Mein Selbstversuch rund um ­Massenkonsum, Plastikmüll und glückliche Schweine.
Sarah Schill
Südwest-Verlag, 2014, 224 Seiten
ISBN 978-3517089911
14,99 Euro

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