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Geist und Kosmos

von Grit Fröhlich , erschienen in 28/2014

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Erhärtete Zweifel am Grundkonsens

Wer hat nicht schon einmal über die Ordnung der Natur gestaunt und sich gefragt, ob all dies wirklich durch Zufall entstehen konnte? Dass man Zweifel an der neodarwinistischen Weltsicht haben kann, ohne an einen Gott zu glauben, zeigt der 1937 geborene US-amerikanische Philosoph Thomas Nagel. Auf hohem akademischen Niveau wagt er es, den Grundkonsens der heutigen Wissenschaft in Frage zu stellen.
Nagel beklagt, dass die Naturwissenschaften nicht erklären können, wie Lebewesen mit Bewusstsein entstanden sind. Er kritisiert die neodarwinistische Theorie, der zufolge sich Bewusstsein auf rein physische Ursachen zurückführen lässt und sich zufällig im Lauf der Evolution bildete. Oft läuft seine Kritik darauf hinaus, dass die Vertreter dieser Theorie unlogisch argumentierten. Das Interessante an der nicht immer kurzweiligen Lektüre ist, dass hier ein renommierter Philosoph sehr fundierte Argumente gegen den Neodarwinismus sammelt. Anders als die oft belächelten Angriffe religiöser Kreationisten auf die Evolutionstheorie wird Nagels Logik so schnell kein Wissenschaftler beiseitewischen können.
Dem Autor geht es – wohlgemerkt – nicht darum, Lösungen anzubieten, sondern um die Anerkennung der Tatsache, dass die heutige Wissenschaft ein Problem hat. Es klingt jedoch an, wie für ihn eine alternative Theorie der Welt aussehen müsste – und hier wird es spannend! Nagel ist der Ansicht, dass Geist nicht erst auf einer höheren Stufe der Evolution durch Zufall entstanden sein kann, sondern dass der Natur von Anfang an die Tendenz innewohnt, Wesen hervorzubringen, die in der Lage sind, sie zu begreifen. Er vertritt eine Position des Panpsychismus: Alles, ob lebendig oder nicht, besteht aus Elementen, die sowohl physisch als auch geistig sind. Ihm zufolge hat die Natur eine innere Ordnung, die teleologischen Gesetzen folgt: Leben entwickelt sich nicht zufällig, sondern zielgerichtet. Das habe nichts mit dem Glauben zu tun, dass hinter der Naturordnung ein Gott stehe. Vielmehr seien es Gesetze der Selbstorganisation der Materie sowie der darin integrierten psychischen Elemente. Das Universum neige von sich aus dazu, Leben und Geist zu erzeugen. Eine wichtige Triebkraft der Evolution von Leben seien dabei Werte; denn Lebewesen haben ein Wohl und Wehe – Dinge können gut oder schlecht für sie sein. Eine wertfreie Chemie und Physik sehe nur die halbe Welt.
Dieses Buch ist sicher keine Lektüre für nebenbei – und leider steht die deutsche Übersetzung dem Verständnis manchmal im Weg. Nagels Kritik zu durchdenken, lohnt sich aber unbedingt für alle, die das herrschende Weltbild nicht zufriedenstellt und die seriöse Argumente jenseits von Theologie und Esoterik schätzen.

Geist und Kosmos
Warum die materialistische
neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist.
Thomas Nagel
Suhrkamp 2013, 187 Seiten
ISBN 978-3518586013
24,95 Euro

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