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Demokratie!

von Matthias Fersterer , erschienen in 22/2013

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Nachdem sie sich mit »Empire«, »Multitude« und »Common Wealth« als Starintellektuelle der globalisierungskritischen Bewegungen etabliert haben, legen der US-Literaturwissenschaftler Michael Hardt und der italienische Politphilosoph Antonio ­Negri mit »­Demokratie!« eine kurze Grundsatzerklärung vor.
Ausgehend von den Protesten im Arabischen Frühling, von Occupy und den Indignados identifizieren sie vier Rollen oder Abhängigkeiten, die in die gegenwärtigen Krisen führen: »die Verschuldeten«, »die Vernetzten«, »die Verwahrten«, »die Vertretenen«. Hier erweist sich der Titel des Buchs als Forderung nach etwas, das nicht mit real existierenden Demokratien verwechselt werden sollte – diese haben die Autoren weit hinter sich gelassen. So sei die repräsentative Demokratie »ein Widerspruch in sich […], der echte Demokratie nicht ermöglicht, sondern verhindert«.
Als Befreiungsparolen rufen Hardt und Negri der aufbegehrenden »Multitude« – das ist »ein Netzwerk singulärer Subjektivitäten« oder, allgemeinsprachlicher, »eine Gemeinschaft der ­Ungleichgesinnten« – zu: »Verweigert die Schulden!«, »Schafft neue ­Wahrheiten!«, »Befreit euch!«, »Verfasst euch!«. Immer wieder betonen die Autoren dabei das Gemeine (»common«) und erkennen ganz zu recht: »Es reicht nicht aus, eine Ressource zum Gemeingut zu deklarieren […] Die Schaffung des ›common‹ ist ein kontinuierlicher Prozess.« Dieses »commoning« – als Übersetzung bietet Jürgen Neubauer das »Gemeinen« oder »Gemeinsam-Machen« an – ziele nicht nur auf die Schaffung von Gemeingütern, sondern auch auf neue politische Organisationsformen ab. So widmet sich der letzte und ausführlichste Buchteil auch einer Neuverfassung der Gesellschaft. Anders als bei Rousseau sei es dazu nicht notwendig, dass die Bürger sich dem Willen eines ominösen Gemeinwesens unterwerfen, sondern sie könnten das Gemeinsame in einem Prozess, der den Willen aller zusammenführt, selbst schaffen – ein Plädoyer für kollaborative Entscheidungsfindung.
Es mag unserer schnelllebigen Zeit geschuldet sein, dass manche der geschilderten Ereignisketten von 2011 bereits zwei Jahre darauf wie Makulatur der Geschichte wirken – auf die messerscharfe, weitsichtige Analyse des Autoren­duos trifft dies hingegen nicht zu. Dass ihnen ihre marxistische Prägung dabei nicht zum ideologischen Fallstrick wird, zeigt einmal mehr, dass der achtzig­jährige Negri und sein jüngerer Mitautor zu den innovativsten politischen Vordenkern zählen.

Demokratie!
Wofür wir kämpfen.
Antonio Negri, Michael Hardt
Campus Verlag, 2013
127 Seiten
ISBN 978-3593398259
12,90 Euro

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